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Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe

News Das aktuelle Interview 102 Um dies zu erreichen, werden Zinnkugeln in einem Vakuum verdampft und danach in ein Vakuum eingeschossen. Unser Laser vermisst diese Zinnkugeln, wenn sie in das Vakuum eindringen. Ein Hochenergie-Laser erhitzt sie, anschließend werden sie im Prinzip verdampft oder ionisiert. Diese dafür benötigte Messeinrichtung liefern wir an ASML Holding N.V.; den weltweit größten Anbieter von komplexen Maschinen für die Chipproduktion. ASML ist eine niederländische Firma, die auch sehr eng mit der Firma Carl Zeiss zusammenarbeitet. Für uns ist wichtig, dass wir uns mehr weg vom reinen militärischen Markt hin zum BOS-Markt; also Polizei, Sondereinsatzkräfte und ähnliche bewegen, wo unsere Fähigkeiten ebenfalls benötigt werden. In der Zukunft sehe ich einen erhöhten Bedarf an Auf- klärungsfähigkeiten. Wir arbeiten gerade an einem Demonstrator für das Thema „Wide Area Motion Imaging“, das heißt, ein hochfliegender digitaler Sensor, der es er- möglicht, aus extremer Höhe ein großes Areal von über 50qm² permanent zu überwachen. Bei plötzlichen Veränderungen im Bild kann man zum Objekt hin zoomen und erhält sofort ein rein digitales Bild, was eine Identifizierung am Ort des Geschehens ermöglicht. Zusätzlich werden die gesamten Daten gespeichert und können anschließend retroperspektiv benutzt werden, um das Geschehen zu verfolgen. Das System ist noch ein Projekt der Zukunft und könnte beispielsweise in Einsatzgebieten zum Feldlagerschutz eingesetzt werden. Neue Entwicklungen gibt es im Bereich hyperspektrale Sensorik, das heißt im Zusammenführen von visuellen Kanälen mit Shortwave Infrared (SWIR) zum Beispiel, wo Sie dann durch Überblenden auch die Möglichkeit haben, durch Dunst zu schauen. Dazu gibt es bereits gute Ergebnisse. So ist es möglich, auf 15 Kilometern durch Dunst einen Leuchtturm oder Schiffe zu identifizieren, wo sonst ohne die Technik nichts erkennbar gewesen wäre. Ein neues Thema sind hochpräzise Laser Designatoren mit extrem großen Reichweiten. Des Weiteren ermöglichen Sensorfusionen, also das Zusammenführen unterschied- licher Sensoriken, eine intelligente Bildkorrektur wie zum Beispiel das Thema Turbulenzkorrektur. Beim Betrachten eines Objektes bei großer Hitze flimmert ständig der Hintergrund. Die intelligente Bildkorrektur rechnet dies Flimmern heraus und ermöglicht ein komplett stabiles Bild. Dies kann zum Beispiel bei der Grenzsicherung von großer Wichtigkeit sein und ermöglicht brauchbare Ergebnisse. Das Zusammenführen von Informationen aus verschie- denen Sensoren in einem Kontrollcenter mit entsprechenden Videowänden und anderen Darstellungsformen schafft die Voraussetzung für präzise Entscheidungen zum weiteren Vorgehen. Im Klartext schafft die Digitalisierung durch Umstellung von Optik hin zur Optronik optimal verwend- bare Ergebnisse für den Nutzer. Ein typisches Beispiel auch für eine zivile Anwendung ist das Vogelschlagfrühwarn- system am Flughafen Frankfurt. Das System wurde von HENSOLDT entwickelt, produziert und installiert und liefert dem Personal auf dem Kontrollturm Rund-um-die-Uhr die Informationen, die zur Entscheidung benötigt werden, ob Landungen aufgrund von vermehrtem Vogelflug abge- brochen werden. Ziel dieser Entwicklung ist es, aus Bildern die notwendigen Informationen herauszufiltern und damit dem Nutzer nur die relevanten Informationen zur Verfügung zu stellen. Das sind Themen, die wir entsprechend weiterverfolgen werden. HHK: Herr Hülle, vielen Dank für Ihre umfangreichen Information. gehen aber mehr und mehr auch auf den zivilen Markt. Hierzu haben wir ein gutes Produkt für die Herstellung von Produktionsanlagen für die Mikrochips entwickelt. Entstanden ist das Produkt mit der Bezeichnung Final Focus Metrology (FFM) aus unserem Laser Kern-Know-how und zwar aus der Messtechnik. FFM ist ein System, das man benötigt, um extrem ultra-violettes Licht (EUV) zu erzeugen. HHK 1/2018 Ein Mitarbeiter arbeitet an einem Sensor für die luftgestützte Aufklärung. © HENSOLDT Ein Blick in den Sehrohrturm in Oberkochen. © HENSOLDT


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