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Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe

Wehrtechnik Personalreduktion durch technische Weiterentwicklung Der Demografische Faktor – Herausforderung und Chance für neue Großsysteme Moderne Technisierung und Automatisierung erlauben zunehmend den „personalarmen“ Betrieb in den Streitkräften André Forkert 112 Der Remote Controlles Howitzer RCH155 auf dem Messestand von KMW auf der Eurosatory 2016 in Paris. © André Forkert schon damals auszeichnete, war die Möglichkeit der vollautomatischen Zufuhr von Geschossen. In dieser Betriebsart kam die PzH 2000 mit nur drei Mann aus. Dass die Bundeswehr nach dem Ende des Kalten Krieges kleiner geworden ist, ist eine Binse. Dass die Einsparungen der vergangenen Jahrzehnte dazu geführt haben, dass Bündnisverpflichtungen nicht erfüllt werden konnten und können, hat dagegen erst aufgrund der jüngeren Entwicklungen an der NATO Ost-Flanke an politischer Bedeutung gewonnen. Dies konnten die Leser einer großen deutschen Tageszeitung im April 2017 einem Artikel entnehmen, der Überlegungen aus der Planungsabteilung des Bundesverteidigungsministeriums wiedergab. Es war zu lesen, dass gemäß des aktuellen Weißbuchs der Bundesregierung die Landes- und Bündnisverteidigung wieder strukturbegründend wären. Die vorhandenen Kräfte seien dafür aber nicht ausreichend. Somit bedürfe es der Aufstellung und Ausrüstung neuer schwerer Heeresverbände in den nächsten 15 Jahren. Weiterhin stand geschrieben, dass die Planer unter anderem bei der Artillerie ein Defizit festgestellt hätten. Gerade bei dieser Fähigkeit bedürfe es eines nachhaltigen Aufwuchses mit der Folge, dass eine Vielzahl neuer Systeme beschafft werden müsse. Über die Trendwenden im Verteidigungsbereich wurde bereits viel geschrieben. Aus Sicht der Industrie ist – neben der Anhebung des Verteidigungsetats – das von den politischen und militärischen Entscheidern erklärte Ziel, die Strukturen vollumfänglich befüllen und ausbauen zu wollen, von be- sonderer Bedeutung. Auch die Trendwende Personal trägt diesem Ziel Rechnung. Aufgrund des demografischen Faktors muss vor Allem kritisch hinterfragt werden, ob zukünftig das geeignete Personal im notwendigen Umfang für die Truppe gewonnen werden kann. Die personelle Einsatzbereitschaft der Streitkräfte wird heute maßgeblich durch Zeit- und Berufssoldaten sichergestellt. Die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr bewegen sich in einem modernen und hochtechnisierten Betätigungsfeld. Die damit einhergehende Komplexität der militärischen Auf- gaben und die einen immer höheren Spezialisierungsgrad erfordernden Waffensysteme verlangen nach entsprechend hoch qualifizierten, erfahrenen und motivierten Menschen. Gleichzeitig ist die Anzahl personalintensiver Tätigkeitsbe- reiche in den Streitkräften rückläufig. Technisierung und Automatisierung erlauben zunehmend den „personalarmen“ Betrieb. Entscheidend ist, wie weit Technologie helfen kann, die Schere zwischen dem Erreichen der aufgabenorientierten Ausstattung und dem zukünftig verfügbaren Personal zu schließen. Vor diesem Hintergrund ist die Automatisierung insbesondere im Bereich von Kampfsystemen notwendig und zukunftsweisend. Im Schwerpunkt geht es dabei um die Reduzierung und körperliche Entlastung des Personals bei Erhalt des Einsatzwertes. Der Mensch soll und kann heute nicht vollwertig durch Technik ersetzt werden – Technisierung und Automatisierung können und müssen ihn aber in der Auf- gabenwahrnehmung unterstützen. Personalreduktion durch technische Weiterentwicklung – Eine evolutionäre Geschichte Ein Blick in die Geschichte der Rohrartillerie bei der Bundeswehr soll verdeutlichen, dass die Reduzierung von Personal bei gleichzeitiger Steigerung des Einsatzwertes durch technische Innovation keine neumodische Erscheinung ist. Die zunächst in der neu aufgestellten Bundeswehr eingesetzte Feldhaubitze M114 mit 11 Besatzungsmitgliedern wurde Mitte der 60er Jahre durch die Panzerhaubitze M109 mit sechs Mann ergänzt. Einige Jahre später begann die Entwicklung der Feldhaubitze 70, die mit sieben Bedienern eine deutliche Reduzierung des Personals gegenüber der M114 erfuhr. Das daraus resultierende Folgeprojekt Panzerhaubitze 70 wurde 1986 eingestellt. Stattdessen ließ die Bundeswehr die Panzerhaubitze 2000 (PzH 2000) entwickeln und beschaffte diese ab 1998. Die Besatzung bestand aus nur noch fünf Solda- tinnen und Soldaten. Was dieses Waffensystem allerdings HHK 1/2018


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