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Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe

NATO-EU-VN VJTF (L) 2019 unter Führung der Panzerlehrbrigade 9 Interview mit Brigadegeneral Ullrich Spannuth, Kommandeur Panzerlehrbrigade 9 HHK: Herr General, wie lautet für Sie das Fazit dieser CAX? Spannuth: Dies war eine hoch wertvolle Übung für uns. Dies gilt zu allererst für den Stab der VJTF Brigade, der im Rahmen von HEIDEBLITZ zum ersten Mal in seiner multinationalen Zusammen- setzung gearbeitet hat. Wir konnten unsere Verfahren innerhalb des rund 200 Soldaten umfassenden Stabes unter Abstützung auf unsere Gefechtsstandausstattung unter realitätsnahen Bedingungen üben und verbessern. Zugleich konnten wir mit den Bataillonsführun- gen der Bataillone eng zusammenarbeiten. Kurzum, das gesamte Team der VJTF hat einen großen Schritt nach vorne gemacht. HHK: Welche weiteren Übungsvorhaben sind für dieses Jahr geplant? Spannuth: Im März folgt an gleicher Stelle eine zweiwöchige Übung, bei der wir unter der Leitung des in Izmir stationierten LANDCOM der NATO als Brigadestab für die VJTF zertifiziert werden sollen. Dann kommen die beiden anderen wichtigen Übungen. Im Gefechtsübungszentrum (GÜZ) des Heeres findet im Juni die Zertifizierung des Panzerlehrbataillons 93 als deutscher Gefechtsverband der VJTF statt. Wir werden dort aber auch das sogenannte Spearhead Bataillon beüben, das nach dem bewährten Prinzip der AMF in drei Kompanien gegliedert ist. Jeweils eine Kompanie kommt aus Deutschland, den Niederlanden und Norwegen. Sie werden als Vorausverband für schnelle Einsätze zusammengeführt und sollen dann u.a. die Hauptkräfte der VJTF aufnehmen. Im zweiten Halbjahr werden wir voraussichtlich mit der gesamten Brigade nach Norwegen im Rahmen der Übung Trident Juncture verlegen. Wir werden dort zeigen, dass wir in der Lage sind, einen solchen Verband auch über weite Entfernungen zu verlegen und werden dann vor Ort mit Teilen der beiden anderen VJTF-Brigaden der NATO üben. Das ist ein herausforderndes Übungsprogramm für alle Beteiligten. Was es so spannend macht, ist, dass in den letzten 20 Jahren mit Vorhaben in diesem Umfang bei uns so richtig niemand betraut worden ist, weil der Schwerpunkt nachvollziehbar nun mal nicht auf Landes- und Bündnisverteidigung lag. Dass dieser Auftrag jetzt der Lehrbrigade erteilt wurde, ist für uns eine große Ehre und Freude. Aus den Erfahrungen und Erkenntnissen, die wir gewinnen werden, wird aber vor allen Dingen auch das Deutsche Heer insgesamt Rückschlüsse ziehen können. Ich sehe diese VJTF 2019 vor allem auch als Katalysator für künftige Entwicklungen im Heer. Und die nächste VJTF unter deutscher Führung steht schon für 2023 an. HHK: Die Bereitschaft hat im Januar 2018 begonnen und endet im Dezember 2020. Was bedeutet das für das Personal? Spannuth: Der Einsatz über diese drei Jahre ist das „New Normal“. Diese neue Normalität ist in ihrem Wesenskern nichts anderes als das, was wir vor 1990 gemacht haben, nämlich einsatzbereite Streitkräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung zur Verfügung zu stellen. Dabei wird es selbstverständlich zur Personalrotation und – fluktuation kommen. So werden wir die Kameraden, die wechseln, immer neu ausbilden, das Team teilweise anpassen müssen. Das sehe ich relativ unkritisch. BrigGen Spannuth führt 8.000 Soldaten aus neun Nationen. © Burghard Lindhorst 22 HHK 1/2018 Panzerlehrbrigade 9 abgebildet und um 60 multinationale Soldatinnen und Soldaten auf eine Stärke von rund 170 Soldaten verstärkt. „Die gesamte VJTF (L) 2019 wird dann rund 8.000 Solda- tinnen und Soldaten umfassen. Das Ganze ist ein Markenzeichen für Multinationalität und steht für die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnern im Bündnis“, freut sich Spannuth. Die VJTF (L) 2019 hat auch eine große Bedeutung für das Heer insgesamt. Sie ist „eine entscheidende Wegmarke für das Heer auf seinem Weg zur Wieder- erlangung seiner Fähigkeiten zur Landes- und Bündnisverteidigung“, betont Generalleutnant Jörg Vollmer, Inspekteur des Heeres. Es sei eine der anspruchsvollsten Aufgaben für das Deutsche Heer nach Endes des Kalten Krieges, sagt er. „Unser Ziel war und ist es, eine einsatzfähige Brigade aufzustellen, ohne den Schwerpunkt der Einsatzverpflichtungen und eFP zu gefährden; das wird uns absehbar gelingen. Mit unseren Partnern aus den Niederlanden und Norwegen setzen wir darüberhinaus in der Führung der VJTF (L) 2019 eine erprobte und bewährte Zusammenarbeit weiter fort und gehören damit auch mit Blick auf die erneute Übernahme dieser Ver- antwortung im Jahre 2023 zu den Vorreitern innerhalb der NATO .“ Das Deutsche Heer als Kern der Landstreitkräfte stelle damit wieder einmal seine Verlässlichkeit als Truppensteller unter Beweis.


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