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Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe

NATO-EU-VN Das aktuelle Thema Die arabische Tragödie in Syrien geht in die nächste Runde! Heino Matzken, M.Sc. Ph.D., Berlin (Es wird darauf hingewiesen, dass der Autor seine persönliche Meinung wiedergibt.) Mit großen Erwartungen reiste Prinz Faisal Ibn Hussein als Leiter der arabischen Gesandtschaft im Januar 1919 zur Friedenskonferenz nach Versailles. Hatten die Briten dem Haschemiten doch als Gegenleistung für den Aufstand gegen das Osmanische Reich einen „arabischen Staat“ zugestanden. In der sogenannten „Hussein – McMahon“ Korrespondenz (Briefwechsel des Vaters Faisals mit dem britischen Hochkommissar für Ägypten) spielte Syrien als „arabisches Kernland“ eine entscheidende Rolle. Doch frei nach Wilhelm Busch, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt, hielten die Sieger und zukünftigen Mandatsmächte, Großbritannien und Frankreich, ihr Versprechen nicht. Statt eines arabischen Reiches sorgte das Sykes-Picot-Abkommen für eine Nachkriegsordnung, deren Auswirkungen die Welt noch heute, knapp ein Jahrhundert später, in Atem hält. Besonders der grausame Bürgerkrieg in Syrien dominiert seit Monaten die westlichen Berichterstattungen. Ein langer Kampf sunnitischer Araber gegen die Interessen von Persern, Türken, schiitischen Arabern und internationaler Einmischung. Zutiefst von der westlichen Welt enttäuscht reiste Faisal 1919 aus Paris ab und wollte das arabische Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Doch sein Versuch, das vermeintliche Kernland als „Groß-Syrien“ für sich, seine Familie, aber auch für die Araber allgemein zu gewinnen, scheiterte an einem entscheidenden Punkt, der aktuell wieder einmal an Bedeutung gewinnt: die Einmischung externer Mächte in das Schicksal Syriens. Erst 1946 erlangte Syrien seine Unabhän- gigkeit von der französischen Kolonial- macht. Wer nun glaubte, die Arabische Republik Syrien könnte sich als ruhender Pol in der Region entwickeln, sah sich getäuscht. Neben der inneren Zerrissenheit unter den verschiedenen Bevölkerungsgruppen kreierte besonders der Einfluss externer Gruppen und Mächte in der Region eine schier unlösbare Komplexität. Die aktuelle türkische Offensive „Operation Olivenzweig“ im Norden des Landes stellt nur einen vorläufigen Höhepunkt der internationalen Einmischung – auf Kosten der lokalen Bevölkerung – in der Region dar. Gerade dieser türkische Angriff auf den Kanton Afrin im Januar 2018 verdeutlicht die drei Hauptspannungslinien in dem Konflikt. So kämpfen seit 2011 arabisch sunnitische Widerstandsgruppen gegen die alawitisch-schiitische Assad- Dynastie. Erstere unterstützt durch die Golfmonarchien, letztere vom Iran und seinem libanesischem Proxy, der Hisbollah. Aufgrund der globalen Bedeutung des regionalen Konflikts bezogen auch die beiden Weltmächte USA und Russland schnell Stellung. Washington auf Seiten der Opposition, Moskau auf Seiten der Regierung. Als dritte Konflikt- linie trat im Januar die ungeklärte Kurden- frage mit all ihren Nebeneffekten wie Autonomiebestrebungen im Irak, PKWiderstand in der Türkei (die sozialisti- sche Arbeiterpartei Kurdistans kämpft für eine politische Autonomie) sowie der Widerstand der syrisch-kurdischen Volks- verteidigungseinheiten (YPG) gegen Damaskus, erneut in den Vordergrund. Seit 1971 regiert die Familie Assad in Syrien. Basis der Macht bildet seither die alawitische Minderheit (ca. 10 Prozent der Bevölkerung). Die Anhänger dieser religiösen Sondergemeinschaft des schiitischen Spektrums leben hauptsächlich im Nordwesten des Landes. Hier herrscht somit eine religiöse Minderheit über die Bevölkerungsmehrheit (eine besonders von Großbritannien in unzähligen ehemaligen Kolonie eingeführte Methode zum eigenen Machterhalt nach dem Motto „divide et impera“). Der Arabische Frühling 2011 entzündete die schwelende Unzufriedenheit gegen 26 Mehr als 5.500 Terroristen wurden in nur einem Jahr durch Luftangriffe der russischen Luftstreitkräfte in Syrien zur Unterstützung des Assad-Regimes getötet. © Alalam.jr HHK 1/2018


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