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Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe

Das aktuelle Thema NATO-EU-VN dieses Herrschaftssystem unter dem Assad- Regime und gipfelte in einem seither von beiden Seiten erbarmungslos geführten Bürgerkrieg. Anfängliche Erfolge der sunnitischen Oppositionsgruppen basierten auch auf der finanziellen und militärischen Unterstützung durch Nachbarstaaten wie Saudi-Arabien und Katar. Ankara bezog mit Beginn des Bürgerkrieges, trotz einer vermeintlichen „Männerfreundschaft“ zwischen Assad und Erdogan, schnell Position gegen den südlichen Nachbarn. Besonders intensiv unterstützte die Türkei die Freie Syrische Armee (FSA). Sie bestand ursprünglich primär aus übergelaufenem Personal der syrischen Streitkräfte, verlor im Verlauf der Kämpfe jedoch mehr und mehr an Bedeutung. Lange Zeit als Sieger gefeiert, schwächten inneropposi- tionelle Friktionen und häufige Koali- tionswechsel innerhalb des sunnitischen Lagers die arabische Opposition und die Regierungstruppen gewannen langsam die militärische Überhand. Ende 2017 sahen sich die „Rebellen“ in wenigen Ge- bieten (z. B. im nördlichen Idlib) militärisch zusammengepfercht der fokussierten syrischen regulären Armee und ihren externen Unterstützern gegenüber. Die Hoffnung auf einen absehbaren Sieg über Assad und die Errichtung eines arabischsunnitischen Syriens rückte in weite Ferne! Dieser sich für die Opposition negativ entwickelnde Gefechtsverlauf basierte auch auf der Einmischung der beiden Welt- mächte. So positionierte sich Washington frühzeitig auf Seiten der „Rebellen“, deren militärische Qualität (insbesondere der kurdischen YPG) sich nicht allein durch finanzielle Hilfe, sondern im hohen Maße durch Waffenlieferungen und Ausbildung verbesserte. Entscheidend für die aktuelle, wiederum aus Opposi- tionssicht, negative Lage war jedoch, neben der Unterstützung durch den Iran, das Eingreifen Russlands. Nach dem Verlust Ägyptens und Libyens als Bündnispartner in der Region, griff Moskau nach Syrien als letztem Strohhalm. Um weiter geostrategisch im Nahen Osten agieren und Macht projizieren zu können, reaktivierte Moskau sein Verhältnis zu Damaskus und baute intensiv seine Mili- tärstützpunkte in Tartus und in der Nähe Latakias aus. Nach umfangreichen Waffen- und Personallieferungen erhielt die syrische Armee danach nicht nur die notwendige Luftunterstützung, sondern vor allem einen moralischen Schub. Mit nun wiedererlangtem Mut und Ver- trauen auf die eigene Stärke eilten Assads Truppen von Sieg zu Sieg. Aktuell drängt die reguläre Armee, ob mit Einsatz von chemischen Waffen oder ohne, die Rebellengruppen in Ost- Goutha und Aleppo mehr und mehr in die Defensive. Stellvertreterkrieg: die Akteure im Syrienkonfilt. © Badische Zeitung Soldaten der syrischen Armee erobern mit Hilfe russischer Luftangriffe Einflussgebiete der Rebellen. © Die Welt Als würden die Aktivitäten der „Weltmächte“ nicht schon genug Unheil stiften, gesellte sich zu allem militärischen Übel, aus Sicht der vom Westen gestützten Opposition, mit der türkischen Offensive „Olivenzweig“ auch noch die Einmischung eines NATO -Partners hinzu. Wie passend gilt der Olivenzweig seit den Zeiten des antiken Griechenlands als Symbol des Friedens! Für die türkische Offensive bildet die seit Jahrzehnten schwelende Kurdenproblematik das zentrale Leitmotiv. Dieses 25 Millionen starke Volk ohne Staatsgebiet kämpft seit Jahrhunderten um Anerkennung und Souveränität. Gegenwärtig verteilen sich die Kurden auf den Iran, Irak, Syrien und die Türkei (dort immerhin 15 der 80 Millionen Einwohner). Die kurzzeitige Hoffnung im Abkommen von Sèvres 1920 im Zuge der Pariser Vorortverträge ein eigenes Staatsgebiet – natürlich auf Kosten der Türkei – zugewiesen zu bekommen, zerschlug sich schnell. Bereits die durch Atatürk „erkämpfte Revision“, verbrieft im Vertrag von Lausanne 1923, sprach nicht mehr von dem erträumten Kurdistan. Seither bemühen sich die HHK 1/2018 27


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