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Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe

Editorial 3 Sehr geehrte Leserinnen und Leser, zuerst eine positive Nachricht: Die Sondierungsgespräche sind – wie selbstverständlich – erfolgreich beendet worden. In einem 28 Seiten starken Protokoll „Ergebnisse der Sondierungsgespräche vermittelt, dass es jetzt wieder aufwärtsgeht. Dazu ein Satz aus der Präambel: „Wir werden die Probleme anpacken, die die Menschen in ihrem Alltag bewegen, und uns mutige Ziele für die nächsten vier Jahre setzen.“ Das klingt gut und beruhigend. Sogar die Bundeswehr wird, wenn auch nur sehr kurz, erwähnt. Zitat auf der Seite 25 aus dem Abschnitt «Außen, Entwicklung und Bundeswehr» „Im Rahmen dieses vernetzten Ansatzes bleibt die Bundeswehr ein unverzichtbarer Bestandteil deutscher Sicherheitspolitik.“ Und weiter: „Wir betonen den Charakter der Bundeswehr als Parlamentsarmee. Damit sie die ihr erteilten Aufträge in allen Dimen- sionen sachgerecht erfüllen kann, werden wir den Soldatinnen und Soldaten die bestmögliche Ausrüstung, Ausbildung und Betreuung zur Verfügung stellen.“ Und jetzt einige weniger positive Anmerkungen zum „Jahresbericht 2017 des Wehrbeauftragten“, die der Wehrbeauftragte, Hans-Peter Bartels vor der Bundespressekonferenz machte: „Schwerpunkt des Berichts bleiben die großen Lücken bei Personal und Material in allen Bereichen der Bundeswehr. … Oberhalb der Mannschaftsebene sind 21.000 Dienstposten von Offizieren und Unteroffizieren nicht besetzt. Weil so viel Personal fehlt – Führungspersonal, Ausbilder, Spezialisten –, bleibt der Dienst, der zu tun ist, an den Soldatinnen und Soldaten hängen, die da sind. Das führt nicht selten zu Überlast und Frustration. … „Gleichzeitig ist die materielle Einsatzbereitschaft der Truppe in den vergangenen Jahren nicht besser, sondern tendenziell noch schlechter geworden. Die proklamierten „Trendwenden“ für Personal, Material und Finanzen sind unbedingt zu begrüßen. Nur macht die Proklamation allein noch nichts besser. … Auch deshalb hat die Diskussion um „Führung und Haltung“ im Berichtsjahr erhebliche Unruhe verursacht. Viele Soldatinnen und Soldaten sahen sich einem Generalverdacht gegen alle Bundeswehrangehörigen ausgesetzt. Sie spürten Misstrauen. Dabei setzt das Konzept der „Inneren Führung“, damit es wirksam sein kann, ausdrücklich gegenseitiges Vertrauen von Führung und Geführten voraus. Dieses Vertrauensverhältnis folgt gegenwärtig dem Trend der Zeit, könnte man sagen: Es ist in Reparatur. … Der Jahresbericht beschäftigt sich aus gegebenem Anlass noch einmal mit Grundfragen der Inneren Führung und auch mit den einzelnen Fällen, die im vergangenen Jahr besondere Beachtung gefunden hatten: Pfullendorf, Illkirch, Sondershausen und Munster. Der Bericht beschäftigt sich auch mit erkannten Mängeln in der – manchmal vorschnellen – Konsequenzenziehung. schleichende Trend sonst immer untergeht, thematisiert der Jahresbericht 2017 das Übermaß an Zentralisierung und HHK 1/2018 von CDU, CSU und SPD“ wird der Eindruck … Ohne konkreten Anlass, aber weil dieser Für ein starkes Europa Bürokratisierung, unter dem Vor- gesetzte aller Ebenen leiden, von den Teileinheitsführern, Chefs und Spießen bis zum Divisionskommandeur: Die Verregelung von allem und jedem durch tausende von selbstgemachten Bundeswehr-Vorschriften erstickt das Prinzip des Führens mit Auftrag. Persönlich wahrnehmbare, ganzheitliche Verantwortung verschwindet. Verantwortungsdiffusion, Absicherungsmentalität und Ohnmachtsgefühle treten an deren Stelle. Dem entgegenzuwirken, wäre am Ende nicht nur eine Frage der Effektivität, sondern auch eine Frage der Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr.“ Es bleibt abzuwarten, wer mit welchen Mitteln (Finanzen) und in welchem Zeitrahmen das Versprechen zur bestmöglichen Ausrüstung, Ausbildung und Betreuung einlösen wird. Zum Thema: Mängel bei Material und Ausrüstung finden Sie weitere Anmerkungen in einem Bericht ab Seite 10ff. Die aktuelle Ausgabe des Hardthöhenkuriers bietet darüber hinaus eine Vielzahl interessanter Themen, deren Beachtung ich Ihnen gerne ans Herz lege. Bitte lesen Sie die Vorberichte zur AFCEA-Fachausstellung sowie zur ILA Berlin Air Show, die erwarten lassen, dass viele neue Entwicklungen im Bereich der Wehrtechnik dort vorgestellt werden. Ich empfehle auch die Beiträge aus den Rubriken Streitkräftebasis und dem Cyber- und Informationsraum, aber auch die Berichterstattung zur Präventivmedizin des Sanitätsdienstes. Insgesamt betrachtet wiederum eine Ausgabe mit einem breiten Angebot an inte- ressanten Beiträgen und Interviews. Die Welt ist insgesamt unruhiger geworden, das Säbelrasseln einiger Staaten bzw. der Staatenlenker ist immer deutlicher zu vernehmen. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Spaß beim Lesen dieser Ausgabe. Unser Blick bleibt nach vorne gerichtet. Mit freundlichen Grüßen von der Hardthöhe Ihr Jürgen K.G. Rosenthal


Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe
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