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Hardthöhenkurier 1/2018 Leseprobe

Cyber- und Informationsraum 60 Jahre Militärisches Nachrichtenwesen 60 Jahre Militärisches Nachrichtenwesen – Informationsgewinnung zwischen bipolarer Weltordnung und hybrider Kriegsführung Aufklärung aus einer Hand – MilNW im 21. Jahrhundert, Teil 2 (2001 bis heute) Generalmajor Axel Binder, Kommandeur Kommando Strategische Aufklärung, mit Kapitänleutnant Fabian Reinecker Mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 und dem folgenden „War on Terrorism“ begann für die NATO und die Bundeswehr eine neue Zeitrechnung. Distanz zu den Konflikten der Welt garantierte keine Sicherheit mehr. Mit dem Beginn der Ukrainekrise als einer Zäsur territorialer Konflikte, dem Aufkommen hybrider Kriegsführung und Cyber Threats scheint die zu- nehmend vernetzte Welt in einem bis dato nicht gekannten Ausmaß bedroht. Vor diesem Hintergrund agiert das Kommando Strategische Aufklärung (KdoStrat- Aufkl) als „Spinne im Netz“ der Informationsverbünde und wird den neuen Herausforderungen künftig im Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum (CIR) auch mit operationellen Wirkmitteln begegnen. Wachsende Bedeutung des Nachrichtenwesens für die Armee im Einsatz Knapp ein Jahrzehnt nach Ende der Ost- West-Konfrontation und der aufkeimenden 36 Hoffnung nach einer bedrohungsfreien Zukunft für die wiedervereinigte Bundesrepublik wurden diese Wünsche am 11. September 2001 jäh zerschlagen. Mit den Terrorakten des Al-Qaida-Netzwerkes gegen symbolträchtige Einrichtungen in den Vereinigten Staaten sah sich auch Deutschland als enger Ver- bündeter der USA durch den islamistischen Terror massiv bedroht. Mit dem erstmals nach Artikel 5 des NATO -Vertrages festgestellten Bündnisfall trat die Bundesrepublik an der Seite ihrer Partner in den Krieg gegen den internationalen Terrorismus ein. Folglich beteiligte sich Deutschland an der im Dezember 2001 in Afghanistan gestarteten Mission „International Security Assistance Force“ (ISAF). Im Verlauf dieses Auslandseinsatzes entwickelte sich die Bundeswehr zu einer „Armee im Einsatz“ – eine Entwicklung, die sich im besonderen Maße auch auf das Militärische Nachrichtenwesen auswirkte. Die zentrale Dienststelle in Grafschaft- Gelsdorf erlebte im Juli 2002 einen erneuten tiefgreifenden Wandel. Mit der Überführung des ANBw in das neue „Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr“ (ZNBw) und der bereits im Januar desselben Jahres erfolgten Aufstellung des „Kommando Strategische Aufklärung“ (KdoStratAufkl) als so- genanntes „Sensorkommando“ für die Kräfte und Mittel der Fm/EloAufkl erfuhr das MilNW die Diversifikation seiner Kompetenzen, blieb jedoch weiter- hin streitkräftegemeinsam innerhalb der im Oktober 2000 als militärischer Organisationsbereich neu aufgestellten Streitkräftebasis (SKB) zusammengefasst. Das ZNBw blieb dabei weiterhin die herausgehobene Dienststelle der Bundeswehr für das Feststellen, Führen und Bewerten der Lage anderer Staaten und deren Streitkräfte sowie der Militärischen Sicherheitslage der Bundeswehr. Hierzu bediente sich die Dienststelle auch weiterhin der von den Aufklärungs- kräften der Streitkräfte erbrachten Infor- mationen oder tauschte Informationen mit den Dienststellen von Verbündeten und Partnern aus. Bedingt durch die neuen Erfordernisse einer Armee im Einsatz, verschob sich jedoch der Fokus des ZNBw auf eine wesentlich operationellere Ausrichtung seiner Prozesse zur Unterstützung der Einsatzverbände. Ergänzend hierzu vereinte das neu aufgestellte KdoStratAufkl die Fähigkeiten zur Fm/EloAufkl, des bodengebundenen elektronischen Kampfes und der – damals noch in Planung befindlichen – abbildenden satellitengestützten Generalmajor Axel Binder, Kommandeur Kommando Strategische Aufklärung. Aufklärung unter seiner fachlichen wie HHK 1/2018


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