Page 100

Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Marine 100 Dekontaminationsübung TOXIC FISH 2016 Der Umgang mit den unterschiedlichsten ABC-Bedrohungen nimmt naturgemäß keine Rücksicht auf Verfahrensfragen. Hier hilft nur absolute Professionalität und das Einleiten der richtigen Maß- nahmen. Eine extreme Herausforderung bei der Übung TOXIC FISH 2016 ist die Behandlung von kontaminierten Verwundeten. Nachdem die verletzten Be- satzungsmitglieder der MS YILON von der PEGNITZ sicher an Land gebracht wurden, kamen sie unverzüglich in die sogenannte landgestützte Verwundeten-De- kontaminationseinrichtung. „Diese auf der Basis luftgestützter Zelte eingerichtete Verwundeten-Dekontaminationseinrichtung bringt viele Vorteile mit sich. Wir gewinnen wichtige Zeit, da sie schnell aufzubauen ist und durch das Schienensystem die Verwundeten zügig versorgt werden und anschließend vollständig dekontaminiert in ein Krankenhaus gebracht werden können“, beschreibt Major Stephan Hube, Kompaniechef des Sanitätslehrregiments aus Feldkirchen, diese spezielle Verwundeten Dekontaminationseinrichtung. Die Verwundeten-Dekontamination findet für das beteiligte Sanitätspersonal unter ABC-Schutz (BAS 3) statt. Erst im Bereich der notfallmedizinischen Erstversorgung, in der ein Patient vollständig dekontaminiert ist, findet die Behandlung nicht mehr unter ABC-Schutz statt. Der Ablauf ist streng prozessorien- tiert organisiert. Auf einer Art Fließband werden die Patienten zunächst komplett entkleidet, die Abnahme der ABC-Schutzmaske erfolgt zum Schluss. Durch die Abnahme der kontaminierten Bekleidung wird die Patienten-Kontamination um ein Vielfaches gesenkt. Die Verwundeten werden mit einem spe- ziellen Schaum „gewaschen“ und unter Einsatz von Bürsten wird die Restkontamination entfernt. Erst dann können sie notfall-medizinisch weiter versorgt werden und in eine medizinische Einrichtung transportiert werden. Die beschriebene Patienten-Dekontamination kann auch mit beatmeten Patienten durchgeführt werden. Durch spezielle Abläufe wird gewährleistet, dass der Patient beatmet und alle Vitalparameter überwacht werden. Für die Sicherstellung der Rettungskette im Einsatz ist die Verwundeten-Dekontamination eine entscheidende Schnittstelle, durch sie wird die anschließende Behandlung der Patienten ohne ABCGefährdung für Behandelnde und Dritte ermöglicht. Der Verwundetentransport aus einem kontaminierten Schiff ist sehr aufwändig, er kann nur in speziellen Isolatoren durchgeführt werden, dieser wurde an der SanAkBw entwickelt. Dieser Patiententransport von Bord und die Patienten-Dekontamination unter ABC- Bedingungen stellen hohe psychische und physische Anforderungen an das Sanitätspersonal. Ebenso die Einbindung in die Rettungskette und Koordination im Rahmen der Gesamtlage. Nachdem alle Verletzten von Bord gebracht wurden, erhält die PEGNITZ den Auftrag, an einen abseits gelegenen Liegeplatz im Hafen zu verlegen. Hier warten bereits die Soldaten der in Husum stationierten 5. Kompanie des ABC-Abwehrbataillons 7 unter ABCSchutz (BAS 3), die zunächst das Oberdeckspersonal der PEGNITZ von Bord abbergen. Nach einer Behelfsdekontamination von der Stelling bis zur ABC-Schleuse der PEGNITZ werden die restlichen Besatzungsangehörigen der PEGNITZ aus der Zitadelle evakuiert. Alle Besatzungsangehörigen, die sich während des gesamten Übungsszenars unter ABC-Schutz (BAS 3) befinden, werden unter Nutzung des HEP 90 (Haupt-Entstrahlungs Entseuchungs-Entwesungs- Entgiftungs-Platz 90 Fahrzeug) einer gründlichen Personendekontamination zugeführt. Als erstes erfolgt eine gründliche Reinigung der Gummischuhe mit einer Dekontaminationsflüssigkeit direkt hinter der Stelling beim Verlassen des Bootes, damit eine Kontaminationsverschleppung an Land verhindert wird. Am Ende der Pier, in einem Sicherheitsabstand zur kontaminierten Einheit, wurde durch die Soldaten der 5./ABCAbwBtl 7 der Dekontaminationsplatz eingerichtet. Die Soldaten, die einen Nässeschutzanzug (Tychem-F) über ihrem HHK 4/2016 Dekontamination eines zu be- atmenden Patienten. © KdoSanEins- Ustg / Minh Vu Transport eines Verletzten im Patiententransportisolator (PTI). © MarKdo, PIZ Marine / Steve Back Dekontamination der Schuhe. © KdoSanEins- Ustg / Minh Vu


Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe
To see the actual publication please follow the link above