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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Posttraumatische Belastungs- störungen sind vielfältig Maßnahmen und Wege zur Behandlung durch die Bundeswehr 106 Zum Thema Posttraumatische Belastungsstörungen Mit der Auftragserweiterung der Bundeswehr etablierte sich das Konzept der Posttraumatischen Belastungsstörung im Fachbereich der Psychiatrie und Psychotherapie des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. Erlebnisse oder Situationen, die von der Normalität abweichen, können posttraumatische Störungen auslösen. Einmalig belastende Erlebnisse finden wir beispielsweise als Zeuge oder Ersthelfer bei schweren Verkehrsunfällen, wiederkehrende oder fortlaufende Erlebnisse sind beispielsweise Folter, Mobbing, Missbrauch oder Kriege. Die letztgenannten Ereignisse betreffen vor allem Soldaten. Während kriegerischer Auseinandersetzungen werden Soldaten immer wieder mit schweren Schicksalen, Verwundung und Tod konfrontiert. Des Weiteren können ständige Anspannungen während des Einsatzes dazu beitragen, das Erlebte, beispielsweise auch Kampfhandlungen, nicht verarbeiten zu können. Erst nachdem der Einsatz beendet ist, kommt der Betroffene zur Ruhe. Das ist jedoch der Zeitpunkt, an dem das oftmals Erlebte in das Bewusstsein zurückkehrt und als Folge auch nicht mehr bewältigt werden kann. Diesen Zustand bezeichnet man als Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). In der Medizin versteht man unter Posttraumatischen Belastungsstörungen die Entstehung einer verzögerten Reaktion auf ein belastendes einmaliges oder wiederkehrendes negatives Erlebnis. Typische Symptome für die Entwicklung einer PTBS sind Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Albträume, Aggressi- vität, Ablehnung sowie Schuld- und Schamgefühle. Betroffene kapseln sich vom sozialen Umfeld ab, machen Überstunden, vermeiden Kontakt zu Familie und Freunden, kurzum: professionelle Hilfe ist von Nöten. Behandlung von PTBS bei Soldaten der Bundeswehr Bei der Bundeswehr erfolgt im Krankheitsfall eine Behandlung psychisch traumatisierter Soldatinnen und Soldaten zunächst an den Bundeswehrkrankenhäusern und Fachsanitätszentren, da hier entsprechende Kenntnisse über militärspezifische Besonderheiten vorhanden sind. Dabei werden auch zivile Gesundheitseinrichtungen, insbesondere unter dem Aspekt einer heimatnahen Versorgung, in den Behandlungsprozess mit einbezogen. Die Bundeswehr hat in 2010 das Forschungs und Behandlungszentrum für Psychotraumatologie und Posttraumatische Belastungsstörungen am Bundeswehrkrankenhaus Berlin als „Traumazentrum“ eingerichtet und somit einen unmittelbaren Wissens- und Erfahrungstransfer zwischen wissenschaftlicher Grundlagenarbeit und Forschung sowie medizinischer Versorgung sichergestellt. An der Sportschule der Bundeswehr wurde Anfang 2012 die „Gruppe Sporttherapie nach Einsatzschädigung“ auf Betreiben des damaligen Inspekteurs Jürgen K.G. Rosenthal Schlafstörungen, Panikattacken, Angst und Depression. © Fotolia Radu Razvan der Streitkräftebasis, Admiral Kühn, eingerichtet. Ziel ist es Soldaten, die im Einsatz verwundet oder versehrt worden sind, wieder körperlich und mental durch Trainingsprogramme wieder fit zu bekommen. Dazu werden Lehrgänge durchgeführt. Auch Soldaten mit rein posttraumatische Belastungsstörungen werden aufgenommen; insbesondere dann, wenn ärztlicherseits festgestellt wurde, dass die Betroffenen durch den Sport wieder ihren Kopf etwas frei bekommen können. Die Gesamtzahl der in 2015 neu diagnostizierten einsatzbedingten psychischen Störungen insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben, bei den Neuerkrankungen ist die Zahl der PTBS-Fälle jedoch um etwa 15% gestiegen. Wie gehen Streitkräfte anderer Länder mit PTBS um? Am Beispiel der US-Streitkräfte wird einmal dargestellt, wie auch mit dem Einsatz eines mittlerweile erfolgreich klinisch erprobten Mikrostromverfahrens posttraumatische Belastungsstörungen erfolgreich behandelt werden können. HHK 4/2016 Sanitätsdienst Die US-Streitkräfte setzen beispielsweise seit über 10 Jahren bei der Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen, aber auch Schlafstörungen, Angst und Depression erfolgreich Elektrostimulation ein Ein Beitrag von Oberstarzt d. R. Uwe F. Winkler, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Dr. Axenia Schäfer, Beraterin im Gesundheitswesen Auslandseinsätze sind kein Spaziergang. Panikattacken, Angst und Depression Ein Teil der Bundeswehrsoldaten kehrt vom Einsatz zurück. Die Diagnose „posttraumatische mit Symptomen wie Schlafstörungen, Belastungsstörung“ nimmt zu. Bei der kämpfenden Truppe litten bei einer Querschnittsuntersuchung zudem über 50% der Soldatinnen und


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