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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Serie: Wehrtechnische Dienststellen der Bundeswehr Wehrverwaltung Zusammenarbeit der Wehrtechnischen Dienststellen mit der Industrie am Beispiel Projekt Schützenpanzer Puma. Wirtschaftswege erschlossen ist, bestehen im südlichen Teil weite Flächen in ihrer ursprünglichen Form mit einer ökologisch sehr wertvollen Fauna und Flora eines in Mitteleuropa einzigartig erhaltenen Hochmoorgebietes. Dieses Gebiet, die Tinner Dose, wurde 1986 als Naturschutzgebiet mit einer Größe von 3200 Hektar eingerichtet. Auch wenn er sich als Dienstleister für die Projekte versteht, so ist doch „Sicher- heit oberstes Gebot“, sagt der Technische Regierungsoberamtsrat Bernd Schillingmann. Der Leiter des Geschäftsfeldes 210 „Versuchsbetrieb, Schieß- und Sprengsicherheit“ berät mit seinen Mitarbeitern die Projektverantwortlichen und setzt das erforderliche Sicherheits- und Funktionspersonal bei Versuchen am Boden und in der Luft ein. Seine Leit- und Kontrollstelle arbeitet ähnlich einer Truppenübungsplatzkommandan- tur. Allerdings mit dem wichtigen Unter- schied, dass es sich in Meppen bei der Festlegung der Sicherheitsbereiche um die Erprobung nicht eingeführter Systeme handelt, zu denen er mit seinen Experten jeweils eine eigene Sicherheitsbewertung neu erstellen muss. Den Luftraum kann er bis zu 30.000 Fuß Höhe sperren lassen, in Einzelfällen auch bis zu 60.000 Fuß. Und sollte es notwendig werden, sind „unser Sanitätsdienst und die Feuerwehr in acht Minuten überall vor Ort“, betont Schillingmann. Die WTD 91 ist aber nicht nur in Deutschland, sondern auch immer wieder weltweit tätig. Bei der Betrachtung der Gesamtsysteme aus Waffe, Munition und Anbauteilen in unterschiedlichen Einsatzszenarien sind Erprobungen vom Nordkap bis hin zu den Vereinigten Arabischen Emiraten erforderlich. So hat der Geschäftsbereich 400 gerade ein Team für mehrere Wochen nach Süd- afrika geschickt, berichtet sein Chef, der Leitende Technische Regierungsdirektor stiegener Schießbedürfnisse vergrößert. Krupp tätigte einen Teilankauf des Geländes von 8.900 Hektar. Ab 1937 und während des 2. Weltkrieges erreichte der Platz mit 50 x 6 Kilometer seine größte Ausdehnung. Am 8. April 1945 wurde der Platz von kanadischen Truppen besetzt und in den folgenden Jahren die vorhandenen erprobungsrelevanten Ein- richtungen zerstört oder demontiert. 1957 übernahm die Bundesrepublik Deutschland den Krupp´schen Grundbesitz und richtete darauf mit anfänglich 18 Beschäftigten die „Erprobungsstelle 91 für Waffen und Munition der Bundeswehr“ ein. Im Sommer 1957 fiel unmittelbar nach der Eröffnung der erste Schuss aus einer Panzerfaust. Dreißig Jahre später, 1987, wurde sie in „Wehrtechnische Dienststelle für Waffen und Munition WTD 91“ umbenannt. Gleichzeitig wurde ihr Aufgabenspektrum deutlich erweitert. Die heutige Gesamtgröße des Schießplatzes beträgt rund 192 Quadratkilo- meter bei einer Gesamtlänge von 30 Kilo- metern und einer Breite von fünf bis sieben Kilometern. Er umfasst rund 600 Gebäude, ein 180 Kilometer langes Wege- netz und einen eigenen Flugplatz. Unter Berücksichtigung der Infrastruktur und des Gefahrenbereiches wird hier Munition bis zu einer maximalen Schussentfernung von 28 Kilometern erprobt. Auf dem Versuchsgelände ist ein eigenes Mess- verbundsystem mit neun festen und zwei mobilen Schallmesskreisen, 20 Messhügeln in der Peripherie, 37 Beobachtungsbunkern und acht Beobachtungstürmen vorhanden. Auch mit Radar-, Infrarot- und Lichtmesssystemen kann das jeweilige Ziel angerichtet werden. Die Messergebnisse werden in einer Zen- trale zusammengeführt und ausgewertet. Während der nördliche Teil des Geländes vollständig kultiviert und durch Vorbereitung von Kampfpanzern für Versuchsschießen. Das Messverbundsystem der WTD 91 mit diversen stationären und mobilen Messsystemen. HHK 4/2016 109


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