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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Wehrtechnik Streitkräfte und Energiebedarf Smart Energy aus Sicht der Bundeswehr – Zielsetzungen und Sachstände der Energiesicherstellung Friedrich K. Jeschonnek 120 Der Bedarf von Streitkräften an Smart Energy dieses Komplexes. Die einzelnen Organisationsbereiche Army, Air Force, Navy und, Marine Corps haben begonnen, die Strategie durch eigene Initiativen umzusetzen. So wurden zum Beispiel im US-Heer Hybridfahrzeuge beschafft, eine Erprobungsstelle für Feldlager geschaffen, Technologien für Erneuerbare Energien beschafft und erprobt. Das „Zero-energy building“ – ein Haus, nur versorgt durch erneuerbare Energien, ist ebenfalls Teil des Programms. Die Marine hat zusammen mit dem Marine Corps ein Task Force Energy gebildet. Es wurde mit der USS MAKIN ISLAND, ein hybrid angetriebenes Schiff, beschafft, das seit 2006 erhebliche Einsparungen im Energiebereich nachwies. Der Kraftstoffverbrauch ist bis 2025 um 50% zu reduzieren. Beschafft wurden unterschiedliche Solarpanel SPACES (Solar Portable Alternative Communi- cation System) zur Gewinnung von elektrischer Energy für Kommunikation und IT Gerät. Die US-Air Force will einen Air Force Energy Plan mit erheblichen Einsparungen bis 2030 und Einsatz neuer Technologien einsetzen. Die Initiative erstreckt sich auch auf den weltweiten Liegenschaftsbetrieb der US-Streitkräfte. Im Frühjahr diesen Jahres führte das NATO HQ in Brüssel bei der Emerging Security Challenging Division (ESCD) eine Bestandsaufnahme (siehe HHK 3/016, S.102ff) über die Er- probung energiesparender Maßnahmen bei Übungen der Reihe Capable Logistian (CL) durch. Ziel ist, die Energie-Effizienz (Smart Energy) im Bündnisrahmen verbessern zu helfen. Diese NATO-Konferenz im März 2016, die unter anderem als wesentlichstes Ergebnis die weiterführende Nutzung neuer Technologien in NATO-Übungen von 2017 bis 2020 und Ausarbeitung relevanter, noch erforderlicher STANAG empfahl, wurde in Deutschland am 25./26. April 2016 durch eine internationale Fachtagung bei USAREUR in Wiesbaden ergänzt, die sich auf Energieoptimierung von Infrastrukturen bei unterschiedlichen Streitkräften konzentrierte. Fortgeführt wurde dieser Erfahrungsaustausch unter deutscher Ägide der DWT mit dem Fokus „Unterbringung im Einsatz“ am 3./4. Mai 2016 in Schloss Diersdorf bei Berlin. Abgerundet wurde die Reihe der Veranstaltungen zum Thema am 28./29. Juni 2016 in Bonn Bad-Godesberg mit der DWT-Konferenz „Streitkräfte und Energiebedarf“. Die Aufgabenerfüllung und Überlebensfähigkeit von Sicherheitsstrukturen hängt von einer zuverlässigen und kontinuier- lichen Energieversorgung ab. Hierbei geht es aber heute nicht nur um die Vorsorgung um jeden Preis, sondern um eine umweltfreundliche Sicherstellung unter Nutzung effizienter Technologien. Die militärische Relevanz ist so bedeutsam, dass im Bereich des NATO HQ die Initiative „Smart Energy“ ins Leben gerufen und in Litauen ein Center of Excellence (COE) für Energy Security (COE ENSEC) etabliert wurde. An der NATOInitiative, den Energieverbrauch durch neue Technologien zu senken, dies in logistischen Übungen feldmäßig zu erproben und zukünftig effektiv umzusetzen, wirkt die Bundeswehr und die deutsche Industrie mit. Der HHK berichtete in seinen Ausgaben 1/2016, S.84ff und 3/2016, S.102ff ausführlich darüber. Im folgenden Bericht werden konzeptionelle Rahmenbedingungen und Sachstände für optimierte Energiever bzw. Entsorgung im Grundbetrieb und Einsatz skizziert und dabei Ergebnisse von initiativen, Seminaren, Konferenzen und Symposien in Deutschland zum Thema behandelt. Die Entwicklung der Umwelt hat zum Umdenken in der Nutzung von Energien geführt. Dies wird unter dem Begriff „Energiewende“ subsumiert und schließt den Sicherheitssektor ein. Mobilität und Digitalisierung sind Treiber für zunehmenden Energiekonsum in den Streitkräften. Zu Energiever bzw. Entsorgung gehören: Bereitstellung, Sicherheit, Unabhängigkeit, Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit. Dies gilt auch für die Bundeswehr, die sich für nationale Energiesparmaßnahmen und Nutzung alternativer Energien seit längerer Zeit geöffnet hat und zur Optimierung der Energienutzung beizutragen plant. Hierzu gehört, dass vom federführenden Organisationsbereich Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen (IUD) bereits übergreifend zahlreiche Maßnahmen eingeleitet wurden bzw. unterstützt werden, um sowohl im Grundbetrieb als auch im Einsatz Kraftstoffe, Elektrizität und Gas einzusparen. Die Amtsseite wird hierbei seit längerem im Rahmen eines Kompetenzfeldes Infrastrukturmanagement von der g.e.b.b. unterstützt. Dabei wird auf Technologien und Verfahren gesetzt, die möglichst umweltverträgliche Einsparung erbringen. Bei Ausschreibungen wird entsprechend effizientes Energiemanagement bzw. adequater Technologieeinsatz von den Providern gefordert. Blick auf Verbündete: US DOD’s Energy Efficiency and Renewable Energy Initiatives Einen hohen Stellenwert hat die Nutzung Erneuerbarer Energien in den US Streitkräften. Ein Stabsbereich im Verteidigungsministerium, das Office of the Assistant Secretary of Operational Energy Plans and Programms (OASOEPP), ist seit 2010 übergreifend tätig. OASEPP hat in 2011 eine „Operational Energy Strategy“ als Planungsgrundlage vorgelegt. Verteidigungs- und Energieministe- rium arbeiten gemeinsam auf der Basis eines MOU an der Forschung, Entwicklung, Einführung und Auswertung HHK 4/2016 Wiegel Solarcontainer für die Bundeswehr. © Bundeswehr


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