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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Bundeswehr IS verliert an allen Fronten – aber nicht den Krieg! weiter in der Hand. Geschwächt durch den Kampf gegen oppositionelle Gruppen in der eigenen Bevölkerung, musste jedoch selbst die hochgerüstete syrische Armee vor den Horden des IS zurückweichen. Doch auch hier wendet sich das Blatt. Bereits Ende März 2016 fiel die für ihre antiken Ausgrabungsstätten Autobombenanschlag in Bagdad. © de.wikipedia.org 28 berühmte Stadt Palmyra zurück in die Hände der Assad-Truppen. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehö- rende 200 Kilometer von Damaskus entfernte Stadt zog früher noch 150.000 Touristen jährlich an. Auch hier wüteten die sunnitischen Terroristen und zer- störten die in der Antike entstandenen berühmten Tempel zu Ehren des babylonischen Gottes Baal – dem Äquivalent von Zeus – und des phönizischen Himmelsgottes Baalschamin. Nach der Rückeroberung Palmyras durch das Assad-Regime ist der Weg in Richtung der IS-Hauptstadt Rakka frei. Ende Mai nutzte Damaskus die weiterhin schlagkräftige Unterstützung der russischen Luftwaffe und konnte wichtige Ge- ländeabschnitte in der Nähe des Militärflughafens Tabka erobern. Dieser, sowie der Flughafen in Deir al-Zur und der Staudamm von Tabka, wären wichtige Etappen für die sich im Aufwind befindenden syrischen Truppen. Assad legt sein Hauptaugenmerk allerdings nicht auf die Befreiung Rakkas, wenngleich die Ankündigung einer Offensive zu Propagandazwecken nützlich sein könnte. Die Kontrolle des nordwestlichen syrischen Küstenge- birges, als Kerngebiet der Alawiten und Hausmacht des Präsidenten, ist für ihn von primärer Bedeutung. Dort kämpfen seine Truppen hauptsächlich gegen die Al-Nusra-Front, eine al-Qaida zuge- hörige, dschihadistisch-salafistische Orga- nisation in Syrien. Trotz allem zieht sich die Schlinge um den selbsternannten Kalifen und ISAnführer al-Baghdadi von Woche zu Woche enger zu. Neben der Offensive des Assad-Regimes im Südwesten be- reiten auch die Kämpfer der „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF) in Richtung Manbij eine Offensive vor. Die US-Luftwaffe unterstützt diesen Angriff intensiv. Bei den SDF handelt es sich um ein Militärbündnis aus Kurden, sunnitischen Arabern und vereinzelten Christen. Bereits im November 2015 vertrieben kurdische Einheiten IS-Kämpfer aus dem Sindschar. Dieser Höhenzug im Nordirak westlich der Stadt Mossul und nahe der syrischen Grenze wird überwiegend von jesidischen Kurden bewohnt. Seitdem ist auch ein ent- scheidender Nachschubweg für die Terroristen zwischen ihren Stellungen in Syrien und im Irak unterbrochen. Bei ihrer neuesten Offensive haben die SDF den radikalen Islamisten in weniger als einer Woche über 100 Quadratkilometer abgenommen. Nun steht ihr Sturm auf die Hauptstadt Rakka kurz bevor. Die Stadt mit knapp 100.000 Einwohnern liegt 30 Kilometer westlich des Euphrat und wird somit von zwei Richtungen gleichzeitig bedroht. IS-Kämpfer haben ihre Familien längst evakuiert. Doch der Kampf gegen die besonders vom Westen verhasste Terrororganisation Daesh ist für die Kurden, wie übrigens auch für viele andere im Konflikt involvierten Gruppen, nicht prioritär. Obwohl auch Araber in den kurdischen Reihen kämpfen, steht das Streben nach einer kurdischen föderalen Region im Norden klar im Vordergrund – übrigens absolut inakzeptabel für Ankara. Doch der IS muss nicht nur in seinem Kerngebiet Geländeverluste hinnehmen. Galt das Einsickern von Gotteskriegern des Daesh in Libyen in 2014 noch als „Horrormeldung“, berichten die Zeitungen heute schon ganz anders. Von bis zu 6.000 IS-Terroristen ging der US-Geheimdienst aus. Nun gehen libysche Milizen, die zum Teil an der Seite der von den Vereinten Nationen unterstützten Einheitsregierung stehen, von Westen aus gegen die IS-Hochburg Sirte vor. Noch bis vor kurzem hatten zwei rivalisierende Regierungen um die Führung im ölreichen Land am Mittelmeer gerungen. Das dadurch entstan- dene Machtvakuum konnte Daesh für HHK 4/2016 IS-Kämpfer schwenkt die Flagge seiner Truppe. © Reuters


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