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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Das aktuelle Interview von der ILA Berlin Air Show Schwerpunkt 43 Sicherstellung der Einsatzfähigkeit der Luftfahrzeuge der Bundeswehr. Das Flugprogramm der ILA bot einen attraktiven und einzigartigen Mix aus zivilen und militärischen Fluggeräten sowohl für Fachbesucher als auch das interessierte Publikum. HHK: Welche Wachstumschancen räumen Sie der deutschen und europäischen Luftfahrtindustrie im zivilen Bereich ein? Thum: Sehr große. In den nächsten fünfzehn Jahren wird sich die zivile Luftfahrt verdoppeln, und Deutschland und Europa können vom Wachstum in aller Welt profitieren. Bereits heute wird jedes sechste Passagierflugzeug in Deutschland ausgeliefert, und in jedem auf der Welt produzierten Flugzeug steckt deutsche Technologie. Der Erfolg wird sich jedoch nicht automatisch einstellen, sondern muss von allen Beteiligten hart erarbeitet werden. Innovation ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Wir müssen alles daran setzen, dass unsere Flugzeuge auch in fünf, zehn oder zwanzig Jahren die besten, sparsamsten und effizientesten der Welt sind. HHK: Und wie sieht Ihre Einschätzung für den militärischen Branchenbereich aus? Thum: Die deutsche militärische Luft- und Raumfahrtindustrie ist seit Jahr- zehnten wichtiger und bewährter Partner der Bundeswehr. Sie trägt maßgeblich zur Einsatzfähigkeit und Einsatzbereitschaft aller fliegenden Waffensysteme bei. Mit ihren vielseitigen Innovationen und Spitzentechnologien leistet dieser strategisch wichtige Bereich einen zentralen Beitrag, dass unsere Streitkräfte über modernste und leistungsfähige, weltweit teilweise sogar einmalige Systeme verfügen. Gleichwohl besteht eine enge Verknüpfung zwischen den militärischen Entwicklungsleistungen, deren Finanzierung und damit Durchführung ohne Entwicklungsleistungen im zivilen Bereich undenkbar ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt auch im Rüstungsbereich in der Kooperation mit europäischen und transatlantischen Partnern. Aufgrund der Komplexität von modernen Beschaffungsvorhaben ist eine abgestimmte Vorgehensweise oftmals zielführender. Heute ist mit 73% des Branchenumsatzes die zivile Luftfahrtindustrie der Wachstumsgenerator unserer Branche, die militärische Luftfahrtindustrie macht 20 % aus. Diese Umkehr ist das Ergebnis der großen politischen Umwälzungen des letzten Vierteljahrhunderts. Das Ende des Kalten Krieges, Globalisierung und offene Grenzen haben die zivile Luftfahrt beflügelt. Gleichzeitig wurde Volker Thum, Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Präsidiums des BDLI (rechts) und Jürgen K.G. Rosenthal im Gespräch. © HHK die Friedensdividende auch in der militärischen Luftfahrt gehoben. Nun stehen wir erneut an einer Weggabelung. Ist die Instabilität der gegenwärtigen sicherheitspolitischen Lage mit ihren asymmetrischen Bedrohungen von vorrübergehender Natur – oder läuten sie eine Zeitenwende ein? Wir können es nicht wissen, aber wir müssen darauf vorbereitet sein. Sicherheit, nicht zuletzt die Sicherung der europäischen und NATO-Außengrenzen, ist kein Thema mehr, das nur Sicherheitspolitiker beschäftigt. In Politik und Gesellschaft findet zunehmend ein Umdenken statt – Sicherheit ist eine der großen gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Und dies bedeutet, dass wir in der militärischen Luftfahrtindustrie jetzt gemeinsam wichtige Weichen für die Zukunft stellen. HHK: Gibt es erste Anzeichen für die von der Politik angekündigte Trendwende beim Material und Ausstattung der Bundeswehr? Thum: Die Bundeswehr hat im Rahmen der Agenda Rüstung konkrete Maß- nahmen zur Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft vorgelegt und ist, so meine ich, auf einem guten Weg, bestehende Mängel graduell abzubauen. Gleichwohl lassen sich Jahre der unzureichenden materiellen und personellen Ausstattung nicht über Tag beheben. Notwendig ist hierfür die HHK 4/2016 Volker Thum: „Made in Germany muss weiterhin für absolute Spitzentechnologie stehen.“ © Messe Berlin


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