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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Aviation Safety im internationalen Kontext Schwerpunkt 47 Dennoch wird niemand bezweifeln, dass am Flughafen Sicherheitsvorkehrungen in Form von Durchleuchtung, Gepäckkontrollen und Zugangsbeschränkungen notwendig sind. Flugsicherheit und Luftsicherheit sind die beiden Säulen der Luftfahrtsicherheit (Aviation Safety). Luftfahrtsicherheit in der zivilen und militärischen Luftfahrt Das uneingeschränkte Vertrauen von Passagieren und Wirtschaft in die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Luftfahrt ist die Basis für den kommerziellen Erfolg des modernen Luftverkehrs. Anders als die Flugpioniere in den ersten Jahren der Fliegerei erwarten Passagiere oder Besatzungen heutzutage zu Recht, dass ihre Sicherheit an erster Stelle steht und es hier keine Kompromisse gibt. Bei militärischen Einsätzen gibt es für die Besatzungen auftragsbedingte Risiken. Das liegt in der Natur der Sache. Das soll hier nicht Thema sein. Das LufABw befasst sich mit Aviation Safety als Summe von steuerbaren Maßnahmen und trägt in einem ganzheitlichen Ansatz dafür Sorge, dass Sicherheitsstandards und Regelungen durchgängig und ohne Schwachstellen sind. Die Forderung nach einem sicheren Luftverkehr ist im Luftverkehrsgesetz und seinen nachgeordneten Verordnungen verankert. Vereinfacht gesagt: In der zivilen Welt arbeiten Fluggesellschaften, Flughafenbetreiber und Luftfahrtin- dustrie unter der Aufsicht der Luftfahrtbehörden, in Deutschland dem Luftfahrtbundesamt (LBA), zusammen. Sie wenden die jeweiligen Regelungen auf Basis der gesetzlichen Vorgaben an. Diese Vorgaben sind in Europa weit- gehend die EU-Verordnungen, die die Empfehlungen der ICAO einbeziehen. Die European Aviation Safety Agency (EASA) ist die europäische Luftfahrbe- hörde und übernimmt damit als Aufsichts und Zulassungsbehörde Aufgaben, die bisher national wahrgenommen wurden. Die EU-Kommission ist der Schrittmacher für einheitliche Standards, Regeln und Verfahren im europäischen Flugverkehr, auch mit der Absicht die Effizienz und Konkurrenzfähigkeit der Luftfahrt in Europa zu steigern und trotz steigender Passagierzahlen die Umwelt weniger zu belasten. Was gesetzlich für die zivile Luftfahrt gilt, ist in Deutschland grundsätzlich auch für den militärischen Flugbetrieb analog umzusetzen. Das Luftverkehrsgesetz gesteht der Bundeswehr allerdings auch Abweichungsbefugnisse zu. Das ist dem sicherheitspolitischem Auftrag der Bundeswehr geschuldet und auf die erforderliche Erfüllung ihrer besonderen Aufgaben beschränkt. Das Luftfahrtamt der Bundeswehr ist die nationale militärische Luftfahrtbehörde und gibt die Regelungen für das Zusammenwirken aller mit militärischer Luftfahrt befassten Stellen in der Bundeswehr heraus. Während auf der einen Seite das LufABw die Regelungsverantwortung trägt, haben auf der anderen Seite die Streitkräfte, die Bundesämter und die Industrie die Durchführungsverantwortung. Das LufABw ist einer von mehreren Akteuren in der Bundeswehr, die unter der ministeriellen Führung des BMVg im Bereich der militärischen Luftfahrt zusammenarbeiten. Es ist der Auftrag des LufABw, die Sicherheit der militärischen Luftfahrt zu gewährleisten und gleichzeitig den Streitkräften eine angemessene operationelle Freiheit einzuräumen, damit sie ihre Aufgaben erfüllen können. Das LufABw verantwortet neben Flugunfalluntersuchungen und der Flugmedizin vier große Bereiche: Strategie und Planung, Zulassung, Betrieb sowie Anerkennung und Lizenzierung. Damit sind alle fachlichen Aspekte der militärischen Luftfahrt in der Zuständigkeit eines Amtes gebündelt. Damit wird für den Anwender ein durchgängiges und in sich schlüssiges Regelwerk hergestellt. Ganz plakativ dargestellt, ist das LufABw mit dafür verantwortlich, dass ein geistig und körperlich leistungsfähiger lizenzierter Pilot gut ausgebildet in ein muster- und verkehrszugelassenes und von qualifizierten – militärischen und zivilen – Technikern gewartetes Luftfahrzeug steigen kann, um seine Flugmission von einem genehmigten Flugplatz aus und abgestimmt mit der zivilen Flugsicherung sicher durchzuführen. HHK 4/2016 Eurofighter Pilot und Eurofighter. © Bundeswehr / Stefan Petersen


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