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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Schwerpunkt Aviation Safety im internationalen Kontext Dazu, dass dies auch so funktioniert, tragen 48 viele Stellen inner- und außerhalb der Bundeswehr bei, und das LufABw ist die regulative davon. Herausforderungen an die Luftfahrtsicherheit Die Luftfahrt entwickelt sich technologisch und im Hinblick auf die Anwendungsbereiche stetig weiter und ist vielfach Vorreiter innovativer Technologien. Neue Technologien bieten wirtschaftliche Vorteile, sind umweltverträglicher, bieten dem Passagier mehr Komfort oder erhöhen sogar die Sicherheit, sie sollen diese aber nicht beeinträchtigen. Das bedeutet für die Verantwortlichen im Bereich der militärischen und zivilen Luftfahrt, die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen schon jetzt mit in die Planung einzubeziehen und vorausschauende Regelungen zu finden. Die Herausforderung liegt darin, frühzeitig neue Entwicklungen zu erkennen und diese wo möglich zu steuern; dies vor dem Hintergrund der potentiellen Risiken für die Sicherheit in der Luft und am Boden. Hier ein paar Stichworte, die das illustrieren: Der Luftverkehr wird in den kommenden Jahrzehnten zunehmen, und in der Zukunft werden sich bemannte und unbemannte Luftfahrzeuge den stärker genutzten Luftraum dann auch teilen. Unbemannte Systeme, von der Kleinstdrohne bis hin zu MALE (Medium Altitude Long Endurance; Flughöhe zwischen 10 bis 15km) und HALE (High Altitude Long Endurance; Flughöhe ab 20km), werden für den militärischen Einsatz und für die zivile Nutzung an Bedeutung gewinnen, zum Beispiel Versorgungsflüge und Überwachungsmissionen, für die es im militärischen und zivilen Bedarf gibt. Die Sicherheit für die bemannte Luftfahrt und die Bevölkerung darf dadurch nicht beeinträchtigt werden. Oder denken wir an die rasante Ent- wicklung in der Informationstechnik. Moderne Luftfahrzeuge sind hochgradig vernetzt. Welche positiven und negativen Einflüsse haben solche Entwicklungen auf die Luftfahrt und ihre Sicherheit? Die Nutzung des Weltraums für den globalen Datenverkehr wird es in der Zukunft erlauben, Systeme in der Luft und am Boden mit einer höheren Autonomie zu betreiben und untereinander noch enger zu vernetzen. Automatisierte Luft- raumordnungen werden mehr Flexibili- tät in der Nutzung des Luftraums bieten, aber auch höhere Ansprüche an die Ausrüstung der Luftfahrzeuge stellen. Die Streitkräfte werden beim Betrieb ihrer fliegenden Waffensysteme mehr und mehr auf die Unterstützungsleistun- gen der gewerblichen Wirtschaft zurückgreifen, zum Beispiel in der Logistik, in der Instandsetzung oder bei Transportleistungen. Das heißt aber auch, die Aufsichtsbehörden müssen sich vergewissern, dass Dienstleister zuverlässig sind und die Sicherheitsstandards einhalten. Diese Entwicklungen erfordern neue Regelungen, Standards und Verfahren damit keine Lücke bei der Sicherheit entsteht. Dies kann rein national jedoch nicht geleistet werden. Für den Bereich der Bundeswehr erarbeitet das LufABw diese Regelungen als Ergebnis eines umfassenden Abstimmungsprozesses und mit dem Anspruch, eine zur zivilen Luftfahrt vergleichbare Sicherheit zu gewährleisten. Nationale und internationale Zusammenarbeit Militärische Luftfahrtsicherheit kann nur in enger Abstimmung und Hand in Hand mit den nationalen und inter- nationalen zivilen Luftfahrtbehörden, den militärischen Luftfahrtbehörden unserer Partner und der Luftfahrtindustrie gewährleistet werden. Dieser Dialog ist seit Jahrzehnten etabliert und erfolgreich, vor dem Hintergrund der neuen und komplexen Herausfor- derungen aber auch weiter zu ent- wickeln. Es ist unabdingbar, dass der Weg der noch engeren nationalen und internationalen Abstimmung zwischen den militärischen und zivilen Institutionen konsequent weiter verfolgt wird. Denn gemeinsames Ziel ist es, die hohen Sicherheitsstandards auch in der Zukunft aufrechtzuerhalten und wo immer möglich zu erhöhen. Das LufABw steht innerhalb der Bundeswehr in ständigem Dialog mit den militärischen Organisa- tionsbereichen und anderen Ämtern, um Regelungen zeit- und praxisgerecht zu entwickeln bzw. anzupassen. Auf der zivilen Seite sind das Bundes- ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), das Luftfahrt- bundesamt (LBA) und das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) sowie die Deutsche Flugsicherung (DFS) Ansprechpartner des LufABw. Im BAF unterstützt ein Verbindungsoffizier des LufABw den Informationsaustausch. Das Thema „Single European Sky“ (SES) ist auch für die militärische Luftfahrt von immenser Bedeutung. Die Schaffung des SES ist eine Initiative der EU-Kommission, die von Deutschland unterstützt wird. Wichtig ist allerdings, dass die Interessen der Streitkräfte von der EUKommission angemessen berücksichtigt werden. Die nationale Verteidigungsfähigkeit, Bündnisverpflichtungen und Netzwerk der internationalen Zusammenarbeit. © Luftfahrtamt der Bundeswehr die transatlantische Komponente der Sicherheitspolitik sind entscheidende Rahmenbedingungen, wenn es um die Gestaltung des SES geht. Vor dem Hintergrund der starken Regelungskompetenz der EASA und der Einführung des SES ist eine aktive Interessenvertretung der militärischen Luftfahrtbehörden auf europäischer Ebene unerlässlich. Die Europäische Verteidigungsagentur (European Defence Agency, EDA) ist von den Mitgliedsstaaten, so auch Deutschland, beauftragt in enger Abstimmung mit der NATO und EUROCONTROL, die Interessen der militärischen Luftfahrt gegenüber der EU Kommission und der EASA zu vertreten. Dazu treffen sich regelmäßig die Vertreter der militärischen Luftfahrtbehörden bei der EDA, um gemeinsame Positionen abzustimmen, insbesondere hinsichtlich der Einführung des SES. Basierend auf dem Regelwerk für die Zivilluftfahrt in Europa wurden durch das „Military Airworthiness Authorities (MAWA) Forum“ bei der EDA harmonisierte Anforderungen an die Gestaltung der nationalen militärischen Regelungs- räume für die Zulassung und die Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit im Betrieb von militärischen Luftfahrzeugen als European Military Air- worthiness Requirements (EMAR) entwickelt und durch die teilnehmenden Staaten sukzessive in das nationale Regelwerk überführt. Die Zusammenarbeit des LufABw mit der NATO erfolgt in diversen Arbeitsgruppen und Komitees. Das NATO Aviation Committee (AVC) ist dabei das herausgehobene Gremium, in dem neben Flugbetrieb und Zulassung auch operative und militärpolitische Themen von den Bündnispartnern untereinander und mit befreundeten Nationen erörtert werden. HHK 4/2016


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