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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Heer Nach dem EU-Einsatz ist vor dem EU-Einsatz... Nach dem EU-Einsatz ist vor dem EU-Einsatz... Das EUROCORPS nach dem Einsatz in der Europäischen Ausbildungsmission in Mali Oberstleutnant i.G. Matthias Blaesing, Stabsoffizier in der G7 Abteilung des HQ EUROCORPS Nur sechs Monate nach der Rückkehr aus Mali und wenige Wochen nach der Zertifizierung eines Teils des EUROCORPS als Force Headquarters (F)HQ für die European Battlegroup (EUBG) 2016-2, verlegten im Juli über 60 Angehörige des EUROCORPS in die Zentralafrikanische Republik, um dort die Europäische Ausbildungsmission zu führen. Um diese Ausrichtung besser zu verstehen, bedarf es eines kurzen histo- rischen Abrisses des EUROCORPS, vor allem aber einer detaillierten Beschreibung der aktuellen Vorhaben und Planungen für die kommenden Jahre. stehende EUBG 2016-2 übernehmen und den entsprechenden Force Commander stellen wird. Bereits noch im selben Jahr begannen die Vorbereitungen einer umfassenden Übungsserie, die das (F) HQ in den Jahren 2015 und 2016 in insgesamt fünf Übungen auf seinen Auftrag vorbereiten und in zwei weiteren, während der Stand-by Phase, in Übung halten sollte. Im Nachhinein betrachtet war dieser Auftrag der erste sichtbare Schritt des EUROCORPS hin zu einer stärkeren euro- päischen Ausrichtung. Etwa zeitgleich wurden die Rahmennationen gebeten, mit Personal des EUROCORPS den euro- päischen Ausbildungseinsatz in Mali zu unterstützen. Es wurde entschieden, dass trotz laufender EUBG-Vorbereitung, in einem Zeitraum von Juli 2015 bis Februar 2016, 53 Angehörige des EUROCORPS nach Mali verlegen werden. Auf den ersten Blick eine geringe Anzahl, allerdings stellte das EUROCORPS den Mission Commander und besetzte Personal in nahezu allen Schlüsseldienstposten in der Advisory Task Force, die das malische Verteidigungsministerium in der Restrukturierung der Streitkräfte berät, dem Stab der Training Task Force, die direkt in der Ausbildung der malischen Streitkräfte involviert ist, sowie dem Mission Headquarters (MHQ). Nahezu alle EUROCORPS-Nationen entsandten Personal und vom Zeitpunkt der Entscheidung war klar, das EUROCORPS geht in den Einsatz, wenn auch rein Obwohl die ursprünglich deutsch-französische Initiative eines gemeinsamen Hauptquartiers durchaus dafür gedacht war, den Gedanken einer gemein- samen europäischen Verteidigung zu stärken, war von Anfang an klar, dass dies nicht in Konkurrenz zur NATO passieren sollte und konnte. Im Gegenteil, das EUROCORPS fokussierte sich in den Folgejahren mehr und mehr auf NATO-Verfahren und -Strukturen. Unter anderem, weil es zu diesem Zeitpunkt neben dem EUROCORPS nur das Allied Rapid Reaction Corps (ARRC) als „High Readiness Forces“ Hauptquartier gab. Folgerichtig fanden die Einsätze, an denen das EUROCORPS in den Jahren 1992 bis 2014 teilgenommen hat, auch immer im Rahmen von NATO-Opera- tionen statt; sei es in Bosnien-Herze- gowina, im Kosovo, in Afghanistan oder in der Rolle als NATO Response Force (NRF). Nicht erst mit dem Beitrag Polens als „associated nation“ wuchs das EUROCORPS mit seinen fünf Rahmennationen (BEL, DEU, FRA, LUX, ESP) in diesen Jahren zu einem wahrhaft europäischen Projekt auf. Die Nationen des EUROCORPS repräsentieren mittlerweile 50% der europäischen Bevölkerung. 2004 billigten die Rahmennationen das neue „Concept of Employment“, welches im Rückblick betrachtet der erste Schritt hin zu einer europäischeren Ausrichtung war, wenngleich die Auswirkungen zu diesem Zeitpunkt, für die Jahre 2015 bis 2017, noch nicht abzusehen waren. Nur wenige Jahre nach den letzten Verpflichtungen im NATO-Rahmen, in 2010 als NRF Land Component Command (LCC) und 2012 im HQ ISAF, entschieden die Rahmennationen 2013, dass das EUROCORPS, unterstützt durch Einzelpersonal aus 12 Nationen, die Rolle des (F)HQ für die aus sieben Nationen be- 68 HHK 4/2016 EUROCORPS Angehörige vor dem Straßburger Münster. © HQ EUROCORPS Auszeichnungen für die Unter- stützung der NATO Einsätze. © HQ EUROCORPS


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