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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum Bundeswehr Heer Erfolgreiches Ergebnis einer Mediation: Militärbeobachter gelingt regionales Friedensabkommen zwischen zwei Warlords durch großartige Verhandlungsführung. Schlüsselmoment: Erste Begegnung mit einem Warlord. Lehrgangsteilnehmer aus 70 Nationen teil. 16 Nationen entsandten Lehrgangsteilnehmer zu den MEoM-Lehrgängen. 22 Instruktoren aus 21 Nationen brachten ihre Expertise in die Ausbildung ein. Und das VNAusbZBw selbst entsandte seine Ausbilder in elf Länder. Angesichts dieser internationalen Wertschätzung freute sich auch Bundespräsident Joachim Gauck feststellen zu können: „Wie wichtig und sinnvoll der deutsche Beitrag in der Multinationalen Ausbildung für VN-Einsätze ist.“ Schwerpunkt der in Hammelburg statio- nierten I. Inspektion ist die Internationale Einsatzausbildung. Sie bildet ressortübergreifend Soldaten und Angehörige ziviler Organisationen multinational und einsatzlandunabhängig für einen Einsatz in Krisenregionen aus. Die Lehrgänge werden fast ausschließlich in englischer Sprache abgehalten. Aushängeschild ist der MEoM-Lehrgang, in- dem die Lehrgangsteilnehmer befähigt werden, ihre Aufgaben als Military Expert on Mission (MEoM) – Military Advisor/Military Observer – in Friedenssicherungseinsätzen/ Hilfs- und Unterstützungsmissionen im Rahmen der Vereinten Nationen, der Europäischen Union oder der Organisation für Sicher- heit und Zusammenarbeit in Europa, bzw. vergleichbarer Organisationen, wahrzu- nehmen. Zur Sensibilisierung und zum Verhaltenstraining für Gefahren bei Ein- sätzen in Krisenregionen sind 2016 allein mehr als ein Dutzend Lehrgänge Hostile Environment Awareness Training (HEAT) für nationale und internationale Organi- sationen geplant. Die Palette reicht vom Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) über spezielle Schulungen für Journalisten bis hin zur OSZE. Die II. Inspektion ist in Wildflecken statio- niert. Ihr Auftrag ist die nationale Ausbildung von Soldaten der Streitkräftebasis (SKB) in der Einsatzlandunspezifischen Ausbildung (ELUSA), eigener und verbündeter Streitkräfte an den fernbedienbaren leichten Waffenstationen 100 und 200 (FLW 100/200) und der Lafette 15/30 sowie von zivilem Personal der Bun- deswehr in der Einsatzvorbereitung (Allgemeine Soldatische Ausbildung, ASA). Die Unterstützungskompanie stellt nicht nur die logistischen Aufgaben sicher, wie etwa Materialerhaltung und Instand- setzung der Fahrzeuge und Munitionsversorgung bei Schießvorhaben auf den Truppenübungsplätzen Hammelburg und Wildflecken. Auch sie hat besondere Fähigkeiten für die Unterstützung der Lehrgänge und bei Sondervorhaben entwickelt. Überaus beeindruckend sind die realistischen Übungseinlagen der Rollenspieler „Soldaten in darstellender Funktion“ (SidaF). Insgesamt wurden 2015 in 32 Lehrgangsarten rund 4.000 zivile und militärische Lehrgangsteilnehmer ausgebildet. Allein an den HEAT-Lehrgängen nahmen 289 Interview mit Oberst Michael Uhrig, Kommandeur VNAusbZBw Das Interview führte HHK-Redakteur Burghard Lindhorst HHK: Herr Oberst, seit 2015 ist das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum Bundeswehr eine eigene Dienststelle und direkt dem Ausbildungskommando des Heeres unterstellt. Was ist der Grund dafür? Uhrig: Das VNAusbZBw war bis 2015 der Infanterieschule, bzw. dem Ausbildungszentrum Infanterie, unterstellt. Jetzt erkennt man schon am Namen, dass es ein eigenständiges Expertenzentrum ist. Es geht auch um die Inhalte und die Ebenen: Was soll ein VNAusbZBw, bei dem es eben nicht nur um das Gefecht und Minen geht, sondern dass sich gerade mit den „Soft“-Themen und politischen Aspekten beschäftigt, in einem AusbZ Infanterie? Es musste eigenständig werden. HHK: Mit wem arbeiten Sie bei den politischen und „Soft“- Themen in Deutschland zusammen? Uhrig: Da nenne ich zuerst die Abteilung Politik im BMVg, die sich um die bi- und multinationalen Kontakte und Absprachen kümmert. Ausgangspunkt ist die Frage, welche Interessen haben wir in welchen Ländern? Als Dienststelle des Heeres müssen wir natürlich die Inte- ressen der eigenen TSK abdecken, arbeiten also eng mit dem Kommando Heer in Strausberg und dem Ausbildungskommando in Leipzig zusammen. Das spiegelt sich bei uns wieder zum Beispiel in dem Aspekt, mit welchen Nationen wir sehr intensiv zusammen ausbilden. Dann gibt es natürlich bundeswehrweit Kontakte. Marine und Luftwaffe fragen bei uns an und bitten um Unterstützung, HHK 4/2016 75


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