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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Heer Das Vereinte Nationen Ausbildungszentrum Bundeswehr wissen, wie wir HEAT, das Hostile Environ- ment Awareness Training, gestalten. Wie bilden wir das Verhalten in komplexen Lagen, wie etwa Geiselnahme aus? Wie sieht es aus bei Gesprächs- führung, Mediation und Sanitätsdienst? Die Militärbeobachter sind auf sich allein gestellt. Daher dauert zum Beispiel die San-Ausbildung allein drei Wochen, geht hin bis zum Luftröhrenschnitt. Aber auch die Ausbildung an der fernbedienbaren leichten Waffenstation (FLW) ist von großem Interesse, zum Beispiel für die Georgier, die mit uns zusammen im Einsatz in Afghanistan sind. Sie werden an der FLW 100 und 200 zentral bei uns in Hammelburg ausgebildet. HHK: Wie hoch ist der Ausbildungsbedarf an Militärbeobachtern? Uhrig: Die Bundeswehr muss jedes Jahr in der Lage sein 75 Militärbeobachter zu stellen. Allein auf das Heer entfallen davon 59 Soldaten. In der Ausbildung arbeiten wir mit drei weiteren Ländern eng zusammen, mit denen wir auch zweimal jährlich die Abschlussübung am Bodensee durchführen. Das sind die Niederlande, Österreich und die Schweiz. Wir nennen das BLUE FLAG/4-PCE (PEACE CENTRAL EUROPE). Betrachten wir einmal nur die Niederlande, so haben wir ja schon in vielen Ebenen wechselseitige Unterstellun- gen und bilaterale Integration. Auch wir tauschen ständig Ausbilder der Hörsäle aus, derzeit in der Regel noch für die Dauer einer Woche. Im Oktober erweitern wir das probeweise auf drei Monate mit dem Ziel eines dauerhaften Austausches. HHK: … und Kontakte zu anderen Staaten? Uhrig: Wir sind weltweit aufgestellt und haben Kontakte zu 104 Ländern, mit denen wir in unterschiedlicher Priorität zusammen arbeiten. Einige Beispiele: Es gibt Staaten, die sich uns annähern, zum Beispiel die baltischen Staaten. Die haben noch keine Peacekeeping Centre. Wir entsenden auch jedes Jahr ein Team in die Mongolei zu einer großen Übung. An den verschiedensten Konferenzen auf der Welt nehmen wir teil. Wir sind ein ganz wichtiges Mitglied in der südamerikanischen Gruppe, wie etwa Brasilien, Chile und Paraguay. Diese zu unterstützen, liegt im militärpolitischen Interesse der Bundesrepublik Deutschland. Die Ministerin besuchte kürzlich Indien. Kurz darauf bekam ich eine Ein- ladung zum dortigen Peacekeeping Centre, um unsere Konzepte vorzu- stellen. Da sind auch Länder dabei mit einer großen Erfahrung, von denen wir auch wechselseitig lernen können. Die Inder schicken derzeit rund 7.000 Mann in Einsätze. Auch viele afrikanische Staaten bilden ihr Personal bei uns aus. wenn Sie in einen Einsatz gehen. Alle wissen, wir haben eine Expertise auch mit vielen Zivilisten aus Regierungs- und Nicht-Regierungsorganisationen. Kontakte zu uns suchen auch Dienststellen, die mit anderen Staaten Verbindungen haben, wie etwa das Militärattaché- Referat des BMVg oder das Dezernat Internationale Beziehungen des SKA in Berlin. Und natürlich ist unsere Expertise beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr sehr gefragt, zum Beispiel unsere Berater Gruppe OMLT für den Schutz der Camps. Alles was an Informationen über die Einsatzländer vorliegt, stellen wir zentral zusammen. HHK: Und außerhalb Deutschlands? Uhrig: Unsere Reputation im Ausland ist sehr gut. Viele deutsche Soldaten sind als Militärbeobachter eingesetzt. Wir bil- den diese auch multinational aus. Eine große Anzahl von Ländern ist an unserer VN-Ausbildung interessiert. Sie wollen Sanitäts- und Rettungsausbildung für Militärbeobachter. 76 HHK 4/2016 Oberst Uhrig stellte sich den Fragen von Burghard Lindhorst. Höchste Eskalationsstufe: Krisensituation zwei Warlords auf der Cease Fire Line.


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