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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Fliegende Waffensysteme mit einer Mehrrollenfähigkeit Luftwaffe hohe Agilität durch optimierte Aero- dynamik und Schubvektorsteuerung sowie eine hohe Störfestigkeit gegen Täuschmaßnahmen im elektro-optischen Bereich. Der Flugkörper kann in praktisch jeder Flugsituation abgeschossen werden und kann jedes noch so agile Ausweichmanöver feindlicher Kampfflugzeuge ausmanövrieren. AMRAAM und METEOR – Luftzielbekämpfung mit größerer Reichweite Die Integration des in der Luftwaffe bereits für das Waffensystem F-4F PHANTOM eingeführten Luft/Luft-Radar- lenkflugkörpers AMRAAM AIM-120 B aus US-amerikanischer Produktion war Bestandteil des Hauptentwicklungs- vertrages für EUROFIGHTER und kann seit 2004 für alle Tranchen genutzt werden. Die AMRAAM Lenkflugkörper sind derzeit noch für den Einsatz am EURO- FIGHTER bei nahezu allen Sicht- und Wetterbedingungen jenseits der Reichweiten der Kurzstreckenlenkwaffen SIDEWINDER und IRIS-T vorgesehen. Ausgestattet mit einem eigenen aktiven Radarsuchkopf ist es dem Lenkflug- körper möglich, nach seinem Start autonom das gegnerische Luftziel anzu- steuern und zu bekämpfen, während der Pilot abdreht und sich aus der Reichweite des Gegners wegmanövrieren kann. In Abhängigkeit vom Radarquerschnitt des Ziels schaltet der Radarsuchkopf während der Annäherung an das Ziel eigenständig auf dieses auf und übernimmt von da an selbst die Steuerung des Lenkflugkörpers. Die AMRAAM im Bestand der Luftwaffe sind jedoch nennung der Verbände in Taktische Luftwaffengeschwader zeigt aber, dass dieses Kampfflugzeug in allen vier EURO- FIGHTER-Geschwadern der Luftwaffe für den mehrrollenfähigen Einsatz – sowohl in der Luft/Luft- als auch in der Luft/ Boden-Rolle – eingesetzt werden soll und wird, wenn auch der Schwerpunkt bei der Einführung des EUROFIGHTER programmbedingt zunächst in der Luft/ Luft-Rolle gelegen hatte. Eine ähnliche Aufgabenverlagerung gilt auch für die beiden TORNADO-Verbände, wobei sich hier Aufgabenverteilung auf die Rollen Jagdbombereinsätze, Luftaufklärung und Elektronische Kampfführung bezieht. Für alle Einsatzaufgaben sind aber neue Waffen erforderlich, teilweise schon in der Einführung, in der Beschaffung oder zumindest in der Planung Moderne Lenkflugkörper für die Luft/ Luft-Rolle Um in Luft/Luft-Szenarien wirkungsvoll agieren zu können, sind einerseits Radar- lenkflugkörper mit einer möglichst größeren Reichweite als derjenigen des Gegners, andererseits störresistente und agile Infrarot-Lenkflugkörper für den Luftnahkampf im Sichtbereich erfor- derlich. Sidewinder und IRIS-T – Luftkampf auf kurze Distanz Der Luft/Luft-Lenkflugkörper AIM-9L/I SIDEWINDER stellt immer noch eine auch von vielen NATO-Mitgliedsländern genutzte Luft/Luft-Lenkflugkörper-Gene- ration dar. Als Weiterentwicklung der AIM-9L weist er eine verbesserte Unter- drückung von gegnerischen Infrarot- Störmaßnahmen auf. Die AIM-9L/I hat einen 11,4kg schweren Splitter-Gefechtskopf und einen konventionellen Raketenmotor, ist relativ beweglich und erreicht eine Geschwindigkeit bis Mach 2. Zum Einsatz bei der Luftwaffe kommt sie noch bei den Waffensystemen TORNADO und zum Teil beim EUROFIGHTER als Standardbewaffnung für die Wirkung gegen Ziele in der Luft innerhalb kurzer Reichweite. Ausgestattet mit einem Infrarot-Suchkopf steuert sich die SIDEWINDER nach dem Abschuss nach dem „Fire-and-Forget“-Prinzip selbständig ins Ziel. Die SIDEWINDER entspricht allerdings nicht mehr den Anforderungen an ein modernes Luftkampfmittel. Die noch bei der SIDEWINDER erkannte Anfälligkeit für gegnerische Infrarot- Störmaßnahmen wird mit dem Luft/ Luft-Lenkflugkörper AIM-2000 IRIS-T und seinem neuentwickelten Bild-verarbeitenden Infrarot-Zielsuchkopf deutlich reduziert. Im Gegensatz zur SIDEWINDER kann der Suchkopf einer AIM-2000 IRIS-T dank seiner digitalen Signalverarbeitung, seinem hohem Auflösungsvermögen und einer rechnergestützten Bildverarbeitung zwischen der Wärmequelle des Zieles – in den meisten Fällen ist dieses das Triebwerk des Luftfahrzeuges oder dessen heiße Abgase – und der Wärmequelle der vom Ziel als Gegenmaßnahme eingesetzten Infrarot-Täuschkörper unter- scheiden. IRIS-T verfügt zudem über eine 79 Der Luft-Luft-Lenkflugkörper IRIS-T für die kürzeren Distanzen von Diehl BGT am EUROFIGHTER. Die Reichweite dieses besonders wendigen Flugkörpers liegt beträchtlich über der des Vorgängers SIDEWINDER. © Jürgen Pöppelmann In Zukunft wird AMRAAM durch den wesentlich leistungsfähigeren Lenkflugkörper METEOR für den Einsatz über größere Distanzen ersetzt werden. METEOR ist zusätzlich zu dem für die Startphase genutzten Feststoffraketenmotor mit einem Staustrahltriebwerk ausgerüstet. © Jürgen Pöppelmann HHK 4/2016


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