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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ Luftwaffe 89 Interview mit Oberst Hans-Peter Dorfmüller, Kommandeur ObjSRgtlw „F“ Im Gespräch: Oberst Hans-Peter Dorfmüller und Friedrich K. Jeschonnek. © HHK HHK 4/2016 legten Kampfführung infanteristischer Kräfte des Heeres, die auf andere Operationen unter anderem im eher objektfernen Bereich spezialisiert sind. Objektschutzkräfte können zum Beispiel keinen „Raum aufgeben“, um „Zeit zu gewinnen“ wie Heereskräfte in einem Gefechtsstreifen, sondern müssen den Gegner räumlich begrenzt am und vor dem Objekt „zum Kampf stellen“. Anders gesagt muss ein Gegner so früh wie möglich und so weit wie erforderlich am Objekt und besser noch im unmittel- baren Vorfeld des Objekts zuverlässig an der Ausführung seiner Absichten und der Auslösung seiner Waffen gehindert werden. Wir sind dabei „auf Gedeih und Verderb“ mit unserem Flugplatz und dessen Infrastruktur verbunden und müssen vor dem Hintergrund der dortigen Gegebenheiten oftmals ohne Deckung, ohne Tarnung, ohne Härtung und mit einigermaßen exponiert auf HHK: In der Bundeswehr gibt es in den Organisationsbereichen verschiedene infanteristische Kräfte. Wie würden Sie das Selbstverständnis und Alleinstellungsmerkmal Ihrer Truppe gegenüber anderen infanteristischen Kräfte beschreiben? Dorfmüller: Sehr interessant – diese Frage wird mir tatsächlich gelegentlich gestellt und sie ist – glaube ich – so alt wie die Luftwaffensicherungstruppe – über dreißig Jahre. Manchmal sogar noch mit dem Zusatz: „Was Ihre Kräfte können, kann das Heer doch auch.“ und „Warum macht das eigentlich die Luftwaffe?“ Gemeint sind dabei häufig nicht nur unsere Kräfte der sogenannten spezialisierten Infanterie mit ihren Scharfschützen, ihren Nahaufklärern, den Diensthundeteams und unserem Feuerunterstützungszug. Gemeint sind auch unsere Einsatzlogisti- ker mit ihrem Auftrag Aufbau und Betrieb eines Versorgungspunktes Luftwaffe als Kräfte der ersten Stunde, unsere Pioniere mit dem Schwerpunktauftrag Schadensbeseitigung auf Flugbetriebsflächen und luftwaffen- spezifischer Infrastruktur einschließlich luftwaffenspezifischer Kampfmittel- abwehr und unsere militärischen Brandschützer mit dem Schwerpunktauftrag abwehrender Brandschutz im Flugbetrieb und in militärischen Liegen- schaften der Luftwaffe. Nicht bedacht werden häufig bei dieser themati- schen Auseinandersetzung mit unserer Existenz und unserem Auftrag die umfänglichen und vielfältigen Luft- waffen- und flugplatzspezifischen Besonderheiten. Unsere militärischen Brandschützer beherrschen dementsprechend nicht nur den abwehrenden Brandschutz im Flugbetrieb auch unter Bedrohung, sondern verfügen auch über Grundbefähigungen als Feldwebel der Luftwaffensicherungstruppe und können „mitkämpfen“, falls dies unvermeidbar ist. HHK: Worin liegen denn diese Luft- waffen- und flugplatzspezifischen Besonderheiten? Dorfmüller: Die Luftwaffe ist in der Regel zur Wahrnehmung des Einsatz- auftrages auf ortsfeste Einrichtungen und Anlagen angewiesen. Dies ist „klassisch“ ein Flugplatz, wobei die Einsatzgrundsätze der Objektschutzkräfte grundsätzlich auch auf andere militärische „Objekte“ übertragbar sind. Der „operative Umgang“ mit ortsfesten Einrichtungen und Anlagen unterscheidet insbesondere die infanteristische Kampfführung der Objektschutzkräfte der Luftwaffe am Objekt, im eher objektnahen Bereich und ausnahms- weise im Objekt in wesentlichen Teilen von der meist raumgreifender angeÜbungen und Einsätze Objektschutzkräfte waren neben Einsätzen bei SFOR bzw. KFOR von 1999 bis 2003 und in erster Linie bei ISAF, ENDDURING FREEDOM von 2006 bis 2015 eingesetzt. Der Schwerpunkt der Wahrnehmung der Einsatzverpflich- tung für den Verband lag rund 10 Jahre lang in Mazar-e Sharif in Afghanistan. Kräfte des Verbandes waren für die Sicherung/Absicherung (Force Protection) des Flugplatzes und der Einsatz- infrastruktur im Camp Marmal sowie für den Schutz des angrenzenden Einsatzraumes, für Brandschutz und Kampfmittelbeseitigung verantwortlich. Seit Februar 2016 ist das ObjSRgtLw „F“ nach einem Jahr geringerer Entsendungen und nach Auslaufen des ISAF-Einsatzes wieder mit über 70 Soldatinnen und Soldaten im Ein- satz in Mali/Afrika im Rahmen der UNMission MINUSMA am Flugplatz Gao gefordert. Erfahrungen konnten einzelne Regimentsangehörige bei Einsätzen im Rahmen von AFTUR in der Türkei sowie bei AMIS und MOS im Sudan und Kenia erwerben. Die Einsatzerfah- rungen sind in einer Ausstellung auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes im Gebäude 250 anschaulich dargestellt. Das Thema dieser Aus- stellung Das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ – Im Einsatz befasst sich mit Auslandseinsätzen der Objektschutztruppe Luftwaffe im Allgemeinen und mit Schwerpunkt Ein- satz in Afghanistan unter dem ISAFMandat. Einsatzgleiche Verwendungen deutscher Anteile im Rahmen der NRF erfolgten seit 2003. Von 2005 bis 2012 wurde auch das NATO Air Policing im Baltikum mit Fähigkeiten unterstützt. Eine Besonderheit ist die Fähigkeit, die Bergung von Luftfahrzeugen durch- zuführen bzw. zu unterstützen. Hierzu wird jährlich die Übung ELEFANT RECOVERY durchgeführt. An vielen größeren NATO-Truppenübungen im In- und Ausland haben Teile des ObjSRgtLw „F“ teilgenommen.


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