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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

erforderlichen Fähigkeiten müssen unbedingt, unmittelbar und konsequent auf die Erfordernisse des Flugbetriebes an einem Flugplatz im Einsatzland abgestimmt sein. Maßgeblich ist aber nicht nur die abgestimmte Vorgehensweise, sondern auch die grundlegende Kenntnis aller ablauforganisatorischen und insbesondere der sicherheitsrelevanten Abläufe und Verfahren an einem Flugplatz, die auch unter Bedrohung und im Gefecht uneingeschränkte Gültigkeit haben müssen und nicht nur durch das Flugbetriebspersonal, sondern auch durch die Objektschutzkräfte letztlich vom Mannschaftsdienstgrad bis zum Stabsoffizier bereits eingeübt und verhaltenssicher auch und insbesondere in Stresssituationen und unter Bedrohung anzuwenden sind. Dem aus eigenen und den Erfahrungen verbündeter Streitkräfte heraus zwingend auf Luftkriegsmittel zugeschnittenen und für deren Belange optimierten Schutz müssen gegebenenfalls auch infanteristi- sche Einsatzgrundsätze untergeordnet werden, soweit dies auf der Grund- lage einer Risikoanalyse und Güterab- wägung verantwortbar erscheint. An einem Flugplatz trifft diese Entscheidung aber letztlich stets der Verant- wortliche für die Durchführung des Flugbetriebes – also der Kommodore – auf der Grundlage der Beratung des Führers der Objektschutzkräfte. Objektschutzkräfte und insbesondere deren Führer müssen hierbei unbedingt be- fähigt und vor allem geübt sein: – integriert in die Führungsstruktur eines Luftwaffenverbandes zu operieren, – eigene Maßnahmen auf die Einsatz- führung des zu schützenden fliegen- den Verbandes auszurichten, – Nebenfunktionspersonal des zu schützenden fliegenden Verbandes im Bedarfs- und Notfall als „Kategorie- personal“ in die eigene Operations- führung zu integrieren und – letztlich unter den innerhalb und im Umfeld einer Einsatzliegenschaft der Luftwaffe herrschenden besonderen Rahmenbedingungen ihren Auftrag auszuführen. HHK: Sie sprachen von „beüben“. Dieses Zusammenwirken muss sicher in be- sonderer Weise im Vorfeld von Einsatzentsendungen trainiert werden? Dorfmüller: Allerdings! Der umfassende Schutz einer durch Luftstreitkräfte genutzten Einsatzliegenschaft erfordert ein komplexes System sich ergänzender bzw. unterstützender Kräfte und Fähigkeiten, das „sauber“ und zuverlässig aufeinander abgestimmt sein muss. Es reicht eben nicht aus, für den Aufbau, Schutz und Betrieb eines Flugplatzes im Einsatzland erforderliche Luftwaffe Flugbetriebsflächen stehenden oder sich bewegenden, hochempfindlichen Luftfahrzeugen operativ planen und „klar kommen“. HHK: Inwiefern operieren Objektschutzkräfte der Luftwaffe auch außerhalb ihres Objektes? Dorfmüller: Den infanteristischen Objekt- schutzkräften muss es stets gelingen, Schutz und Sicherheit – im NATOSprachgebrauch: Force Protection – nicht nur unmittelbar am Objekt zum Beispiel im Rahmen der Feldlagersicherung mit Perimeterschutz und am Main Gate zu gewährleisten. Der Gegner darf der eigenen, insbesondere der für den Flugbetrieb wichtigen Infrastruktur in keiner Weise nahe kommen, deren habhaft werden und schon gar nicht die Gelegenheit haben, diese zu beschädigen oder gar zu zerstören. Eine einmal preisgegebene Infrastruktur, oder ein einmal – auch teilweise – aufgegebenes Objekt ist in der Regel zumindest kurzfristig nicht mehr nutzbar und muss nach meist mühsamer, zeit- und kräfte- raubender Wiedergewinnung häufig mit großem Aufwand wieder nutzbar gemacht und in Stand gesetzt werden. In der Regel behindert oder verhindert dies dann die Durchführung von Flugbetrieb zum Einsatz von Luftkriegsmitteln, zur Durchführung von luftgestützter Aufklärung oder Luftnahunterstützung weiterer Kräfte, für Personal- und Materialtransporte oder die Durchführung von MEDEVAC-Einsätzen. Eine Annäherung gegnerischer Kräfte muss in diesem Zusammenhang also bereits so weit wie erforderlich im Vorfeld 90 Das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ des Flugplatzes – in der Regel durch Patrouillentätigkeit – erkannt und gestoppt werden, um zu gewährleisten, dass die Waffen eines Gegners außerhalb ihrer Einsatzreichweite für eigene Flugzeuge am Boden, aber auch während der besonders sensiblen Phase des Anfluges und Abfluges eines Luftfahrzeuges in den entsprechenden Entfernungen und Höhenbändern bleiben. Da eine klassische „Rundum- sicherung“ in der Regel aufgrund der Ausdehnung eines Flugplatzes kräftemäßig nicht möglich ist, konzentriert sich unser Auftrag außerhalb des Objektes also auf die Anflug- und Abflugsektoren, deren Größe und Ausdehnung in Höhe, Tiefe und Breite je nach startenden und landenden Flugzeugmustern unterschiedlich sein können. Die Überwachung dieser Sektoren ist der „äußere“ Schwerpunktauftrag der spezialisierten infanteristischen Objektschutzkräfte. Darüber hinaus können natürlich auch – falls es der Auftrag und die Lage hergeben – Aufgaben wie das Aufnehmen und Halten von Verbindung zur Zivilbevölkerung, zu Hilfsorganisationen und zu Stellen der örtlichen kommunalen Verwaltung im objektnahen Raum wahrgenommen werden. HHK: Was sind die Besonderheiten für die Objektschutzkräfte der Luftwaffe innerhalb des zu schützenden Objektes und im Rahmen der Operationsführung unmittelbar an einem Flugplatz im Einsatzland? Dorfmüller: Die für den Schutz, aber auch für den Aufbau und den Betrieb AMPT-Auftrag in Bamako, Mali. © Bundeswehr HHK 4/2016


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