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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Das Objektschutzregiment der Luftwaffe „Friesland“ Luftwaffe Ausbildung und Erziehung zur Aufgabenerfüllung weiter konsequent vorzubereiten, um verzugslos und mit dem benötigten Paket an Fähigkeiten als „Kräfte der ersten Stunde“ der Luftwaffe in den Ein- satz verlegen zu können. Wie das mit vergleichsweise kurzer Vorwarnzeit von wenigen Wochen in ein uns damals un- bekanntes Einsatzland geht, beweist unsere Truppe zur Zeit im Rahmen MINUSMA in Mali im Camp Castor am Flugplatz Gao, wo wir seit Anfang Februar mit über 70 Mann und Frau den Nahbereichsschutz und die Feldlagersicherung im Rahmen des dortigen deutschen Kontingentes übernommen haben und sicherstellen. Diese Art von Einsatz mit dem Auftrag Aktivierung, Schutz und Betrieb eines Flugplatzes im Einsatzland als Kräfte der ersten Stunde ist und bleibt unsere erste Bestimmung, wenn uns die Luftwaffe braucht und wenn uns die Politik schickt. Ein weiteres, zukunftsweisendes Projekt ist sicher unsere Absicht, die nach der Entwidmung des Flugplatzes Jever frei werdende, beziehungsweise frei bleibende flugplatzspezifische Infrastruktur am Standort – schwerpunktmäßig im Südbereich des Fliegerhorstes – für die Einrichtung einer Übungsanlage DOB (Deployed Operating Base) „unterhalb“ der Ebene Standortübungsgelände und Truppenübungsplatz im Sinne einer „Aus- bildung der kurzen Wege“ zu erschließen und auch für Übungen zu nutzen. HHK: Im Namen unserer Leser dankt Ihnen der HHK für das Gespräch und wünscht dem ObjSRgt „F“ und Ihnen weiterhin viel Erfolg und Soldatenglück bei der Aufgabenerfüllung. Einzelfähigkeiten wie Infanteriekräfte, Scharfschützen, Nahaufklärer, Diensthundeführer, Pioniere, Kampfmittelbeseitiger, Brandschützer, Logistiker und Feldnachrichtenkräfte einfach nur irgendwo „auszuleihen“ und „zu- sammenzustellen“. Ähnlich wie in einer Fußballmannschaft mit talentierten Einzelspielern muss das Zusammenwirken dieser Kräfte zwingend vor Einsätzen im so genannten Wirkverbund eingeübt und aufeinander abgestimmt werden, wozu übrigens immer auch eine inten- sive, gemeinsame Erkundung im Vorfeld der Einsatzentsendung gehört. Auch der Führungsvorgang und das Führen eines derart heterogenen Wirkverbundes muss vorher im Grundbetrieb und unter friedensmäßigen Bedingungen sehr intensiv beübt werden, damit dies im Einsatz unter Stress und Bedrohung funktioniert. Die Installation einer mobilen Befeue- rungsanlage in den Anflugsektoren eines Flugplatzes im Einsatzland außerhalb des eigentlichen Flugfeldes und deren Koordination aus einem Gefechtsstand heraus ist auf der Arbeitsebene ein einfaches, aber klassisches Beispiel. Diese Installation wird im Rahmen intensiv eingeübter „Gemeinschaftsarbeit“ – zwingend durch die Kampfmittelbe- seitiger der Luftwaffenpionierstaffel und die Nahaufklärer der Infanterie- kräfte vorbereitet, – dann durch die Techniker der Logistik- staffel durchgeführt, – durch den Bauingenieur und die Be- tonwerker der Luftwaffenpionier- staffel begleitet und – zeitgleich durch die spezialisierten In- fanteristen im objektnahen Raum ge- sichert und geschützt. HHK: Wie bewerten Sie dieses Selbstverständnis und Alleinstellungsmerkmal Ihrer Truppe gegenüber anderen infanteristischen Kräften? Dorfmüller: Wir reden hier in aller Deutlichkeit nicht von einem „entweder – oder“, sondern von einem „sowohl – als auch“, ohne übrigens weg rationalisierbare Redundanzen zu produzieren – das wurde inzwischen mehrfach geprüft. Es ist für uns kein Widerspruch, als Objekt- schutzkräfte mit Stolz integraler Bestandteil im Team Luftwaffe zu sein und sich ein Stück weit auch der „Familie Infanterie“ – wie es der General der Infanterie immer so schön ausdrückt – zugehörig zu fühlen. Eine an den Einsatznotwendigkeiten orientierte, streitkräftegemeinsam abgestimmte, den unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Umständen entsprechende, harmonisierte Ausbildung der aktiven und passiven Objektschutzkräfte sowie der einsatzlogistischen Kräfte mit den zweifellos vergleichbaren, aber eben nicht identischen Kräften und Fähigkeiten des Heeres auf der Basis von einheitlichen taktischen Grundsätzen ist dabei eine langjährig geübte und bewährte Praxis. Dies geschieht zum Beispiel durch die enge und vertrauensvolle Kooperation der aktiven Objektschutzkräfte der Luftwaffe mit dem Ausbildungszentrum Infanterie in Hammelburg, der passiven Objektschutzkräfte der Luftwaffe mit der Pionierschule des Heeres in Ingolstadt, aber auch durch einen Erfahrungsaustausch mit dem kürzlich aufgestellten Seebataillon der Marine, zu dem es ebenfalls enge Kontakte gibt. HHK: Was haben Sie sich mit Ihrem Verband für die Zukunft vorgenommen? Dorfmüller: Oh je, die Beantwortung dieser Frage sprengt natürlich jeden Rahmen. Für meine Truppe gilt aber natürlich nach wie vor ganz generell, sich im kompletten Fähigkeitsspektrum 91 – spezialisiert und qualifiziert. © Bundeswehr / Meenen HHK 4/2016


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