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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Übernahme und erste Werftprobefahrt der F222 Marine der auch der spätere Kommandant sein wird. Voraussetzungen für die Übernahme in den Verantwortungsbereich der Marine sind neben der ausgebildeten Besatzung, dem Vorliegen einer für die sichere Betriebsführung erforderlichen und verwendbaren Dokumentation der Nachweis der umgesetzten Betriebs- und Arbeitsschutz-bestimmungen für militärisches Personal. In die Verantwortung der Marine liegen dann des Weiteren die Aufgaben der militärischen Bewachung sowie der Schiffs- sicherheit in See und Hafen. Nach dem erfolgreichem Nachweis der Funktionalitäten für den Bereich Schiffstechnik ist ab August bis November 2016 die Durchführung einzelner Funktionsnachweise von Anlagen und Geräten aus dem Bereich Führungs- mittel und den Waffeneinsatzsystemen im Hafen sowie in See geplant. Dazu gehören der Funktionstest des Systems für den Elektronischen Kampf, diverse Vermessungen bei der Wehrtechnischen Dienststelle 71 in Eckernförde, die Durchführung des dynamischen Alignments sowie der Erprobungen für das Multifunktionsradar. Nach erfolgreichem Abschluss dieser „Einzelprüfungen“ wird anschließend ab voraussichtlich November 2016 der Funktionsnachweis Waffen- und Führungssysteme See beginnen. Hier wird geprüft, ob die vielen Einzel- und Untersysteme erfolgreich integriert sind und als ein Ganzes den Anforderungen entsprechend zusammenwirken Nach derzeitigem Planungsstand münden all diese Funktionsnachweise und Erprobungen in der für Mai 2017 geplanten Ablieferung an den Auftraggeber. Die Indienststellung durch die Marine ist dann zeitnah im Anschluss geplant. Mit den Fregatten der Klasse F125 setzt die Marine die sogenannte Intensivnutzung mit Mehrbesatzungsmodell und den Einsatz von bis zu acht über die Plattform rotierenden Besatzungen um. Ziel ist es, das Schiff ohne zwischen- zeitliche Transitphasen in und aus dem Einsatzgebiet für bis zu zwei Jahre im Einsatz zu halten. Ein sukzessiver Personalaufbau – synchronisiert mit den Erfordernissen der Werft – erfolgt. Die Besatzungen Alpha und Bravo sind aufgestellt sowie deren Ausbildung in Angriff genommen worden. Darüber hinaus befindet sich bereits die Be- satzung Charlie als dritte zukünftige Besatzung ebenfalls vor Ort in Hamburg und begleitet die Inbetriebnahme der NORDRHEIN-WESTFALEN. Dieser Personalkörper ermöglicht es, zwei komplette militärische Fahrmannschaften aufzustellen mit denen dann der kontinuierliche Betrieb unter den neuen Bedingungen der Verordnung über die Arbeitszeit der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenarbeitszeitverordnung – SAZV) durchführbar ist. So werden bereits in dieser Erprobungs- und Nachweisphase der Personal- wechsel der Fahrmannschaften praktiziert und damit die notwendigen Seefahrtsvorhaben ermöglicht sowie die Wahrnehmung der Bewachungsaufgaben im Hafen sichergestellt. Die weiteren Einheiten laufen im Abstand von jeweils knapp einem Jahr zu. Der Ablieferungstermin des letzten Schiffes ist Februar 2020. Wie wird nun der Weg bis zur Einsatzverfügbarkeit aussehen? Aktuell weist die ARGE F125, die vertraglich vereinbarten Leistungen gegenüber dem Auftraggeber nach. Dies startete im April 2016 mit dem Funktionsnachweis See Schiffstechnik auf der BADEN-WÜRTTEMBERG. Bei dieser ersten Seefahrt des Schiffes konnten viele wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, aus denen sich erfreulich nur geringfügiger konstruktiv/technischer Änderungsbedarf ergeben hat, der durch die ARGE innerhalb weniger Wochen umgesetzt werden konnte. Auf einer zweiten Seefahrt wurden die Änderungen bereits erprobt. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels befand sich BADEN-WÜRTTEMBERG wiederum auf See, um die Leistungs- fähigkeit der schiffstechnischen An- lagen gegenüber der Abnahmeko- mmission der Bundeswehr nachzu- weisen. Die bisherigen Seefahrten der Nachweisführung erfolgen noch unter der navigatorischen und technischen Verantwortung der ARGE F125. Teile der zukünftigen Besatzung der Marine befanden sich jedoch bereits mit an Bord und haben die Zeit in See für die ersten Erfahrungen und Schulungen im Umgang mit der neuen Plattform und deren Technik genutzt. Dabei konnte sich die spätere militä- rische Fahrmannschaft mit dem technischen Betrieb und der seemännischen Führung des Schiffes vertraut machen. Sehr zuversichtlich stimmen die ersten Eindrücke der zukünftigen Besatzung, die sich von ihrem Schiff bisher begeistert zeigt. Wenngleich den ersten Besatzungen keine formale Rolle bei der Abnahme des Schiffes zukommt, ist ihr Urteil von hoher Wichtigkeit. Nach Abschluss des Funktionsnach- weises See Schiffstechnik und der anschließenden Verlegung von der Bauwerft in Hamburg zum zukünftigen Heimathafen Wilhelmshaven für die weitere Nachweisführung im Juli wird ein weiterer sichtbarer Meilenstein erreicht. Mit dem anstehenden „Kleinen Flaggenwechsel“ beginnt die „militärische Laufbahn“ der BADEN-WÜRTTEMBERG. Ab diesem Zeitpunkt erfolgt der Betrieb des Schiffes nicht mehr durch die ARGE F125, sondern im Auftrag des Projektleiters beim BAAINBw durch die militärische Fahrmannschaft unter der Leitung des militärischen Schiffsführers, Alle vier Fregatten sind aktuell am Werftstandort in Hamburg und befinden sich in verschiedenen Stufen der Fertigstellung. © Marine / FKpt Gottschalk HHK 4/2016 93


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