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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Marine 96 MARCOM ist ein Joint Operational Headquarters Doch MARCOM ist in der Lage, als operatives Hauptquartier eine Small Joint Operation (Maritime Heavy, SJO(M)) zu führen oder als Maritime Component Command eine Major Joint Operation (MJO+) zu unterstützen. So führt MARCOM alle NATO-Seestreitkräfte und berät die NATO in allen maritimen Fragen. Der jetzige Kommandeur Vice-Admiral Clive Johnstone CB CBE will zudem diesen operativen Fokus weiter verschärfen und ausbauen. Da- mit stellt MARCOM für die Deutsche Marine die maritime Schnittstelle auf operativer Ebene zur NATO dar. Eine Mitwirkung kann demzufolge im Wesentlichen nur über Northwood erfolgen. Aktuell führt MARCOM (OPCOM) die Operation OCEAN SHIELD (seit Dezember 2014 als „ruhende“ Operation mit möglicher temporärer Aktivierung), dem NATO-Pendant zur European Naval Force Operation Atalanta. Seit August 2009 patrouillierten Schiffe unter NATO-Flagge am Horn von Afrika, um die Piraterie einzudämmen und die Staaten der Region zur Wahrnehmung ihrer hoheitlichen Aufgaben zu be- fähigen. Aber auch die Zusammenarbeit mit anderen Marinen in der Bekämpfung der Piraterie wird praktiziert, so zum Beispiel gemeinsame Übungen mit der Chinesischen Marine oder der Marine Südkoreas. Auf Stabsebene finden regelmäßige Besprechungen mit Stabsangehörigen des Operational Headquarters (OHQ) der EUNAVFOR Atalanta statt, das ebenfalls im Stützpunkt Northwood aufgestellt wurde. Darüber hinaus wurde auch die Führung der Operation ACTIVE ENDEAVOUR vom jetzt Joint Forces Command Naples an HQ MARCOM in Northwood über- geben. ACTIVE ENDEAVOUR ist be- kanntermaßen die einzige Artikel 5-Operation zur Bekämpfung des Terrorismus. Seit Anbeginn der Operation sind über 100.000 Handelsschiffe abgefragt und 155 Schiffe durch ein Boarding überprüft worden. Zu ACTIVE ENDEAVOUR gibt es derzeit Überlegungen diese Art. 5-Operation in eine dauer- hafte Maritime Sicherheitsoperation (MSO) zu überführen. Zu den Daueraufgaben MARCOMs zählt die Führung der vier Ständigen Mari- timen Einsatzverbände (Standing NATO Maritime Group 1 und 2 sowie Standing Mine Countermeasures Group 1 und 2). Auch der Betrieb des NATO Shipping Centres (NCS) wird im HQ MARCOM gewährleistet. Das NCS stellt die Verbindung zwischen den militärischen Hauptquartier Allied Maritime Command, MARCOM in Northwood. © mc.nato.int Organen der NATO und der weltweiten Handelsschifffahrt her und ist gerade und auch in heutigen Operationen von unschätzbarem Wert für die militärische Operationsführung. Im HQ MARCOM als NATO Headquarters erfolgt keine Führung von EU- Missionen. Eine Teilhabe an der EUMission Atalanta wird auf operativer Ebene beim COMEUNAVFOR im Operational Headquarters (OHQ) verwirklicht. Hier leistet die Deutsche Marine ihren Beitrag durch die personelle Be- setzung und Verstärkung des OHQ. In Abstimmung mit den EU-Partnern wird der stellvertretende Kommandeur (DCOM), der Militäry Assistant (MA) und der Flag Lieutenant gestellt. Dazu wird temporär ein CJ3 ACOS (OF-5 KzS) gestellt. Im achtjährigen Bestehen der Operationsführung ist das OHQ auf 140 Personen aus 22 Ländern angewachsen, wobei OHQ-Stärke auch Ausdruck des Proporzes der teilnehmenden Nationen ist. Neben der Einsatzrealität plant und führt das HQ MARCOM zusätzlich eine Reihe von internationalen, hochwertigen NATO-Manövern durch (z.B. DYNAMIC MANTA, DYNAMIC MONGOOSE, BRILLIANT MARINER etc.). Hier rücken die Fähigkeiten zur dreidimensionalen Seekriegsführung wieder in den Mittel- punkt, gerade auch vor dem Hintergrund der Rückbesinnung auf die Landes- und Bündnisverteidigung ein gewichtiger Aspekt. HHK 4/2016


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