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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Marine TOXIC FISH 2016 – eine ABC-Abwehrübung der Deutschen Marine Bereits zum 9. Mal wurde in diesem Jahr die Übung TOXIC FISH durchgeführt, dieses Mal im Marinestützpunkt Kiel Stefan Paulsen, PIZ Marine sowie Martin Kriwet und Michael Basch, MarKdo Abt. Einsatz 98 Dekontaminationsübung TOXIC FISH 2016 Das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (Art. 98 SRÜ) verpflichtet die Kapitäne der Nationen, die dieses unterzeichnet haben, jeder Person, die auf See in Lebensgefahr angetroffen wird, Hilfe zu leisten. Doch was passiert, wenn durch die aus höchster Seenot Geretteten plötzlich einen ABC-Alarm ausgelöst wird, weil sie vor ihrer Bergung mit hochgiftigem Pflanzenschutzmittel in Berührung gekommen sind? Das diesjährige Szenario der Dekontaminationsübung TOXIC FISH 2016 am 29. und 30. Juni brachte allen Beteiligten wichtige Erkenntnisse und sensibilisierte sie dafür, wie schnell aus einer Übung Realität werden kann. Das Übungsszenario ist komplex. Die Bun- deswehr beteiligt sich an einem manda- tierten Auslandseinsatz der Vereinten Nationen. Zu den übergeordneten Zielen zählen die Friedensstabilisierung und die Bekämpfung der Schleuserkriminalität. Das Hohlstablenkboot PEGNITZ der Deutschen Marine befindet sich im Rahmen des Mandats auf einer Über- wachungsfahrt in küstennahen Ge- wässern. Unweit der PEGNITZ ist das Küstenmotorschiff MS YILON unterwegs. In diesem Moment kommt es zu einem tragischen Unglück. Eine gewaltige Explosion reißt ein großes Loch in die Bordwand der YILON“. Und plötzlich wird die Ladung des Küstenmotorschiffes zur Bedrohung: Denn die Tanks der YILON Einlaufen der PEGNITZ. © MarKdo, PIZ Marine / Steve Back sind gefüllt mit einem chemischen Pflanzenschutzmittel, das nun in großen Mengen ins Meer gelangt. Nachdem der Kommandant der PEGNITZ den Notruf erhielt, handelt er sofort und nimmt Kurs auf die Position des Havaristen. Als das Hohlstablenkboot am Unglücksort eintrifft, droht die YILON bereits zu sinken. Das auslaufende Pflanzenschutzmittel hat sich in Form eines großen gelben Teppichs auf der Wasseroberfläche rund um den Havaristen gelegt und die Besatzungsangehörigen befinden sich – zum Teil schwer verletzt – in akuter Seenot. Nach Abschätzung der eigenen Gefährdungs- lage und Freigabe durch die zuständigen Stellen entscheidet der Kommandant, den verzweifelt um ihr Leben kämpfenden Menschen in Seenot unverzüglich zu helfen und sie an Bord zu nehmen. Vorher leitet er noch die notwendigen Schutzmaßnahmen ein, um seine Besatzung und sein Boot gegen mögliche Bedrohungen durch das auslaufende Pflanzenschutzmittel zu schützen. „Wir haben uns für dieses Szenario ent- schieden, da es jederzeit Realität werden kann. Schließlich sind jeden Tag überall auf der Welt zivile Schiffe unterwegs, welche Gefahrstoffe transportieren. So können beispielsweise relativ gefahrlose chemische Substanzen im Falle einer Ver- bindung mit anderen Stoffen urplötzlich zu einer akuten Bedrohung werden, deren Wirkung dem Einsatz von Kampfstoffen gleichkommt“, so Fregatten- kapitän Klaus Scholl, zuständiger Übungsleiter aus der Abteilung Einsatz im Marinekommando in Rostock. Vorausschauende Einsatzplanung Die PEGNITZ rettet unter ABC-Schutz (BAS 3) zwölf Besatzungsangehörige der YILON. Um sich selbst vor dieser Bedrohung zu schützen tragen die Soldaten neben ihrer ABC-Schutzmaske, einen ABC-Schutzanzug (Overgarment), sowie spezielle Handschuhe und Überschuhe aus Gummi, so dass alle Körper- stellen geschützt sind. Über diesem Anlegen und Festmachen der PEGNITZ am Pier. © KdoSanEins- Ustg / Minh Vu HHK 4/2016


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