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Hardthöhenkurier 4/2016 Leseprobe

Dekontaminationsübung TOXIC FISH 2016 Marine BRAUNSCHWEIG testen konnte. Zweck dieses Übungsanteils ist die Schulung der Besatzung in der Handhabung des PTI unter den räumlich eingeschränkten Bedingungen an Bord und die Prüfung der Kompatibilität mit den bordeigenen Rettungs- und Transportmitteln für Verwundete. Wichtige Impulse wurden dabei von einem Team des Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine für die Weiterentwicklung von Patienten- Transportmitteln an Bord aufgenommen. Besondere Herausforderungen von TOXIC FISH 2016 Eine professionelle, zielgerichtete und schnelle Verwundetenversorgung zählt zu den elementaren Grundfähigkeiten moderner Streitkräfte. Entsprechend hoch sind die Anforderungen und entspre- chend häufig steht das Üben einzelner Elemente in der Rettungskette auf der Agenda. Dabei ist der streitkräftegemeinsame Ansatz, also die Beteiligung verschiedener Teilstreitkräfte/Org.-Be- reiche der Bundeswehr, längst kein Novum mehr. Dennoch stellt es in den Details für die beteiligten Soldaten und Soldatinnen immer wieder eine Herausforderung dar. Oberstleutnant Marc Michalek, Kommandeur des ABC-Abwehrbataillons 7, das ebenfalls an der Übung beteiligt ist, bringt es auf den Punkt: „Die Identifizierung und Harmo- nisierung der vorhandenen Schnittstellen zwischen den beteiligten Einsatzelemen- ten von Marine, Streitkräftebasis und dem Sanitätsdienst ist das Ziel. Es hakt ganz häufig an den kleinen Dingen und hier gilt es, dass wir zueinander finden.“ ABC-Schutzanzug tragen die Soldaten, die sich an Oberdeck aufhalten einen ABC-Nässeschutz (Tychem-F), um die Aktivkohle des Overgarment vor Spritzwasser und Feuchtigkeit zu schützen. Die nach ihrer Rettung an Oberdeck der PEGNITZ befindlichen Seeleute der MS YILON weisen neben Verbrennungen und offenen Wunden auch typische Vergiftungserscheinungen, wie zum Beispiel Sehstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen, Atemnot, Muskelzucken und Krampfanfälle auf. Nach einer medizinischen Erstversorgung der Geretteten steuert die PEGNITZ den deutschen Abstützpunkt im Einsatzgebiet an. Eine Risiko- und Bedrohungsanalyse des Einsatzführungskommandos im Vorfeld des Einsatzes hatte ergeben, dass eine Bedrohung durch ABC-Kampf-und Gefahrstoffen möglich ist. Aus diesem Grund befinden sich Spezialisten der Bun- deswehr, die auf Dekontaminierungsaufgaben von Personal und Material spezialisiert sind, im Einsatz vor Ort. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Dekontaminierung von verwundeten und verletzten Personen dar. Hierfür setzt die Bundeswehr auf eine spezielle Verwundeten-Dekontamina- tionseinrichtung, die nun für die PEGNITZ mit den Verletzten an Bord das nächste Ziel darstellt. Mit dem Festmachen des Hohlstablenkbootes an der Pier beginnt nun die eigentliche Übung. Soldaten des ABC-Abwehrzug Nordsee aus Nordholz, die das Leinenpersonal zum Anlegen unter ABC-Schutz (BAS 3) stellen, übernehmen nach dem Festmachen der PEGNITZ die verletzten Besatzungsangehörigen der MS YILON und führen diese der Verwundeten- Dekontaminationseinrichtung zu. Ein weiterer, nicht kontaminierter verletzter Besatzungsangehöriger der PEGNITZ, der während des Fahrmanövers im Schiffsinneren verunglückte, wird mit einem Patiententransportisolator (PTI) aus der Zitadelle der PEGNITZ (Schiffsinneres, das durch ein Überdrucksystem und ABC-Filter geschützt wird) durch die ABC-Schleuse über das kontaminierte Oberdeck an Land gebracht. Verwundete und verletzte Personen werden mit dem PTI vor Kontaminierung durch ABC-Stoffe geschützt bzw. bereits kontaminierte Verwundete und Verletzte transportiert, um deren direktes Umfeld nicht zu gefährden. Nachdem der PTI von außen dekontaminiert wurde, kann der Patient direkt in eine medizinische Einrichtung verbracht werden. Maßgeblich beteiligt in der Konzipierung des PTI ist die Abteilung F „Medizinischer ABCSchutz“ der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München, die dieses System bereits im Vorjahr während TOXIC FISH 2015 erfolgreich auf der Korvette Übergabe der Schwerverletzten in die Verwun- deten-Dekontaminationsein richtung. © MarKdo, PIZ Marine / Steve Back Aufnahme der Verwundeten in der Dekonta- minationsein- richtung. © MarKdo, PIZ Marine / Steve Back Behandlung mehrerer Patienten in der Dekonta- minationsein- richtung. © MarKdo, PIZ Marine / Steve Back HHK 4/2016 99


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