Bischofswiesen, 14. September 2020 – Feierliche Gelöbnisse in der Strub haben immer etwas Besonderes. Allein die Kulisse des Berchtesgadener Talkessels macht diese Feierlichkeit immer wieder zu einem Erlebnis. Im vergangenen Juli gab es, Corona-bedingt, das erste Gelöbnis ohne Angehörige und Zuschauer. Dieses Mal gab es gleich zwei Besonderheiten.

Nach vielen Jahren sind erstmals wieder Offiziersanwärter unter den Rekruten der 6. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons in Bischofswiesen. Bislang fand die Grundausbildung der angehenden Offiziere in Hammelburg und Munster statt. Und da es seit Jahren ein multinationales Austauschprogramm bei der Ausbildung der Offiziere gibt, waren auch erstmals auch drei französische und ein mongolischer Soldat unter den Anwärtern in der Jägerkaserne. Die momentan durchgeführte Grundausbildung wird in den nächsten Tagen in Form einer großen Abschlussüberprüfung im Gebirge zu Ende gehen.

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Unter den Rekruten waren auch drei Offiziersanwärter aus Frankreich und einer aus der Mongolei.
(Foto: Alexander Hartkopf)

Der Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Martin Sonnenberger, begrüßte auch dieses Mal nur eine Hand voll geladener Gäste und bedauerte sehr, dass an diesem besonderen Tag die Angehörigen der 97 Freiwillig Wehrdienstleistenden und 39 Offiziersanwärter, aufgrund der Hygienevorschriften, der Feier nicht beiwohnen durften.

In seiner Rede sprach Sonnenberger den Rekruten seine Anerkennung für die erbrachten Leistungen aus. Die harte und fordernde Grundausbildung sei ein guter Grundstock, um die Fähigkeiten eines Gebirgsjägers, das Bestehen im schwierigen Gelände bei widrigen Witterungsverhältnissen, zu erlangen. Der geplante Auslandseinsatz mit Kräften seines Bataillons im nächsten Jahr war ebenso ein Thema, wie die Modernisierung der Ausrüstung und die Veränderung von Strukturen. Er wünschte seinen Soldaten alles Gute und Gesundheit und Gottes Segen für den weiteren Karriereweg.

Eine sehr beeindruckende und ergreifende Rede hielt der zweite Bürgermeister der Gemeinde Bischofswiesen, Thomas Resch. Aufgrund der Ereignisse in Berlin vor einigen Tagen, wo Demonstranten mit Reichskriegsflaggen die Stufen zum Reichstagsgebäude besetzten, entschied sich Resch, keine Standardrede zu halten. Stattdessen berichtete er sehr emotional von den Erlebnissen seiner beiden Großväter aus den beiden Weltkriegen. „Setzen Sie sich mit der Geschichte auseinander“, appellierte er im Anschluss an die jungen Soldaten, „seien Sie kritisch, verteidigen Sie unsere Demokratie gegen Einflüsse von Links und Rechts“.

In seiner Rede als Rekrutensprecher ging Jäger Tassilo von Brockhusen zuerst auf die besonderen Anforderungen aufgrund der Covid-19-Einschränkungen ein. Mit dem ständigen Tragen des Mundschutzes und den fehlenden sozialen Kontakten mit anderen Kameraden und Familienangehörigen mussten sich Rekruten wie Ausbilder jeden Tag auf‘s Neue befassen.

Die wichtigsten Aspekte, um die harte und intensive Zeit während der siebenwöchigen komprimierten Grundausbildung zu überstehen, hob von Brockhusen heraus: Kameradschaft, Vertrauen in sich und die Anderen sowie die mentale und physische Stärke. Er bedankte sich bei den Ausbildern und Vorgesetzten für das unermüdliche Engagement und das entgegengebrachte Vertrauen: „Sie haben uns, jeder durch seine eigene Art, jeden Tag auf’s Neue motiviert“. Jeder Rekrut hätte seine physischen und psychischen Grenzen kennen gelernt und durch die Unterstützung der Kameraden und Ausbilder auch überwunden. „Das zeichnet uns Gebirgsjäger aus. Wo andere aufhören, gehen wir mit einem Lächeln weiter“, resümierte der angehende Offizier.

Vor dem Feierlichen Gelöbnis der Rekruten des Gebirgsjägerbataillons 232 in Bischofswiesen wurde ein Gottesdienst durch die Militärpfarrer Claudia Konoppa und Jörg Plümper abgehalten. Bereits hier war die Anzahl der Teilnehmer begrenzt und eine strikte Einhaltung der Abstandsregeln notwendig.

Text: Christian Kunerl

Quelle Gebirgsjägerbrigade 23 Pressestelle