Letztlich können wir nur durch Stärke glaubhaft abschrecken!

Generalmajor Jörg See stellte sich den Fragen von Michael Horst. (Foto © Bw/Gloria Axthelm]
Generalmajor Jörg See stellte sich den Fragen von Michael Horst. (Foto © Bw/Gloria Axthelm)

Interview mit Generalmajor Jörg See, Kommandeur 10. Panzerdivision

Herr General, welches aktuelle dienstliche Thema hat für Sie zurzeit besondere Priorität?

Unser Kernauftrag ist die Vorbereitung und Planung der Abschreckung und Verteidigung an der NATO-Ostflanke mit Schwerpunkt in Litauen. Das prägt unseren Alltag auf allen Ebenen, unsere Ausbildungsund Übungstätigkeit, aber auch das Mindset jedes Einzelnen. Seitdem ich im September 2024 die Division übernehmen durfte, erlebe ich das nun täglich. Das Ziel ist, robust, professionell und einsatzbereit zu sein und zu bleiben und das gilt nicht nur für die rund 22.000 Soldatinnen und Soldaten der Division. Wir sind nämlich nicht allein: Die 10. Panzerdivision wird durch bis zu 8.000 weitere Soldatinnen und Soldaten anderer Teilstreitkräfte und Fähigkeitsbereiche der Bundeswehr ergänzt und unterstützt, zum Beispiel von der Luftwaffe, der Logistik oder dem Cyber- und Informationsraum. Dieser Auftrag und das Wissen um seine Bedeutung beschäftigen die Frauen und Männer, ganz klar. Und unsere Aufgabe als Vorgesetzte ist es, sie bestmöglich vorzubereiten und auszubilden. Das tun wir und ich bin wirklich sehr stolz, dass ich die Frauen und Männer habe. Sie machen alle jeden Tag einen klasse Job.   

Die 10. Panzerdivision steht seit Januar 2025 als „Division 2025“ in unterschiedlichen Einsatzbereitschaftsgradender NATO zur Bündnisverteidigung zur Verfügung. Welche besonderen Fähigkeiten zeichnen zurzeit die Division aus?

Das ist zum einen die Kampfkraft mit unseren schweren, gepanzerten Brigaden sowie einer mittleren Brigade: Unsere Stärke ist Feuerkraft und Bewegung. Unsere weiter aufwachsenden Divisionstruppen komplettieren das Bild; insbesondere bei der Führung eines Gefechts im Zuge der Landes- und Bündnisverteidigung ist diese Mischung von enormer Bedeutung:

  • Divisionseigene, weitreichende Artillerie,
  • Fernmeldekräfte,
  • Pioniere,
  • Aufklärer und
  • zusätzliche Logistik.

Diese Fähigkeiten geben mir als Truppenführer im Gefecht auch die Möglichkeit, einen Schwerpunkt zu setzen oder Feind bereits in seiner Tiefe zu bekämpfen. Zum anderen ist es die Multinationalität mit unserer niederländischen 13. Leichte Brigade, deren Integration abgeschlossen ist, und der Deutsch-Französischen Brigade. Auch im Stab sieht man die Multinationalität: Ich habe einen niederländischen Stellvertreter, mittlerweile sind fast zehn Stabsoffiziere und Portepeeunteroffiziere des niederländischen Heeres fester Bestand teil des Divisionsstabes.

Wir haben Amerikaner und Litauer als Offiziere im Stab, die voll in die Aufträge eingebunden sind. Und ich kann Ihnen sagen, dass die Zusammenarbeit hervorragend funktioniert und das mit einem sehr hohen Maß an Interoperabilität. Die 10. Panzerdivision führt also Soldatinnen und Soldaten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und seit April dieses Jahres auch in Litauen: nun die fünfte Brigade der Division. Mit der Unterstellung der Panzerbrigade 45 „Litauen“ haben wir künftig Fähigkeiten direkt vor Ort in Litauen. Die Brigade wird der verlängerte Arm der Division an der NATO-Ostflanke sein; damit trägt sie maßgeblich zu einer glaubwürdigen Abschreckung bei.

Divisionstruppen mit ihren Fähigkeiten werden auch in der Landes- und Bündnisverteidigung zwingend benötigt. Wie sind der aktuelle Sachstand und die weiteren Planungen?

Die Divisionstruppen sind aufgestellt, werden durch ihren eigenen Kommandeur, meinen deutschen Stellvertreter, geführt und nehmen an allen Übungen und Ausbildungen der 10. Panzerdivision teil. Ich bin sehr froh, dass wir diese Fähigkeiten mittlerweile wiederhaben. Aber vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen, besonders in der Ukraine, müssen wir natürlich auch weiterhin sehr genau auf die Bedarfe einer Division schauen, um einerseits Lücken zu schließen und parallel dazu eine Vollausstattung zu erreichen. Da geht es zum Beispiel um den Bereich Drohnen, die Abwehr feindlicher und die Nutzung eigener. Aber es geht auch immer mehr um das Thema weitreichende Waffensysteme und Abstandsfähigkeit.

Die Frage ist: Was gilt es in der Zukunft in den Divisionstruppen noch intensiver oder flexibler abzubilden, um dem Auftrag noch besser gerecht werden zu können? Eine umfassende Flugabwehr, weitreichendes Feuer, Abwehr von Drohnen sowie die Fähigkeit, mit bewaffneten Drohnen den Kampf bereits in der Tiefe führen zu können, oder auch stärkere Fähigkeiten im elektronischen Kampf werden dazugehören. Diese Entwicklungen sehen wir bei unseren alliierten Freunden ganz genauso.

Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 4/25 des HHK!

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