… aus Sicht einer multinationalen Einsatzdivision
Im Zuge der Zeitenwende und der damit einhergehenden Neuorientierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung werden dauerhaft einsatzbereite Streitkräfte benötigt, welche sich insbesondere quantitativ deutlich von den Kontingenten der Stabilisierungseinsätze
unterscheiden.
Ausgerichtet sind die neuen Anforderungen am NATO Force Model als ein Rahmenwerk, das die NATO nutzt, um nationale Streitkräfte für den gemeinsamen Einsatz verfügbar zu machen. Für die 10. Panzerdivision als multinationaler, mechanisierter Großverband des Heeres bedeutet dies eine konsequente Ausrichtung am Auftrag zur Abschreckung und Verteidigung an der NATO-Ostflanke bereits aus der Grundgliederung heraus. „Wir gehen, wenn wir müssen, und zwar so, wie wir sind“, betont Generalmajor Jörg See, Kommandeur der 10. Panzerdivision. Dies hat auch unmittelbare Auswirkungen auf die Logistik als wesentliche Voraussetzung und zentraler Gestaltungsrahmen für Operationen und Operationsplanung auf Divisionsebene. Der logistische Prozess muss gemessen am möglichen Kriegsbild der Landes- und Bündnisverteidigung neu gedacht werden. Kapazitätsberechnungen, Transportraumplanungen und Leistungserprobungen müssen mit Blick auf die Neuorientierung und Interoperabilität geprüft, erprobt und angepasst werden.
Logistik binational
Die 10. Panzerdivision ist zusätzlich zu der besonderen Gestaltungsform der Deutsch-Französischen Brigade bereits in ihrer Grundgliederung binational aufgestellt. Mit der Unterstellung der niederländischen 13. Lichte Brigade im April 2023 wurde die Zusammenarbeit mit den niederländischen Streitkräften weiter intensiviert. Ziel sind umfassend integrierte Großverbände der Landstreitkräfte. Wesentliche Herausforderung für die Logistik sind hierbei jedoch die beiden unterschiedlichen logistischen Systeme der beiden Nationen.
Dies hat unmittelbar zur Folge, dass bei einem Einsatz der 10. Panzerdivision die Einsatz- sowie die Basislogistik den multinationalen Ansprüchen gerecht werden muss. Der Grundsatz „Logistik ist National Business“ wird den Anforderungen an die Logistik im NATO Force Model nicht mehr gerecht und stellt die logistische Leistungserbringung vor neue Herausforderungen. Um diesen angemessen zu begegnen, haben das deutsche und das niederländische Verteidigungsministerium vereinbart, dass im Rahmen der Integration der 13. Lichte Brigade in die 10. Panzerdivision die logistische Interoperabilität gesteigert werden soll. Dabei verantworten jedoch beide Nationen unverändert die jeweilige logistische Unterstützung national mit dem Ziel, dass die gemeinsamen Anstrengungen den erforderlichen Unterstützungsbedarf decken sollen.
Einsatzlogistik
Die deutsche Einsatzlogistik zeichnet sich durch jeweils ein Versorgungsbataillon auf der Brigadeebene sowie ein Versorgungsbataillon auf der Divisionsebene zur Versorgung der Divisionstruppen aus. Die nationale Folgeversorgung der Division wird durch die mobilen Logistiktruppen der Basislogistik unter Einsatz eines Logistikregiments sichergestellt. Das niederländische logistische System sieht auf der Ebene der Brigade nur ein logistisches Element in Kompaniestärke vor. Zur logistischen Unterstützung stellt das niederländische Versorgungs- und Transportkommando logistische Kräfte bereit, die spezifisch für den konkreten Einsatz zugeschnitten sind. Die Durchhaltefähigkeit der Brigade wird dabei durch die Einrichtung mehrerer Supply Center gewährleistet.

