Drohnen – Luftverteidigung – Weltraum

(Foto ©Argus Interceptor)
(Foto ©Argus Interceptor)

Weiterentwicklung des Systems Landkampf/Wirkung

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

Die Bedrohung durch unbemannte Flugkörper und insbesondere durch Drohnen ist zurzeit in aller Munde.

Wie entscheidend die Weiterentwicklung des Systems Landkampf in diesem Fähigkeitsspektrum der Streitkräfte einmal wird, konnten wir – Mitte des letzten Jahres – bei der Idee der Festlegung eines Schwerpunktes im „Hardthöhenkurier“ natürlich nicht sicher wissen. Aber die Notwendigkeit des Schutzes gegen die Drohnengefahr konnte man schon früh erkennen, denn Warnungen lagen bereits vor. Schon im armenisch-aserbaidschanischen Krieg 2020 spielten Drohnen eine wichtige Rolle. Die Erfahrungen des Drohnenkrieges aus dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine führen uns fast täglich die Auswirkungen auf Menschen und Infrastruktur vor Augen. Die jüngsten Drohnenüberflüge über Kasernen, über kritischer Infrastruktur und im Umfeld der Flughäfen zeigen die Verwundbarkeit in Europa auf, sie erzeugen Unsicherheiten, stören massiv Abläufe und untergraben Vertrauen in die innere und äußere Sicherheit. Sie sind dem Bereich hybride Kriegsführung zuzuordnen, liegen also unterhalb der Schwelle eines offenen militärischen Angriffs.

Bilder von hell beleuchteten Drohnen über Flugplätzen erzeugen deutliches Unbehagen, sind peinlich und beschämend, vor allen deshalb, weil bekannt ist, wie man mit dem Kampf gegen Drohnen umgeht. Natürlich ist Drohnenabwehr eine gesamtstaatliche Aufgabe. Benötigt werden effektive Aufklärungs- und Abwehrsysteme, klare und praktikable rechtliche Regeln und eindeutige politische Botschaften. Jeder nicht autorisierte fremde Drohnenüberflug ist eine Verletzung staatlicher Souveränität und erfordert entsprechende Konsequenzen (bis zum Abschuss in urbanem Gelände). Im Bereich C-sUAS (Counter small Uncrewed Aircraft System) verfügt die Bundeswehr unter anderem über das „Abwehr-System gegen Unbemannte Luftfahrzeuge“, dessen Vorläufer beim Schutz von mehreren großen internationalen und nationalen Treffen eingesetzt war. Auch auf europäischer Ebene gibt es Initiativen. So hat das EU-Parlament für eine Resolution gestimmt, die Russlands jüngste „eskalierende Maßnahmen“ bei den Verletzungen des europäischen Luftraums verurteilt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat angekündigt, einen „Drohnenwall“ vom Baltikum bis zum Schwarzen Meer zu schaffen, über dessen Sinnhaftigkeit man sicher streiten kann.

Michael Horst, Chefredakteur (Foto © MRV)
Michael Horst, Chefredakteur (Foto © MRV)

Doch Drohnen sind – trotz der massiven beunruhigenden Berichterstattung – nur ein Bruchteil der Bedrohungen aus der Luft, die uns zurzeit gefährden und vor der wir uns und kritische Infrastruktur schnell schützen müssen. Generalleutnant Lutz Kohlhaus, Stellvertreter des Inspekteurs der Luftwaffe, stellte in der letzten Ausgabe des HHK fest: „Wir müssen das gesamte Höhenspektrum der Luftbedrohung abdecken. Das reicht von der Abwehr kleiner Drohnen über die Heeresflugabwehr im unteren Höhenbereich bis zu IRIS-T Medium Range und Patriot mit mittlerer Reichweite und schließlich zum Waffensystem Arrow außerhalb der Atmosphäre.“ Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sprach am 25. September von der russischen Bedrohung auch und gerade im Weltraum. Sein Fazit: „Auch im Weltraum müssen wir abschrecken können, um verteidigungsfähig zu sein.“

Die Bedrohung aus der Luft reicht also von der Drohne bis zum Interkontinental-System und kommt auch aus dem Weltraum. Die Abwehr dieser Bedrohungen ist zurzeit ein entscheidender Teil der modernen Kriegsführung. Der Generalinspekteur hat in der „Weisung Prioritäten zur Steigerung der Einsatz- und Verteidigungsbereitschaft“ vom 19. Mai 2025 hier auch entsprechende Prioritäten zur Stärkung des Schutzes vor Bedrohungen aus der Luft gesetzt.

Der Kampf gegen und mit Drohnen erfordert zeitnah – in allen Dimensionen – Lösungsmöglichkeiten durch technische Ausstattung, angepasste Taktik und ausreichende Übung. Nur durch Drohnen allein, das zeigt sich zurzeit in aktuellen Kriegen, sind allerdings auch keine entscheidenden Geländegewinne zu erreichen. Die Erfahrungen aus Kriegen zeigen deutlich die Notwendigkeit, sowohl bestehende Fähigkeiten zu modernisieren als auch neue zu entwickeln und an Bewährtem festzuhalten. Schlüssel zukünftiger Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit sind im Wesentlichen schnelle Anpassungsfähigkeit und adaptive Fähigkeiten.

Zukünftig werden bei der Verteidigungsplanung der Dimension Land – bei der sicher notwendigen digitalen Vernetzung, Software-Defined Defence, Multi-Domain Operations und KI – auch Kampfpanzer und geschützte Plattformen (von der Software her gedacht und mit deutlich weniger Personal) sowie „Boots on the Ground“ strategische Rollen einnehmen müssen. Denn sie bringen Wirkung ins Ziel und erzielen bei optimierter Führungsfähigkeit die erforderliche Wirkungsüberlegenheit. Natürlich werden unbemannte Systeme und Einwegsysteme – in welchem Prozentverhältnis auch immer – als Ergänzung verfügbar gemacht werden müssen.

Michael Horst, Chefredakteur

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