LOGFAS

LOGFAS- Formel (Bild © LogKdoBw)
LOGFAS- Formel (Bild © LogKdoBw)

Multinationalität der nationalen Logistik

Die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren durch den Ukrainekrieg und die damit einhergehenden geopolitischen Spannungen grundlegend gewandelt.

Neben traditionellen Bedrohungen durch staatliche Akteure wie Russland sehen wir uns zunehmend neuen Herausforderungen gegenüber, darunter Terrorismus, Cyberangriffe, hybride Kriegsführung sowie der Klimawandel und Ressourcenknappheit. Diese Entwicklungen erfordern eine anpassungsfähige und resiliente Logistik, die sowohl nationale als auch internationale Anforderungen erfüllt, um beispielsweise den Schutz der Logistiksysteme vor Cyberangriffen zu gewährleisten. In der sicherheitspolitischen Realität der Zeitenwende wird die entscheidende Bedeutung effektiver Logistik für militärische Operationen immer deutlicher. Die traditionellen Konzepte von Logistik, die auf unbegrenzten Ressourcen, überall und einer ständigen Verfügbarkeit von 100 Prozent basieren, sind nicht mehr tragfähig. Angesichts der Anforderungen moderner militärischer Einsätze sind hochgradig effiziente und präzise gesteuerte logistische Netzwerke unerlässlich.

In diesem Zusammenhang spielt das logistische NATO- Führungsinformationssystem LOGFAS (Logistical Functional Area Services) eine entscheidende Rolle bei der Optimierung logistischer Prozesse und der Gewährleistung der Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften verschiedener Nationen. Im Kontext des Ukrainekrieges kommt der NATO eine maßgebliche Rolle bei der Harmonisierung und Integration militärischer Logistik zu. Durch verschiedene Initiativen wird die logistische Zusammenarbeit unter den Mitgliedstaaten gefördert, die für den gemeinsamen Erfolg von Operationen unverzichtbar ist. Die Einbindung der Bundeswehrlogistik in die globale Sicherheitslage ist ein zentrales Element der nationalen und internationalen Verteidigungspolitik. Deutschland nimmt hierbei eine Schlüsselrolle ein, da es über hochwertige logistische Kapazitäten und Erfahrungen verfügt, die entscheidend zur Einsatzbereitschaft und operativen Fähigkeiten der Streitkräfte beitragen. Dies umfasst verschiedene Bereiche wie die Beschaffung, Wartung und Instandhaltung sowie den Transport von Personal und Material. Eine effiziente Logistik ist für die Bundeswehr unbedingt erforderlich, um im Rahmen internationaler Konflikte oder im Falle humanitärer Hilfe sowie Stabilisierungsoperationen schnell und flexibel reagieren zu können. Dies bedingt nicht nur eine gut ausgebaute Infrastruktur, sondern auch eine enge Zusammenarbeit mit NATO-Partnern und internationalen Organisationen, die ebenfalls über eigene Logistikstrukturen verfügen. Durch die Integration von Logistiksystemen und deren Anwendungen in der Praxis wird die Interoperabilität erhöht, wodurch gemeinsame Einsätze sowohl zeitlich als auch strategisch optimiert werden können.

LOGFAS – Interoperabilität

Gemäß der Definition ist die Interoperabilität die Fähigkeit von Anwendungen und Systemen, Daten sicher und automatisch auszutauschen, unabhängig von geografischen, politischen oder organisatorischen Grenzen. Die Nutzung von LOGFAS ist entscheidend für die Interoperabilität der NATO-Logistik. Wenn 32 NATO-Nationen mit 28 verschiedenen Sprachen mit 32 verschiedenen Warenwirtschaftssystemen (wie zum Beispiel SAP) zusammen agieren müssen, kann dies nur durch ein Softwaretool wie beispielsweise LOGFAS erfolgen. Dieses System ermöglicht es den Truppen, Ressourcen und Informationen effizient auszutauschen und somit effektiver im Einsatz zusammenzuarbeiten. Deutschland hat wiederholt in NATO-Übungen und -Einsätzen bewiesen, dass es die logistische Unterstützung gemäß den NATO-Standards erfolgreich umsetzen kann, wozu LOGFAS einen zentralen Beitrag leistet.

(NATO-)Einsätze sind oft dynamisch und komplex, weshalb die Logistik in der Lage sein muss, sich schnell an wechselnde Bedingungen anzupassen. LOGFAS bietet in diesem Zusammenhang eine flexible Plattform, die es ermöglicht, logistische Prozesse in Echtzeit zu optimieren. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz der NATO in Afghanistan, bei dem die logistische Unterstützung unter schwierigen Bedingungen koordiniert werden musste; hier zeigte sich, wie wertvoll ein integriertes System wie LOGFAS sein kann. Technologische Integration und Innovation sind weitere wesentliche Aspekte, die mit der Nutzung von LOGFAS verbunden sind.

Durch den Austausch von Technologien und innovativen Lösungen mit internationalen Partnern stärkt die Bundeswehr ihre logistischen Kapazitäten erheblich. Multinationale Forschungsprojekte, die auf zukunftsweisende Logistiktechnologien abzielen, profitieren von den Möglichkeiten, die LOGFAS bietet. Dies spiegelt sich insbesondere in der Weiterentwicklung von LOGFAS mit acht Modulen zu ESS (Enablement Support Services) mit dann 23 Modulen wider. Die NATODefinition der Logistik umfasst auch die Bereiche Sanität und Pionierwesen, die neue Anforderungen mit sich bringen. Themen wie Automatisierung, Künstliche Intelligenz und fortschrittliche Systeme zum Sustainment- Management stehen dabei im Fokus und werden durch das System unterstützt, um dessen Effektivität kontinuierlich zu sichern und zu verbessern.

Von Oberstleutnant Christoph Weisbarth, Logistikkommando der Bundeswehr

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 5/25 des HHK!

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