Schießen und Fahren
In der militärischen Ausbildung der Feldjäger sind die Schieß- und Fahrfertigkeit zentrale Aspekte. Ebenso wichtig ist die Fähigkeit, unter Stress sicher und zuverlässig zu handeln. Die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr (SFJg/StDstBw) hat erkannt, dass Resilienz und Stressmanagement Schlüsselkompetenzen für den Erfolg im Einsatz sind.
Unter Beteiligung der Bundespolizei und der Polizeien der Länder wurden gemeinsame Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen entwickelt, um die Kompetenzen zu stärken. Hierzu werden verwendungsspezifische Handlungskompetenzen, taktisch-operative Kompetenzen sowie Resilienz- und Stresskompetenzen in sogenannten Kompatibilitätsmodulen für spezialisierte Kräfte der Feldjäger und der Polizei vermittelt (Stichwort: Kompatibilität). Die innovativen und behördenübergreifenden Trainingskonzepte „Taktisches Schießen“ und „Taktisches Fahren“ verknüpfen die jeweiligen Fachinhalte mit psychologischen Komponenten.
In der militärpolizeilichen Ausbildung werden die Kompatibilitätsmodule unter anderem für die Spezialisierung „Personen- und Begleitschutz“ und „Zugriffsdurchsuchung“ eingesetzt. Militärpolizeikräfte aus allen Feldjägerregimentern trainieren gemeinsam mit polizeilichen Ausbildungsteilnehmenden. Die Kompatibilitätsmodule bilden somit den Höhepunkt der Resilienzausbildung in den verwendungsspezifischen Fertigkeiten der Militärpolizei. Sie bauen auf den erworbenen Kompetenzen aus den verschiedenen zuvor absolvierten Modulen auf: Resilienz Feldjägerwesen Basis (integriert in der Spezialgrundausbildung), Fortgeschritten (integriert in der Feldjägerfeldwebelausbildung), Spezialist (integriert in den Spezialisierungslehrgängen) und Resilienz Feldjägerwesen für Offiziere (integriert im Zugführerlehrgang).
Die dargestellte Sequenzierung ist beispielgebend für die zukunftsorientierte Ausrichtung der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr, die ihre Ausbildungsmethoden kontinuierlich weiterentwickelt und an die aktuellen Herausforderungen im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung unter besonderer Berücksichtigung des Operationsplans Deutschland ganzheitlich anpasst.
Beitrag aus einsatz- und cyberpsychologischer Perspektive
Die dargestellten Kompatibilitätsmodule basieren auf wissenschaftlich fundierten Konzepten der Stressimpfung und Resilienzförderung. Die Entwicklung und Durchführung dieser praxisnahen Module zielen darauf ab, mentale Stärke und Stresskompetenz unter realitätsnahen Bedingungen zu fördern. Das zugrunde liegende Modell des Stressimpfungstrainings geht auf den amerikanischen Psychologen Donald Meichenbaum zurück. Es basiert auf der Annahme, dass Menschen durch eine gezielte Vorbereitung auf Stresssituationen, bestehend aus Informationsvermittlung, kognitivem Training und kontrollierter Konfrontation, ihre Fähigkeit zur Stressbewältigung nachhaltig verbessern können. Dieses Prinzip wird im Rahmen der Kompatibilitätsmodule anwendungsorientiert auf einsatzspezifische Anforderungen übertragen.
Der vielfältige Aufgabenbereich des Feldjägerwesens der Bundeswehr stellt spezialisierte Kräfte aufgrund ihrer komplexen Aufträge und der hohen Einsatzfrequenz im In- und Ausland vor erhebliche Belastungen. Deshalb ist es unerlässlich, nicht nur die physische, sondern auch die psychische Leistungsfähigkeit gezielt zu stärken.
In enger Zusammenarbeit zwischen der Truppen- und Einsatzpsychologie des Kommandos Feldjäger der Bundeswehr und der Schule für Feldjäger und Stabsdienst der Bundeswehr wurden seit 2023 bereits zwei Kompatibilitätsmodule etabliert: das Modul „Taktisches Schießen“ sowie „Taktisches Fahren“. Beide Module orientieren sich am psychologischen Konzept der Stressimpfung und verfolgen das Ziel, unter realitätsnahen Einsatzbedingungen die individuelle Resilienzfähigkeit sowie Kompetenzen des Stressmanagements und der Stresskontrolle zu fördern.

