Nachgefragt bei … Brigadegeneral Stefan Wind, Abteilungsleiter Kampf im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr
Herr General, vor welchen wesentlichen Herausforderungen steht die Abteilung Kampf aktuell, und wo setzen Sie Schwerpunkte?
Die rüstungsseitige Umsetzung der Zeitenwende mit dem Faktor Zeit als handlungsbestimmendem Faktor stellt die Abteilung Kampf vor die Herausforderung, den zeitgerechten Zulauf von Material und in gesteigertem Maße auch die Erhöhung der Produktionskapazitäten auf Seiten der Industrie sicherzustellen und bestmöglich zu unterstützen. Um diesem Umstand angemessen zu begegnen, wird der Abschluss neuer langfristiger Rahmenvereinbarungen forciert.

Schwerpunkt liegt hierbei klar auf der Beschaffung marktverfügbarer Produkte, wie zum Beispiel Arrow oder der Radhaubitze RCH 155. Weiterhin wird auch auf eingeführtes Material, beispielsweise die Panzerabwehrrichtmine oder 155-mm-Suchzündermunition Artillerie, zurückgegriffen, welches durch aktives Obsoleszenzmanagement aufgewertet wird. Dennoch werden auch Entwicklungslösungen beziehungsweise Zukunftsprojekte weiterverfolgt, um mittelfristig auch neue aktuelle Fähigkeiten auszubauen und technologisch auf dem Stand der Technik zu bleiben.
Die Weisung „Prioritäten Generalinspekteur zur Steigerung der Einsatz- und Verteidigungsbereitschaft“ bezieht sich unter anderem auf die Stärkung der Befähigung zum Kampf und die maximale Erhöhung der Einsatzbereitschaft. Wie können aus Ihrer Sicht diese Prioritäten umgesetzt werden, und wie kann Ihr Verantwortungsbereich zur Erfüllung dieser Forderungen beitragen?
Die Prioritäten der Weisung des Generalinspekteurs werden durch die Abteilung Kampf unmittelbar durch entsprechende Beschaffungsprojekte, die zur Deckung des geateigerten Bedarfs an Waffensystemen sowie Munition dienen, bedient. Den gesetzten Prioritäten soll dabei auch durch eine Erweiterung der Organisationsstruktur der Abteilung Kampf begegnet werden, die den Fokus auf Projekte zur Stärkung der Befähigung zum Kampf legt, wie beispielsweise das präzise kinetische Wirken durch Deep Precision Strike. Um den seit der Zeitenwende drastisch gestiegenen Bedarfen kurzfristig zu begegnen, wird der originäre Personalkörper der Abteilung auf die Schwerpunktsetzung konzentriert.
Das Roll-out der ersten Leopard 2 A8 für Deutschland und Norwegen findet am 19. November statt. Wann kommt die Version in Stückzahlen in die Truppe, und wann wird die erste Einheit damit einsatzbereit sein?
Der Roll-out 2025 ist ein Signal dafür, dass die integrierte Nachweisführung bei der Bundeswehr im zweiten Quartal 2026 beginnen kann, da die ersten Fahrzeuge der Bundeswehr im selben Zeitraum zulaufen. Nach erfolgreicher Erprobung und Einsatzprüfung als Voraussetzung für die Erteilung der Genehmigung zur Nutzung erfolgt die Übergabe an die Truppe. Aktuell planen wir, damit im vierten Quartal 2026 zu beginnen.
Wann wird die endgültige Konfiguration der „Zwischenlösung“ zwischen Leopard 2 A8 und Main Ground Combat System (MGCS) festgelegt? Welche Zielsetzung gibt es für die Beschaffung?
Im Rahmen der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Panzertruppe werden zukunftsweisende Technologien evaluiert. Inwieweit diese ihren Eingang in Waffensysteme finden, ist derzeit noch nicht absehbar. Hierbei arbeiten wir im Rahmen des Europäischen Verteidigungsfonds im engen Schulterschluss mit unseren verbündeten Staaten zusammen mit dem Ziel, die internationale Kooperation auf diesem Gebiet auszubauen.

