Das Elektronikzentrum der Bundeswehr

Oberstlt Wittenborn leitet seit September 2024 das Elektronikzentrum der Bundeswehr. (Foto©Gelpke)
Oberstlt Wittenborn leitet seit September 2024 das Elektronikzentrum der Bundeswehr. (Foto©Gelpke)

Rückgrat der logistischen Leistungserbringung

Interview mit Oberstleutnant Kay Wittenborn, Leiter des Elektronikzentrums der Bundeswehr in Bad Bergzabern

Zeit ist ein wesentlicher Faktor in der logistischen Leistungserbringung. 
Wie könnte man aus Ihrer Sicht den Faktor Zeit in Ihrem Aufgabenbereich positiv beeinflussen? 

Durch die Priorisierung von Projekten können wir schnell beziehungsweise schneller reagieren. Durch einen Mix von Maßnahmen – Verwendung von Komponenten aus der Zentrallogistik, der dezentralen Beschaffung und der Untervergabe von Kleinserien an mittelständische Unternehmen zur Platinenfertigung oder Bestückung, interne Werksaufträge zur Fertigung von Komponenten und Bauteilen – sowie die hohe Flexibilität können wir Lösungen produzieren.

Was in Zukunft immer schwieriger wird, ist die flexible Komponentensubstitution. Es gibt auf dem Markt nicht mehr alles, was wir brauchen. Hier müssen entsprechende Lösungen gefunden werden. Diesen Prozess aus einer Hand mit viel eigener Verantwortung zu koordinieren, spart eine Menge Zeit.

Ihre Erfahrungen aus Einrüstung, Umrüstung, Instandhaltung der komplexen Systeme und auch der Einbausätze in den Großwaffensystemen sind auch relevant für die Weiterentwicklung der Systeme in der Nutzung und auch für neu zu beschaffende Systeme. Wie gestaltet sich hier die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen im Rüstungsbereich, zum Beispiel Projektleitern im BAAINBw, wenn es um die Weiterentwicklung der vorhandenen beziehungsweise Beschaffung neuer Systeme geht?

Das hängt vom jeweiligen System beziehungsweise von der jeweiligen Projektleitung ab. Besonders einfach gestaltet sich die Zusammenarbeit im Regelfall da, wo es um plattformübergreifende Lösungen geht. Das heißt, immer da, wo man mehrere ins Boot holen müsste, sind jeweilige Projektleitende nach meiner Bewertung froh, wenn es jemanden gibt, der diese Aufgabe für mehrere Plattformen übernehmen kann.

Immer dann, wenn das BAAINBw selbst zum Hersteller wird und das Zentrum der Fertiger, dann lässt sich vieles ganz einfach realisieren. Oder wenn es eine intelligente Kooperation mit der Rüstungsindustrie gibt. Unser wesentlicher Vorteil ist, dass wir in der Abarbeitung nicht an Vertragstexte gebunden sind. Damit fällt ein wesentlicher Verzögerer, ein Hemmnis, wie immer man es nennen soll, weg. Es muss nicht erst nachverhandelt werden. Wir setzen Dinge direkt um, und das macht es schließlich deutlich schneller und einfacher.

Personal ist eine wertvolle Ressource und Sie bilden auch in Ihrer Ausbildungswerkstatt sehr erfolgreich selbst aus. Wie entwickelt sich die Bewerberzahl derzeit? Konnten Sie hier bereits Veränderungen feststellen? Sie sind mit dem Standort Bad Bergzabern am Rande des Pfälzerwaldes. Ist das eher ein Standortvorteil oder ein Standortnachteil?

Sowohl als auch. Bis jetzt konnten wir alle Ausbildungsstellen mit qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern aus der Region trotz der Randlage an der französischen Grenze und der Konkurrenz zu Automobilherstellern und Zulieferern gut besetzen. Im Moment ist es so, dass das, was an Bewerbendenzahlen eigentlich rückläufig ist, durch die Stagnation in der Automobilindustrie wieder ausgeglichen wird. Das heißt, wir bemerken nicht, dass es weniger Bewerberinnen und Bewerber werden. Es ist inzwischen ein anderer Personenkreis und auch aus dem weiteren Umfeld. Wir sind hier ein bisschen wie ein Familienunternehmen: Es gibt mehrere Mitarbeitende, die in der dritten Generation bei uns arbeiten beziehungsweise Enkelkinder bei uns in der Ausbildung haben. Der Pfälzer ist sehr regional geprägt.

Als letzte Frage von meiner Seite. Was wären Ihre drei Wünsche als Priorität für das Zentrum?

Einmal die Dualität als primärer Instandhaltungsbetrieb und zusätzlich als Fertiger, also tatsächlich Produktion und Fertigung als Ganzes, zu verstetigen. Dazu wäre auch die entsprechende Anpassung von Regelungen wünschenswert, zum Beispiel die Wertgrenzen zum Einkauf und zur dezentralen Beschaffung. Darüber hinaus brauchen wir das Personal. Mein Wunsch wäre zum Beispiel eine Gerätesachbearbeiterin oder -bearbeiter zu ergänzen, die dann die entsprechende Materialdokumentation und alles, was sonst zur Pflege der Materialstammdaten gehört, hier direkt vor Ort durchführen könnte.

Das zweite wäre, dass wir mit der Trendwende Material frühzeitig eine Ableitung bekommen, was an Fähigkeiten, Mitteln, Infrastruktur und Personalbedarf in der Zukunft vom Elektronikzentrum der Bundeswehr gefordert ist. Denn es ist viel, sehr viel Material für die Streitkräfte bestellt worden. Es ist aus meiner Sicht noch nicht hinreichend bewertet worden, was dies in der logistischen Kette an zusätzlichen Maßnahmen erfordert. Und wenn ich eine neue Mitarbeiterin beziehungsweise neuen Mitarbeiter einstellen will, brauche ich mindestens drei Jahre für die Ausbildung.

Das ist also nichts, was man allein durch die Schaffung einer Planstelle hinbekommt. Und schließlich, was mir am meisten am Herzen liegt, die Realisierung der erforderlichen Infrastruktur. Ein komplettes Werk neu zu konzipieren beziehungsweise zu errichten, wird mehrere Jahre dauern, bis wir dann tatsächlich mit allen Kräften geschlossen umziehen können. Das ist ein ziemlich dickes Brett, was wir mit viel Standhaftigkeit und Durchhaltewillen in den nächsten Jahren realisieren müssen.

Vielen Dank für Ihre Zeit, für Ihre Bemühungen und weiterhin alles Gute für Ihr Zentrum.

Die Fragen stellte Wolfgang Gelpke.

Das Interview lesen Sie in Ausgabe 4/26 des HHK!

Aktuelle Beiträge lesen Sie bei Soldat & Technik

Verwandte Themen:

Neue Waffen für den Einsatz in großer Zahl Erfahrungen aus dem Krieg mit Iran fließen nach Angaben aus der...

Der HHK öffnet seine Archive. Wir werden ab jetzt in regelmäßigen Abständen unter dem Namen „DAMALS“ interessante Artikel und...

Sachstand und Ausblick Mit der veränderten Sicherheitslage in Europa, dem zunehmend aggressiven Vorgehen Russlands gegenüber seinen europäischen Nachbarländern wurde...

Weitere Nachrichten
HHK+ Vorteile nutzen
mockup complete

Erhalten Sie jetzt einen Zugang zu den HHK+ Artikeln & Magazinen vom Hardthöhen-Kurier

Aktuelle Magazine
Partner & Anzeigen
Partner unsere Sonderpublikationen