A-10 Thunderbolt am Golf: Panzerknacker jagt Mückenflotte

Eine A-10C Thunderbolt II im Einsatz am Persischen Golf. Unter den Tragflächen sind ein Luft-Boden-Flugkörper AGM-65 Maverick, ein Behälter mit sieben lasergelenkten 70-mm-Raketen APKWS und zwei Luft-Luft-Lenkwaffen AIM-9 Sidewinder vermutlich zum Einsatz gegen iranische Drohnen zu erkennen.
Eine A-10C Thunderbolt II im Einsatz am Persischen Golf. Unter den Tragflächen sind ein Luft-Boden-Flugkörper AGM-65 Maverick, ein Behälter mit sieben lasergelenkten 70-mm-Raketen APKWS und zwei Luft-Luft-Lenkwaffen AIM-9 Sidewinder vermutlich zum Einsatz gegen iranische Drohnen zu erkennen. (Foto: U.S. CENTCOM)

Das Erdkampfflugzeug Fairchild Republic A-10 Thunderbolt II der U.S. Air Force (USAF), wegen seines Aussehens auch liebevoll  „Warthog“ (Warzenschwein) genannt, kommt derzeit beim amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran in einer ungewohnten Rolle zum Einsatz: Die Ende der 1960er Jahre als „Panzerknacker“ zur Bekämpfung mechanisierter Verbände des Warschauer Pakts entworfene Maschine jagt die als „Mückenflotte“ bezeichneten kleinen schnellen Boote, die insbesondere von der iranischen Revolutionsgarde zu Angriffen auf die internationale Schifffahrt und zum Minenlegen im Persischen Golf genutzt werden.

Bereits am vergangenen Sonntag, 15. März, veröffentlichte das US-Zentralkommando CENTCOM Bilder einer A-10C bei der Luftbetankung während der Operation und bemerkte dazu, dass der Typ stundenlang kreisen und jederzeit für Einsätze abgerufen werden könne. Am gestrigen Donnerstag erklärte der Vorsitzende der Vereinten Stabschefs, General Dan Caine von der USAF, dass die Thunderbolt nun entlang der gesamten Südflanke des Einsatzgebiets gegen Schnellboote in der Straße von Hormus zum Einsatz komme.

Anfang der Forderungen im Vietnamkrieg

Das ist letztlich eine maritime Ableitung der Mission, für die der Typ entwickelt wurde. In den 1960er Jahren suchte die U.S. Air Force nach einem modernen Nachfolger für die im Vietnamkrieg zur Luftnahunterstützung (Close Air Support – CAS) eingesetzten Flugzeuge wie die noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammende Douglas A-1 Skyraider. Die USAF hatte sich auf überschallschnelle und hochtechnisierte Jagd- und Angriffsflugzeuge konzentriert und war unvorbereitet für einen Konflikt, der vom Gegner stark als Guerillakrieg am Boden geführt wurde.

Die modernen Düsenflugzeuge hatten zu hohe Mindestgeschwindigkeiten und Treibstoffverbrauch, um zur schnellen und effektiven Bekämpfung plötzlich auftretender Gegner im Einsatzgebiet zu kreisen. Zudem waren sie empfindlich gegen Beschuss vom Boden in niedrigen Höhen, selbst durch glückliche Treffer mit Gewehrfeuer. Die USAF musste daher auf langsame und robuste Propellermaschinen mit großer Waffenlast wie die ursprünglich als Trägerflugzeug gebaute Skyraider zurückgreifen. Daher erging 1966 unter der Bezeichnung A-X die Forderung nach einem spezialisierten modernen Erdkampfflugzeug.

Panzerabwehrrolle und Auswahl der A-10

1970, als der politische Druck für eine Ende des amerikanischen Engagements in Vietnam stieg, wurde diese für den Einsatz gegen sowjetische Panzerverbände präzisiert. Das Flugzeug sollte insbesondere die enorme siebenrohrige 30-mm-Gatlingkanone GAU-8 Avenger und eine Waffenlast von 7.300 Kilogramm bei einem Einsatzradius von 460 Kilometern tragen. Northrop entwickelte daraufhin den Typ YA-9, Fairchild Republic die YA-10. 1973 wurde der Fairchild-Entwurf ausgewählt, und das nach dem für seine Robustheit berühmten Jagdflugzeug Republic P-47 aus dem Zweiten Weltkrieg Thunderbolt II genannte Modell ging 1976 in Dienst.

Bodenpersonal lädt die 30-mm-Kanone GAU-8 einer A-10 während Operation Desert Storm.
Bodenpersonal lädt die 30-mm-Kanone GAU-8 einer A-10 während Operation Desert Storm. (Foto: U.S. Air Force)

Die A-10 wurde quasi um die GAU-8 mit 1.174 Schuss Munition herumgebaut und konsequent auf den front- und bodennahen Einsatz mit niedriger Geschwindigkeit optimiert. Cockpit und Teile des Steuerungssystem wurden mit einer Titanwanne gegen Direkttreffer vom Kaliber 23 mm geschützt und wichtige Bauteile redundant ausgelegt. Die weit auseinanderliegenden beiden Mantelstromtriebwerke oben am Hinterrumpf sollten ein schwieriges Ziel für infrarotgelenkte Boden-Luft-Flugkörper sein, auch dadurch, dass vom Boden aus mindestes immer eines von Tragflächen oder Leitwerk verdeckt wurde.

Erster Scharfer Einsatz am Golf

Sie wurde insbesondere in Großbritannien und im NATO-Frontstaat Westdeutschland, aber auch an anderen Fronten des Kalten Krieges wie Alaska und Südkorea stationiert. Bei der Abwehr der zahlenmäßig überlegenen Panzerverbände hätte sie eine Schlüsselrolle gespielt. Neben der Bordkanone, die einen Mix von 70 hochexplosiven und panzerbrechenden Geschossen mit einem Kern aus abgereichertem Uran pro Sekunde verschießen konnte, war ihre Hauptwaffe der Luft-Boden-Lenkflugkörper AGM-65 Maverick mit elektro-optischem Suchkopf. Das Flugzeug konnte aber auch Behälter mit ungelenkten Raketen, konventionelle, Lenk- und Streubomben tragen.

Erstmals zum scharfen Einsatz kam die A-10A ebenfalls am Persischen Golf während der Operation Desert Storm zur Befreiung Kuwaits von irakischer Besetzung 1991. Auch während der NATO-Interventionen auf dem Balkan, in Afghanistan und im nächsten Irakkrieg ab 2003 leistete die Thunderbolt gern gesehene Luftunterstützung für Bodentruppen. Besonders der Sound und die Wirkung ihrer Bordkanone verschafften ihr eine große Fangemeinde, obwohl der Einsatz ihrer abgereicherten Uranmunition auch stark kritisiert wurde.

Die USAF wird das Warzenschwein nicht los

Die U.S. Air Force wollte den Typ eigentlich bereits ab den 1980er Jahren mit einer Luftnahunterstützungsversion des Überschallflugzeugs F-16 ersetzen, gab dies aber nach dem ersten erfolgreichen Einsatz im Irak und wegen Problemen beim vorgesehenen Ersatzmodell auf. Unter anderem verursachte die Integration einer kleineren Version der GAU-8 in einem externen Waffenbehälter zu starke Vibrationen. Seither hat die USAF immer wieder versucht, die „unsexy“ langsame und unkomplizierte A-10 loszuwerden, wurde aber nicht zuletzt vom US-Kongress wiederholt zur Weiternutzung gezwungen.

Einige Maschinen wurden unter der Bezeichnung OA-10A zur vorgeschobenen Luftraumbeobachtung eingesetzt, ohne dass Umbauten vorgenommen wurden. Zwischen 2005 und 2011 wurde die gesamte verbleibende Flotte von 356 Flugzeugen auf den Standard A-10C mit verbesserter Elektronik hochgerüstet – die Version A-10B war ein einzelner zweisitziger Prototyp für Allwettereinsätze. Zum Arsenal gehören nun auch lasergelenkte 70-mm-Raketen APKWS, die etwa gegen Drohnen und andere kleine, schnellbewegliche Ziele eingesetzt werden können.

Die Abwehr von Drohnen ist eine weitere Mission, die für die A-10C diskutiert wurde und möglicherweise nun angesichts der Bedrohung durch iranische Drohnen erstmals praktisch umgesetzt wird. Gegenwärtig will die USAF die letzten Maschinen bis 2028/29 außer Dienst stellen und durch die F-35 ersetzen. Der Kongress hat aber zur Bedingung gemacht, dass dafür die vollständige Eignung des neuen Modells zur Luftnahunterstützung demonstriert wird. Der neue Einsatz am Golf wird die Fans des „Warzenschweins“ wohl mit neuen Argumenten versorgen, den Typ weiter zu betreiben.

Stefan Axel Boes

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