„Amateurs talk strategy – professionals talk logistics“ (Omar Bradley, US-General)

Mobile Tankeinrichtung während einer Logistikübung. (Foto © Bw)
Mobile Tankeinrichtung während einer Logistikübung. (Foto © Bw)

Oder: Was bedeutet eigentlich das „U“ in FAWU?

Die planungsleitende Vorgabe für die Fähigkeitsentwicklung der Bundeswehr ist grundsätzlich die Sicht aus den vier Fähigkeitsdomänen Führung, Aufklärung, Wirkung und Unterstützung (FAWU).

Im Verantwortungsbereich des Heeres sind die Soldatinnen und Soldaten der Domäne Unterstützung für die Sicherstellung der materiellen Einsatz- und Durchhaltefähigkeit der Kräfte des Heeres verantwortlich. Im Amt für Heeresentwicklung ist die Domäne Unterstützung als Sachgebiet in der Abteilung I im Bereich „Grundlagen Konzeption/Führung“ verortet und hier für die konzeptionelle Weiterentwicklung und Erarbeitung von Grundlagen verantwortlich. Des Weiteren wird ein wesentlicher Teilbereich der inhaltlichen Ausgestaltung der Fähigkeiten in der Domäne in der Truppengattungsgruppe der Heereslogistiktruppen in der Abteilung III bearbeitet.

Die Aufgabenbereiche

Die Aufgabenbereiche der Unterstützung sind vielfältig und gehen deutlich über die reine Logistik hinaus. So beschäftigt sich das Sachgebiet mit den Bereichen logistische Unterstützung und Sonderaufgaben, Mobilität Land sowie Operativer Schutz inklusive sonstiger Schutzaufgaben. Zu letzterem gehören auch die ABC-Abwehr sowie der militärische Brandschutz. Im Folgenden wird beispielhaft ein Auszug aktueller Handlungsfelder in der Domäne Unterstützung dargestellt.

Ein wichtiges Element des konzeptionellen Anteils der Arbeit stellt gegenwärtig die Anpassung der logistischen Kräfte des Heeres und des entsprechenden logistischen Systems an die Rahmenbedingungen, welche die Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung mit sich bringt, dar. Dabei stehen neben der reinen materiellen Ausstattung auch Strukturen, Prozesse, Verfahrensweisen und Zusammenarbeitsbeziehungen auf dem Prüfstand. Als Meilensteine sind hier beispielsweise der Workshop sowie das logistische Planspiel der mittleren Kräfte zu nennen. Ziel der beiden Veranstaltungen war es, das Konzept der mittleren Kräfte in Bezug auf die Einsatzunterstützung zu verfeinern und somit ihre Durchhaltefähigkeit sicherzustellen. Die Neuaufstellung dieser Kräftekategorie mit ihrer speziellen Kampfweise bedarf entsprechender Ableitungen und sachgerechter Folgerungen für Ausgestaltung und Einsatz der logistischen Kräfte auf allen Ebenen.

Des Weiteren findet derzeit eine Untersuchung der Kriegstauglichkeit des Logistischen Systems der Bundeswehr mit besonderem Fokus auf die Instandhaltung von Landsystemen unter Federführung des Bundesministeriums der Verteidigung statt. Die Arbeitsgruppe Instandhaltung Landsysteme führt dazu unter Federführung des Planungsamtes der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Logistikkommando der Bundeswehr und den Organisationsbereichen eine Simulation der Instandhaltung in der Domäne Land durch, um die Instandsetzungskräfte zukünftig noch gewinnbringender einzusetzen. Neben diesen grundlegenden konzeptionellen Arbeiten muss natürlich auch die zielgerichtete und zeitgerechte materielle Ausstattung innerhalb der Domäne Unterstützung sichergestellt werden. Sie richtet sich an den notwendigen Fähigkeiten aus, welche im Wesentlichen aus den Zielvorgaben einer nationalen Ambition, dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr und Fähigkeitsforderungen der NATO abzuleiten sind.

Projekte

Mobilität und Transport

Im Bereich der Mobilität und des Transports stellt beispielhaft das Wechselladersystem MULTI Lkw 15 t als das bewährte Transportfahrzeug der Bundeswehr ein wichtiges Standbein dar. Bruchfrei und umschlagsarm können Versorgungsgüter mit diesem Fahrzeug dank eines flexiblen Wechselladesystems von Fahrzeug zu Fahrzeug über verschiedene logistische Einrichtungen bis in die Stellung übergeben werden. Viele dieser Fahrzeuge erreichen nun fast gleichzeitig das Ende ihrer Nutzungsdauer. Der Rückgriff auf Fahrzeuge mit fest verbauter Ladepritsche würde zu einem Verlust der Stetigkeit in den logistischen Versorgungsketten führen, womit ein zusätzlicher Zeit-, Material- und Personalaufwand einherginge. Um dieses zu vermeiden, wurden daher entsprechende Ersatzbeschaffungen und eine quantitative Erhöhung der Beschaffungszahlen eingeleitet.

Energieversorgung

Die Energieversorgung ist ein weiteres Handlungsfeld der Unterstützung. Neue Aufgaben und die fortschreitende technologische Entwicklung generieren einen zunehmend ansteigenden Energiebedarf, sodass dieses Themenfeld enorm an Bedeutung gewinnt. Stromerzeugeraggregate (SEA), die seit 1985 in die Bundeswehr eingeführt und 2006 ergänzt wurden, erreichen in diesem Jahrzehnt ihr Nutzungsdauerende und sind zu ersetzen. Das Heer benötigt deshalb dringend neue. Diese müssen einerseits die komplexen Forderungen erfüllen von der Nutzbarkeit unter verschiedenen Klimabedingungen über die Erfüllung von NATO-Forderungen bis hin zu den unterschiedlichen Anforderungen der Truppengattungen in Bezug auf

  • Dislozierung,
  • autarken Einsatz und
  • individuellen Energiebedarf.

Dabei ist die Interoperabilität mit NATO-Partnern, wie beispielsweise den Niederlanden, die diesbezüglich in sämtliche Prozesse mit einbezogen werden, gleichermaßen entscheidend wie das Erfüllen der NATO-Forderung, standardisierten Kraftstoff und Schlechtkraftstoffe verwenden zu können. Zudem müssen die zu beschaffenden Aggregate möglichst zeitnah zur Verfügung stehen.

Logistische Sonderaufgaben

Das Themenfeld Logistische Sonderaufgaben fasst, wie der Name schon sagt, besondere Aufgaben zusammen und ordnet diese der Domäne Unterstützung zu. Hierunter fallen z. B. die Projekte „Bewegliche Unterbringung im Einsatz“ und die „Feldküche“. Ersteres stellt notwendige Funktionalitäten wie Unterkunft, Verpflegung sowie Hygiene- und Sanitäreinrichtungen für einen beweglichen, nahezu weltweiten Einsatz und unabhängig von jeglicher Infrastruktur für einen Zeitraum von bis zu mehreren Wochen bereit. Für das Projekt wurde 2021 ein Rahmenvertrag mit der Firma Kärcher Futuretech abgeschlossen. Bereits in den Jahren 2022 und 2024 konnten die ersten beiden Lose der Systeme an das Heer ausgeliefert werden. Bis 2028 sind weitere Zuläufe vorgesehen. Derzeit sind in weiteren Ausbaustufen Produktverbesserungen und -änderungen vorgesehen.

Von Oberstleutnant Anne-Katharina Hölz, Amt für Heeresentwicklung

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 4/25 des HHK!

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