Ausrichtung der Infanterie im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung

Nebel der Ungewissheit: Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 233 auf dem Truppenübungsplatz Lehnin. (©Bw/Sebastian Krämer)
Nebel der Ungewissheit: Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 233 auf dem Truppenübungsplatz Lehnin. (©Bw/Sebastian Krämer)

„Der Krieg ist das Gebiet der Ungewissheit; drei Vierteile derjenigen Dinge, worauf das Handeln im Kriege gebaut wird, liegen im Nebel einer mehr oder weniger großen Ungewissheit.“

Nach Carl von Clausewitz lag jahrhundertelang das Gefechtsfeld im „Nebel der Ungewissheit“, sodass Informationen, die für Entscheidungen von elementarer Bedeutung waren, unvollständig, falsch oder einfach nicht zur Verfügung standen. Eine Gewissheit über die tatsächliche Art und Stärke des Feindes, seiner Position sowie der eigenen Truppe lagen somit nicht in letzter Konsequenz dem militärischen Entscheidungspersonal vor.

Das Gefechtsfeld der Zukunft wird hingegen perspektivisch durch eine wesentlich höhere Anzahl an Sensoren und Effektoren in allen Dimensionen geprägt sein. Mit zunehmender Nähe zur Hauptkampfzone wird das Gefechtsfeld transparenter bis hin zu vollständig gläsern. In diesem Raum entstehen eigene und gegnerische „Schutzglocken“, die sich teilweise überlappen und das jeweilige Agieren der Kräfte deutlich einschränken. Dieser neuen Form der Gefechtsführung kann nur begegnet werden, indem eine eigene Schutzglocke aus einem  Mix von kinetischen und nicht kinetischen Mitteln angefangen beim Plattformschutz bis hin zur Fähigkeit zum Elektronischen Kampf und Flugabwehr etabliert wird.

Im Kontext dieser Parameter ist es notwendig, dass in diesem Bereich eigenen Kräften das Operieren ermöglicht wird, um die gegnerische Schutzglocke anzugreifen und zu stören. Der Kampf wird daher zukünftig davon bestimmt werden, wer in der Lage ist, seine eigene Truppe bestmöglich zu schützen und die mehrdimensionale Schutzglocke des Gegners zu durchdringen, um in einem folgenden klassischen Gefecht die Wirkungsüberlegenheit zu erlangen.

In diesem hochintensiven und multidimensionalen Gefecht ist das Erreichen, Gewinnen, Nehmen, Halten und Beherrschen von Geländeabschnitten unverändert Wesensmerkmal der Jäger-, Fallschirmjäger- und Gebirgsjägertruppe. In letzter Konsequenz wird die Entscheidung auf dem Gefechtsfeld durch die Infanterie in der Hauptkampfzone und somit im Überlappungsbereich der beiden Schutzglocken herbeigeführt.

Kräftekategorie der Mittleren Kräfte

Mit der bereits begonnenen Umgliederung der drei Jägerbataillone der Panzerbrigade 21 hat der Fähigkeitsaufbau zur Kategorie der Mittleren Kräfte begonnen. Die Jägertruppe ist zukünftig schnell, flexibel und durchsetzungsfähig gegen alle feindlichen Kräftekategorien und in überdehnten Räumen einzusetzen. Die Gefechtsart der Verzögerung, Angriffe im Nebenstoß oder in den Rücken des Feindes sowie der Einsatz als Rear Area Task Force sind Kern des zukünftigen Aufgabenportfolios. Das System Brigade wird dabei im Rahmen der Fähigkeitsentwicklung als handlungsleitend betrachtet, um ein Höchstmaß an Flexibilität, Agilität und Durchsetzungsfähigkeit zu generieren. Mittlere Kräfte werden somit grundsätzlich als radbewegliches, abstands- und durchsetzungsfähiges Kräftedispositiv mit hoher taktischer und operativer Vielseitigkeit eingesetzt. Als „operativer Türkeil“ sind Mittlere Kräfte dabei im Rahmen einer Anfangsoperation (in einem Szenario Landes- und Bündnisverteidigung) in der Lage, auch in überdehnten Räumen und im durchschnittenen Gelände gegen mechanisierte Kräfte zu bestehen.

Dazu ist eine Abstandsfähigkeit und Ausnutzung des Reichweitenüberhangs mit den schon vorhandenen beziehungsweise in naher Zukunft verfügbaren Effektoren sowie dem Einsatz der streitkräftegemeinsamen taktischen Feuerunterstützung von essenzieller Bedeutung. Eine Verzahnung mit dem Feind ist wo immer möglich zu vermeiden und das Gefecht beweglich zu führen, um dem Feind den eigenen Willen aufzuzwingen und ihn zum Handeln außerhalb seiner etablierten Führungsgrundsätze beziehungsweise seiner Doktrin zu zwingen.

Von Oberstleutnant i. G. Marcus Sven Christoph und
Oberstleutnant i. G. Martin Spensberger, Amt für Heeresentwicklung

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 1/26 des HHK!

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