Das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr

B-Aufklärungsteam des Instituts im Schutzanzug vor dem Einsatz.  (Foto © Bw)
B-Aufklärungsteam des Instituts im Schutzanzug vor dem Einsatz.  (Foto © Bw)

An vorderster Front  gegen unsichtbare Bedrohungen

Ein ruhiger Abend im multinationalen Feldlager wird jäh unterbrochen: Zahlreiche Soldatinnen und Soldaten klagen plötzlich über hohes Fieber, Durchfall und Erbrechen. Die Bettenstation ist schnell überfüllt, erste Patienten reagieren nicht auf die verabreichten Antibiotika.

Als sich das Ausbruchsgeschehen rasch auf weitere Teile des Lagers ausdehnt und Tests im Labor der Sanitätskräfte vor Ort ungewöhnliche Ergebnisse zeigen, liegt der Verdacht nahe: ein gezielter Angriff mit einem biologischen Kampfstoff. Spuren am Rande des Trinkwassersystems deuten auf Sabotage hin. Noch in derselben Nacht fordern die Verantwortlichen ein Rapidly Deployable Outbreak Investigation Team (RDOIT) des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (IMB) an, um die Ursache des Ausbruchs zu untersuchen.

Binnen 24 Stunden treffen die Spezialistinnen und Spezialisten im Einsatzgebiet ein und errichten ein mobiles Labor. Die ersten Untersuchungen weisen auf ein Bakterium hin, das normalerweise mit Antibiotika gut behandelbar ist. Doch in diesem Fall zeigen die Erkrankten keine Besserung. Das RDOIT führt umgehend eine Genomsequenzierung direkt im mobilen Labor durch und macht eine alarmierende Entdeckung: Der Erreger wurde genetisch verändert, sodass er gegenüber mehreren Standardantibiotika resistent ist.

Diese Information ermöglicht die sofortige Anpassung der Behandlung auf ein wirksames Reserveantibiotikum. Gleichzeitig werden durch das Investigation Team verschiedene Proben von Patienten, aus dem Wasser und der Umwelt gesichert. Eine umfangreiche bioforensische Untersuchung am IMB in München beginnt, um Herkunft und Art der Manipulation detailliert zu analysieren. Der schnelle Nachweis und die spezialisierten Fähigkeiten des RDOIT verhindern eine weitere Ausbreitung des biologischen Angriffs und sichern wichtige Beweise für nachfolgende Ermittlungen.

Mobiles B-Labor: Hightech für den Ernstfall

Was hier wie ein Drehbuch aus einem Thriller wirkt, gehört für das Institut zum realistischen Einsatzspektrum. Als Teil der Taskforce Medizinischer ABC-Schutz der Bundeswehr können Teams des Instituts weltweit in kürzester Zeit verlegt werden – sogar präventiv schon beim Verdacht auf einen ungewöhnlichen Krankheitsausbruch. Kernstück ist ein modulares, schnell verlegbares Feldlabor, das bereits 2008 vom Institut konzipiert und erstmals bei einem Ausbruch des Krim-Kongo-Fiebers im Kosovo erprobt wurde. Die mobile Laboreinheit umfasst rund 25 robuste Transportkisten, Kühlgeräte und einen am Institut für Mikrobiologie entwickelten, faltbaren Handschuhkasten (Glovebox) zur sicheren Bearbeitung infektiöser Proben. Dank der Einhaltung internationaler Vorgaben kann die Ausrüstung auch per Linienflugzeug in zwei Tagen ans andere Ende der Welt gebracht werden. Vor Ort bietet das Team weit mehr als nur einfache Probennahme: Durch die Modularisierung der Laborausstattung können je nach Auftrag fachliche Beratung, forensische Probennahme und Beweissicherung (auch unter militärischer Bedrohung und in kontaminierter Umgebung) und vor allem eine Vor-Ort-Diagnostik abgebildet werden. Methoden wie Echtzeit-PCR, Sequenzierung, ELISA-Tests (Anm. Red.: Enzyme-linked Immunosorbent Assay) und Mikroskopie stehen mobil bereit.

So lassen sich binnen kürzester Zeit selbst seltene Erreger oder Toxine mit hoher Empfindlichkeit sicher nachweisen und ein Lagebild erstellen. Im Ernstfall arbeitet die mobile B-Aufklärung eng im Verbund mit Kräften der ABC-Abwehr und gegebenenfalls der Kampfmittelabwehr. Die gewonnenen Ergebnisse des Feldlabors dienen dabei als erste Entscheidungsgrundlage, ob eine biologische Gefährdung vorliegt.

Vom Autorenteam des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 1/26 des HHK!

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