Die Bedeutung der Divisionstruppen für die Operationsführung der Division

Digital führungsfähig: Soldaten des Fernmeldebataillons 10 (Veitshöchheim) betreiben einen mobilen Fernmeldeknoten mit Hochfrequenz-Richtfunk, damit die Gefechtsstände der 10. Panzerdivision und ihrer Brigaden untereinander kommunizieren können. (Foto © Fernmeldebataillon 10)
Digital führungsfähig: Soldaten des Fernmeldebataillons 10 (Veitshöchheim) betreiben einen mobilen Fernmeldeknoten mit Hochfrequenz-Richtfunk, damit die Gefechtsstände der 10. Panzerdivision und ihrer Brigaden untereinander kommunizieren können. (Foto © Fernmeldebataillon 10)

Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich das sicherheitspolitische Umfeld Europas grundlegend verändert. Für die Bundeswehr heißt dies, dass Landes- und Bündnisverteidigung wieder ins Zentrum der Streitkräfteplanung rücken.

In diesem Kontext gewinnt für die Landstreitkräfte die Fähigkeit zur Operationsführung auf Divisionsebene  eine zentrale Bedeutung als Voraussetzung für glaubwürdige Abschreckung und wirksame Verteidigung im Rahmen der NATO. Die 10. Panzerdivision, deren Stab im unterfränkischen Veitshöchheim sitzt, wurde als sichtbares Zeichen dieser Refokussierung seit 2022 für ihren Auftrag als „Division 2025“ mit entsprechend hoher Einsatzbereitschaft an der NATO-Ostflanke neu strukturiert.

Dieser Umbau bedeutete für die Division unter anderem die Eingliederung weiterer Brigaden: die niederländische 13. Lichte Brigade aus Oirschot seit April 2023 sowie die neu aufgestellte Panzerbrigade 45 in Litauen seit April 2025, die Stärkung und Aufstockung der Divisionstruppen, das Schärfen der Fähigkeiten der Division durch multinationale Übungen, so zum Beispiel durch die Teilnahme an der „Warfighter“-Übungsserie der U.S. Army 2025 bis 2026 in Grafenwöhr. Damit ist die Division nicht nur in Bezug auf die unterstellten Brigaden wirksamer und flexibler, sie ist in der Lage, eigenständig mit neuen beziehungsweise erhöhten Fähigkeiten der Divisionstruppen im Verantwortungsraum zu wirken. Dies geschieht durch das Verstärken der Brigaden, um deren Einsatzwert zu erhöhen beziehungsweise Schwerpunkte zu bilden, oder um Schlüsselelemente des Gegners in der Tiefe des Raumes gezielt zu bekämpfen.

Die Divisionstruppen in der modernen Operationsführung

In modernen Landoperationen spielt die Einteilung des Gefechtsfeldes (Raumordnung/Battlespace Framework) in unterschiedliche Zonen eine wichtige Rolle in der Abgrenzung von Verantwortlichkeiten und Truppenführung. Denn „Truppenführer strukturieren im Allgemeinen ihre Operationen nach dem Raum (Geographic Framework). Dazu unterscheiden sie zwischen Operationen in der Tiefe (Deep Operations), unmittelbaren Operationen (Close Operations) und Operationen im rückwärtigen Raum (Rear Operations)“, so das NATO-Dokument „Conduct of Land Tactical Operations”.

Die Divisionstruppen tragen dabei wesentlich zur Abnutzung, Verzögerung und Lenkung des Gegners (Shaping Actions), Zerschlagung des Gegners, Erhöhung des Einsatzwertes eigener Kräfte (Decisive Actions) und Sicherstellung der eigenen Durchhaltefähigkeit (Sustaining Actions) bei. Ohne voll ausgestattete Divisionstruppen ist eine Division nicht mehr als die Summe ihrer Brigaden. Eine auch über einen längeren Zeitraum durchsetzungs und durchhaltefähige Operationsführung im gesamten Verantwortungsbereich gegen einen Gegner mit vergleichbaren Fähigkeiten ist damit nicht möglich, der Gesamterfolg fraglich.

Divisionstruppen als Voraussetzung für eine einsatzbereite Warfighting Division

Im aktuellen Landkriegsbild des Heeres ist die Division die Ebene, die über den gesamten Operationsraum mit seinen spezifischen Zonen hinweg ganzheitlich alle nationalen landbasierten Fähigkeiten integriert und zudem landzentrierte nationale und multinationale Effekte synchronisiert. Divisionstruppen umfassen jene Kräfte, die nicht in die originären, der Division unterstellten Brigaden integriert sind, sondern der Division direkt unterstellt sind und dabei in den Domänen Führung, Aufklärung, Wirkung und Unterstützung für die gesamte Division, also auch für die Brigaden verstärkende und ergänzende Fähigkeiten bereitstellen.

Gegenwärtig umfassen die integrierten Divisionstruppen der 10. Panzerdivision:

  • Fernmelde- und Führungsunterstützungstruppen zur Aufrechterhaltung robuster, geschützter
    Kommunikationsverbindungen über große Entfernungen und in komplexen elektromagnetischen Lagen,
  • Artillerieeinheiten zur räumlichen Feuerüberlegenheit und insbesondere
    für Wirkungsmöglichkeiten in der Tiefe des Raumes,
  • Aufklärungseinheiten für ein umfassendes Lagebild in Echtzeit
    und die Unterstützung von Zielaufklärung,
  • Pionierkräfte, die Mobilität sicherstellen, Hindernisse überwinden und Verteidigungsanlagen errichten,
    dabei den Schutz der eigenen Kräfte verbessern (wichtiger Beitrag zur Force Protection im Gefecht),
  • Logistische Kräfte, die Versorgung, Instandsetzung und Transport sicherstellen,
  • Sicherungseinheiten zur Sicherung des Divisionsgefechtsstands.

Diese Kräfte wirken sich im gesamten Operationsraum der Division mit seinen spezifischen Charakteristika aus. Hierbei werden sie durch Fähigkeiten, die derzeit durch andere Organisationsbereiche bereitgestellt werden, in Form ergänzender Divisionstruppen verstärkt. Auf diese wird hier nicht näher eingegangen.

Shape the Deep

Die Deep Area ist der Raum, in dem die Kampftruppe nicht im direkten Kampf mit dem Gegner steht. Er beginnt mehrere Kilometer vor der Forward Line of Own Troops und erstreckt sich abhängig von der Reichweite der eigenen Aufklärungs- und Wirksysteme weit in die Tiefe des gegnerischen Gefechtsfeldes. Hier wird der Kampf im Schwerpunkt durch die Kräfte des Divisionsaufklärungs- und Divisionsartilleriebataillons geführt, um Feind bereits in der Tiefe aufzuklären und anschließend zu verzögern, abzunutzen oder zu zerschlagen.

Von Oberstleutnant Konrad H. Herborn, Stab 10. Panzerdivision

Den kompletten Artikel lesen Sie in Ausgabe 5/25 des HHK!

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