Kriegstüchtigkeit und Sicherheit in der Luftfahrt – kein Widerspruch
Spätestens der völkerrechtswidrige Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine hat den Krieg für alle sichtbar nach Europa zurückgebracht. Zur glaubhaften Abschreckung weiterer Aggressionen sowie zur Wahrung des Friedens in Freiheit und Sicherheit ist die Erlangung der Kriegstüchtigkeit im gesamten westlichen Bündnis, aber auch auf nationaler Ebene das erklärte Gebot der Stunde.
Drei Szenarien des zukünftigen Kriegsbildes:
- Es herrscht noch Frieden in Deutschland, allerdings bereits mit Elementen hybrider Kriegsführung,
- währendes an der Grenze des Bündnisgebietes oder auch fernab des Bündnisgebietes zu hochintensiven Gefechten kommt.
- Zusätzlich sind Mischformen in sogenannten rückwärtigen Gebieten an der Tagesordnung. Diese werden geprägt durch den Übergang einer zivilen Luftraumstruktur in eine militärische Luftraumordnung.
Das Denken in diesen drei unterschiedlichen Szenarien des zukünftigen Kriegsbildes stellt Anforderungen an das Wirken des Luftfahrtamtes der Bundeswehr (LufABw) in der Dimension Luft.
Luftfahrtamt der Bundeswehr als Enabler
Im Zuge der Zeitenwende agiert das LufABw mit größtmöglicher Flexibilität und Augenmaß, um allen drei Szenarien gerecht zu werden: Wahrung der Sicherheit im Luftraum und gleichzeitig bestmögliche und verzugslose Unterstützung des operationellen Bedarfs für die Dimension Luft. In diesem insgesamt hochdynamischen technologischen wie regulatorischen Themenfeld mit immer schnelleren Innovationszyklen ist das Amt ein verlässlicher Partner der bemannten wie unbemannten militärischen Luftfahrt. Dazu steht es im Frieden wie in Krise und Krieg an der Seite aller nationalen und internationalen Betreiber.
Um auch für die Zukunft gewappnet zu sein, ist das Luftfahrtamt sehr eng vernetzt mit allen relevanten Organisationen und Behörden (NATO, EDA, EASA, LBA etc.) und steht im regen Austausch mit den Teilstreitkräften, Organisationsbereichen und weiteren Dienststellen der Bundeswehr. Dazu gehört auch die Beratung des Ministeriums.
Die Drohne – ein dynamisches Zukunftsthema
Das Gefechtsfeld wird zunehmend von den technologischen Entwicklungen im Bereich unbemannter Luftfahrzeugsysteme dominiert. Diese Systeme bestehen aus einem Kontrollelement und dem eigentlichen fliegenden System, man spricht auch häufig von Drohnen. Mit vergleichsweise geringem Kostenaufwand und unter weitgehender Schonung eigener Kräfte kann der Gegner auf bisher nie dagewesene Weise innerhalb kürzester Zeit aufgeklärt und bekämpft werden.
Abwürfe von Spreng- und Brandmitteln, aber auch Kamikazepräzisionsangriffe auf Weichziele, Panzer und Infrastrukturen sind regelmäßige Einsatzarten. Darüber hinaus finden Rammstöße und vereinzelt auch Schusswaffenauslösungen Anwendung in Luftkämpfen „Drohne gegen Drohnen“. Angesichts der zunehmenden Bedrohungslage wird der begonnene Aufbau einer eigenen Drohnenabwehr der Bundeswehr zum Schutz eigener Einrichtungen, Kasernen und kritischer Infrastruktur, aber auch auf dem Gefechtsfeld weiter fortgeführt. Gleichzeitig unterstützt das LufABw den weiteren Aufwuchs eigener unbemannter Fähigkeiten bestmöglich.
Dazu zählt auch die frühe Einbindung des Amtes in die umfangreichen Beschaffungsmaßnahmen von größtenteils marktverfügbaren, aber auch rein militärischen unbemannten Luftfahrzeugsystemen. Der Aufbau einer sogenannten Drohnen Awareness hat bereits begonnen und schärft die Verhaltens- und Handlungssicherheit der eigenen Truppe auf Einzelschützenebene. Das Luftfahrtamt hat hier die Jedermann-Bedienerausbildung UAS vorgeschlagen, die Umsetzung läuft gerade an.
Die technologischen Möglichkeiten der Weiterentwicklung zur Deckung operationeller Bedarfe scheinen hierbei für alle Akteure nahezu grenzenlos und hoch dynamisch. In der Dimension Luft wird schon heute am Zusammenwirken von bemannten sowie unbemannten Luftfahrzeugsystemen, dem sogenannten Manned-Unmanned Teaming (MUM-T) gearbeitet. MUM-T meint die Interoperabilität von bemannten und unbemannten Plattformen zur Verfolgung eines gemeinsamen Missionsziels. Neben einer beliebigen Anzahl von bemannten beziehungsweise unbemannten Plattformen kann MUM-T auch die Aspekte Schwarmoperation sowie Formationsflug aufweisen.

