Zum Abschluss der Experimentalserie Land 2026 auf dem Truppenübungsplatz Bergen haben Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius und der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, am gestrigen Donnerstag die Aufstellung eines ersten Drohnenregiments der Bundeswehr im kommenden Jahr angekündigt. Der Verband soll Teil der Divisionstruppen der Division 2025 werden, die wesentlich von der 10. Panzerdivision gebildet wird, und autonome Land- und Luftsysteme in einem Entfernungsbereich bis 500 Kilometer einsetzen. Dabei soll er die Fähigkeiten zum Aufklären und Wirken mit eigenen und dem Abfangen gegnerischer Systeme bündeln und auch über eine eigene Kompanie für den elektromagnetischen Kampf verfügen.
Für die Erstbefähigung 2027 ist eine Stärke von 300, als Ziel von 600 Soldatinnen und Soldaten vorgesehen. Über die Stationierung ist noch nicht entschieden. Wenn sich das Konzept bewähre, solle es auch in den anderen Divisionen des Heeres etabliert werden, so Generalleutnant Freuding. Er erläuterte dazu, dass man bei der künftigen Landkriegführung von völlig anderen Parametern spreche. 500 Kilometer werde die Tiefe sein, in der eine Division wirken können müsse – wobei er zugleich überzeugt sei, dass das weder das letzte Wort aus der Perspektive der Taktik noch aus derjenigen der technologischen Entwicklung sei. Doch sei dies zunächst der Anhalt für den Einstieg in das Regiment, mit dem dem Divisionskommando ein mächtiges Schwert in die Hand gegeben werde.
Enge Kooperation von Heer und Industrieseite bei Experimentalserie
Im Zusammenwirken mit modernisierten gepanzerten Landsystemen würden dann anders als zuletzt in der Ukraine auch wieder bewegliche Operationen denkbar. Diese würden allerdings nicht mehr so aussehen, wie man es aus den letzten 20 bis 30 Jahren kenne. Neben dem Drohnenregiment verfolge man auch den Weg weiter, unbemannte Systeme tief in die Strukturen von Einheiten und Verbänden zu integrieren und habe entschiede, in diesem und dem kommenden Jahr mit dem Aufbau in der Jäger-, Aufklärungs- und Panzertruppe zu beginnen. Mit dem Regiment auf Divisionsebene werde dieser Rahmen erweitert. Freuding zeigte sich überzeugt, dass beide Wege erfolgversprechend seien und es der Bundeswehr ermöglichen würden, noch einmal deutlich Geschwindigkeit beim unbemannten Kampf zu gewinnen.

Bei der diesjährigen Experimentalserie Land hat das Heer im enger Kooperation mit Anbietern neue, insbesondere unbemannte Systeme und vor allem deren Integration untereinander und mit bemannten Systemen erprobt. Insgesamt gab es etwa 680 Beteiligte, davon etwa die Hälfte Soldatinnen und Soldaten aus allen Bereichen der Truppe. Diese erlernten teilweise innerhalb von zwei Wochen den Umgang mit den neuen Systemen. Die Industrieseite passte diese aufgrund von Rückmeldungen zu Fähigkeiten, Bedienbarkeit, Störsicherheit und Integrationsanforderungen wenn möglich noch während der Serie an.
Zu den Testobjekten gehörten unter anderem die unbemannten Bodenfahrzeuge ARX Gereon und Wolf G1 sowie eine optional bemannte Ausführung des Rheinmetall Hermelin mit fernbedienter Waffenstation und zahlreiche fliegende Drohnen bis hin zum MEDEVAC-System Avilus Grille mit Elektro- und Transportmodellen von Flowcopter mit Verbrennungsantrieb. Bei seinem Besuch zum Abschluss der Erprobungen wurden Minister Pistorius etwa das Zusammenwirken von Drohnenschwärmen, von Drohnen abgesetzten Mitteln der elektronischen Kampfführung, unbemannten Waffenträgern und dem Schützenpanzer Puma, die Verladung von unbemannten Boden- in Luftsysteme und umgekehrt von Lasten aus der Luft auf Bodenfahrzeuge demonstriert.
Stefan Axel Boes
