Die neue Generation von Gefechtsständen für landbasierte Operationen
Seit mehr als drei Jahren führt der Krieg in der Ukraine der deutschen Verteidigungspolitik deutlich vor Augen, auf welche Herausforderungen sich die Bundeswehr im Zuge der Fokussierung auf Landes- und Bündnisverteidigung zukünftig einstellen muss.
Mit gezielten Investitionen und eindeutiger Prioritätensetzung investiert die Bundeswehr daher in die Führungsorganisation und Führungsfähigkeit, um der wachsenden Bedrohung aus Russland schnellstmöglich begegnen zu können. Ziel ist es, die Truppenführung zu verbessern. Insbesondere die bisher sehr intensiv genutzte Gefechtsstandtechnik wird auf modernsten Standard gebracht. Dafür wurde das Projekt „Gefechtsstände für landbasierte Operationen“ initiiert, um die vorhandenen Gefechtsstände inklusive der dazugehörenden Informationstechnik durch moderne und digitalisierte Gefechtsstände zu ersetzen.
Gefechtsstände 2.0: Von der Vielfalt zur Standardisierung
Die hohen Anforderungen an moderne Führung im Gefecht, gepaart mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gefechtsstandkonzepte innerhalb der Bundeswehr, stellten das 2020 eingerichtete Integrierte Projektteam vor eine Mammutaufgabe. Das Integrierte Projektteam, eine Kooperation zwischen dem Planungsamt der Bundeswehr (PlgABw) und dem Kommando Cyber- und Informationsraum, erhielt den ministeriellen Auftrag, ein einheitliches Konzept für landbasierte Gefechtsstände zu entwickeln. Als einzige Dienststelle unterhalb des BMVg verfügt das PlgABw über einen ganzheitlichen Blick auf die gesamte Bundeswehr. Eine entscheidende Voraussetzung, um übergreifende Fähigkeitslücken zu identifizieren und systemisch zu schließen. Das Amt verbindet dimensionsbezogene (Land, Luft/ Weltraum, See, Cyber/Informationsraum), domänenspezifische (Führung, Aufklärung, Wirkung, Unterstützung) und fähigkeitsspezifische Perspektiven zu einer konsistenten Gesamtbewertung.
Durch die Kooperation mit Vertretern aller militärischen Organisationsbereiche gelang es gemeinsam, innerhalb von nur sechs Monaten ein übergeordnetes Gefechtsstandkonzept zu erarbeiten, das mittlerweile durch Erkenntnisse aus Wargaming-Szenarien wie „Brigade 45“ weiter verfeinert wurde und voraussichtlich bis Ende des Jahres in die sogenannte Dokumentenlandschaft eingesteuert wird.
Als neutraler Sachwalter ohne operative Eigeninteressen verfolgt das Planungsamt das Ziel, die Entwicklung der Bundeswehr als Ganzes voranzutreiben. Es fungiert dabei als Bindeglied zwischen dem Bundesministerium der Verteidigung und den nachgeordneten Dienststellen und bündelt Anforderungen aus allen militärischen Organisationsbereichen, um gemeinsame Lösungen zu erarbeiten. Dieses koordinierende und konsolidierende Wirken ist zentral für die erfolgreiche Umsetzung komplexer Vorhaben wie „Gefechtsstände 2.0“.
Flexibilität durch Modularität und Standardisierung
Um die Vielfalt an unterschiedlichen Gefechtsstandvarianten in der Truppe zu bündeln und effizienter zu gestalten, setzt das Projekt auf einheitliche, modulare Bausteine. Statt zahlreicher individueller Lösungen werden künftig standardisierte Komponenten verwendet, wie etwa vorgefertigte Funktionscontainer oder einheitliche Führungsfahrzeuge. Diese können je nach Bedarf zusammengestellt und an verschiedene Einsatzlagen angepasst werden.

