Ein Kurzlehrgang am Swedish Armed Forces International Centre
Es war Sonntag, der 1. Juni 2025, als uns nach der Landung in Stockholm ein immer noch kühler Nordwind um die Nase blies. Das Wetter selbst, mit elf Grad und Nieselregen, ließ noch keinen baldigen Sommeranfang vermuten. Die nächtliche Helligkeit, an die man sich zugegebenermaßen etwas gewöhnen musste, jedoch schon.
Am Flughafen wartete nach Ankunft bereits Mikaela. Sie gehörte zum Team der Kursadministratorinnen und -administratoren vor Ort am Swedish Armed Forces International Centre (SWEDINT) und sorgte in vorbildlicher Art und Weise für den reibungslosen organisatorischen Ablauf rund um den NATO Land Tactical Planning Course (NLTPC) sowie die vielen weiteren Kursformate, die unter dem Dach des SWEDINT stattfinden. Am Montag erfolgte die Einschleusung für den Lehrgang genauso wie eine Vorstellungsrunde.
Während sich Peter, der Kursdirektor, die Lehrgangsteilnehmenden, die Leitenden genauso wie die Subject Matter Experts vorstellten, wurde zum ersten Mal das beeindruckende Maß an Internationalität dieses Lehrganges deutlich. Abgesehen von der Kurssprache Englisch, in der SWEDINT operiert, hatten die Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada, Großbritannien, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, Frankreich, Niederlande, Dänemark, Schweden, Finnland, Polen, Estland, Lettland, Litauen, Ukraine, Rumänien, Türkei und Deutschland allesamt Teilnehmende zu SWEDINT geschickt, um sich mit dem NATO-Planungsprozess der Landstreitkräfte zwei Wochen lang intensiv auseinanderzusetzen – entweder als Teilnehmende oder als Lehrpersonal.
Trotz dieser großen internationalen Ausbildungsgruppe und samt aller Herausforderungen, die damit verbunden waren, spiegelte sich in der Lehrgangsumsetzung das hohe Maß an angestrebter Professionalität wider. Bereitgestellte Laptops, zuvor eingerichtete Sharepoint-Seiten, tägliche IT-Unterstützung von Fachexperten, tägliche Auswertebögen, Fragestunden und Ähnliches waren ein zusätzliches Zeugnis des besonderen Anspruchs, mit dem SWEDINT und die vor Ort befindlichen Ausbilder des Allied Rapid Reaction Corps (ARCC) diesen Lehrgang umgesetzt haben.
Lehrgangsziel: Verständnis für taktischen NATO-Planungsprozess
Der Lehrgang selbst wurde mit folgendem Ziel definiert: „Preparing generic and functional tactical planners to better contribute to the NATO Tactical Planning Process for Land Forces, at either Component Command, Corps, Division or Brigade level.” In einfachen Worten und vor dem Hintergrund der Interoperabilität: Es geht bei dem Lehrgang um ein gewisses Verständnis in Bezug auf den standardisierten und somit in der Etablierung befindlichen einheitlichen taktischen NATO-Planungsprozess, damit zukünftige Kräfte, die in den entsprechenden Stäben eingesetzt werden können und sollen, einen besseren Beitrag zur Stabsarbeit leisten können. Grundlage hierfür ist die NATO-Vorschrift „Allied Procedural Publication 28“ (APP-28), die 2024 ratifiziert wurde, sowie ARCC-spezifische und den Planungsprozess begleitende Qualitätsmanagementprodukte.
Diese Inhalte des teilweise recht komplexen Planungsprozesses wurden zunächst im Zuge der Wissensvermittlung durch Unterrichte und den dialogischen Austausch nähergebracht. Die NATO-Vorschrift APP-28 ist mit Abweichungen vergleichbar zum deutschen Führungsprozess Landstreitkräfte. Die vorgeschriebenen Schritte bilden ebenso die Auswertung des Auftrages, die Beurteilung der Lage, die Entwicklung von Möglichkeiten des Handelns, die Formulierung des Entschlusses ab.
Das Herzstück des Lehrganges war jedoch nicht die reine Wissensvermittlung, sondern vielmehr die praktische Umsetzung des Ganzen in Gruppenarbeit im Zuge einer fiktiven Korpslage. Dabei hatte man als Lehrgangsteilnehmer in unterschiedlichen und wechselnden Rollen den Auftrag, eben jene NATO-Vorschrift APP-28 im Rahmen einer Offensivoperation planerisch umzusetzen. Der Schwerpunkt lag dabei weniger auf dem Ergebnis selbst, sondern vielmehr auf dem Prozess der Planung sowie dem allgemeinen Verständnis für die prozessbezogenen Abläufe.
