Irankrieg: Weitere Fokussierung auf Straße von Hormus

Die USS Boxer, hier 2024 vor den Philippinen, soll mit der 11th Marine Expeditionary Unit nun ebenfalls in den Nahen Osten verlegen.
Die USS Boxer, hier 2024 vor den Philippinen, soll mit der 11th Marine Expeditionary Unit nun ebenfalls in den Nahen Osten verlegen. (Foto: U.S. Marine Corps)

In der dritten Woche des Irankriegs hat sich der Fokus weiter auf die Straße von Hormus, die Auswirkungen ihrer faktischen Sperrung durch den Iran auf die Weltwirtschaft und mögliche Operationen zu ihrer Öffnung verlagert. Zwar setzten beide Seiten ihre Luft- und Raketenangriffe fort und erzielten dabei auch Erfolge. So kamen bei israelischen Schlägen am Dienstag, 17. März der als eigentlicher Kopf der iranischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik geltende Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates Ali Laridschani, der Befehlshaber der Basidsch-Miliz Gholamreza Soleimani und der Sprecher der Revolutionsgarde Ali Mohammad Naini ums Leben.

Der Iran wiederum erzielte weitere Treffer auf die Öl-Infrastruktur der arabischen Golf-Staaten und Israel sowie gegen ein amerikanisches Stealth-Kampfflugzeug vom Typ F-35, das auf einem US-Stützpunkt notlanden musste. Ein starkes Absinken der täglichen iranischen Raketen- und Drohnenangriffe gegenüber den ersten Kriegstagen war von den USA und Israel als Erfolg bei der Ausschaltung der gegnerischen Flugkörperkapazitäten gewertet worden, jedoch haben sich diese auf einem niedrigen Niveau mit gelegentlichen Erfolgen stabilisiert. Es ist weiterhin unklar, ob dies das verbliebene Level der iranischen Fähigkeiten oder eine bewusste Strategie zu deren Konservierung über eine längere Kriegsdauer darstellt.

Weitere amphibische Kampfgruppe verlegt nach Nahost

Weitere schwerwiegende Angriffe auf die Schifffahrt im Persischen Golf wurden dagegen seit dem 12. März nicht mehr gemeldet. Der Verkehr durch die Straße von Hormus, durch die normalerweise neben etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels auch ein wesentlicher Teil der globalen Versorgung etwa mit Düngemitteln und Aluminium läuft, bleibt aufgrund der stark gestiegenen Versicherungs- und Transportkosten dennoch weitgehend eingestellt. Der Iran lässt lediglich einzelne Schiffe aufgrund von Absprachen mit verbündeten und neutralen Staaten wie China und Indien passieren. Insbesondere die Ölpreise bleiben daher unter Druck und schwankten in dieser Woche für ein Barrel der Standardmarke Brent zwischen 96 und 112 gegenüber einem Vorkriegswert von 70 US-Dollar und lagen zuletzt knapp unter 107, bei weiter steigender Tendenz.

Dazu trugen auch Meldungen zur Entsendung von mittlerweile zwei amphibischen Kampfgruppen von U.S. Navy und U.S. Marine Corps (USMC) in die Region bei. Demnach wird die Expeditionary Strike Group (ESG) um den Amphibienträger USS Boxer mit der 11th Marine Expeditionary Unit (MEU) aus Kalifornien entsandt. Bereits vor einer Woche hatte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth einen Antrag des zuständigen Zentralkommandos (CENTCOM) auf Verstärkung mit der 31st MEU um die USS Tripoli aus Japan genehmigt. Die Tripoli wurde zuletzt in Begleitung von zwei Zerstörern der Arleigh-Burke-Klasse auf Westkurs in der Philippinensee festgestellt.

Amerikanische Offensive in der Straße von Hormus

Die Boxer liegt gegenwärtig im Heimathafen San Diego und befindet sich eigentlich noch in der turnusmäßigen Vorbereitungsphase für den nächsten Törn mit der 11th MEU. Offensichtlich sollen die Schiffe und Marines nun vorzeitig in den Einsatz gehen. Dies unterstreicht die offenbar unvorhergesehene Dringlichkeit der Situation am Persischen Golf. Der Transit dürfte drei bis vier Wochen dauern. Am Donnerstag dieser Woche begannen die USA eine Offensive in der Straße von Hormus, bei der unter anderem Erdkampfflugzeuge vom Typ A-10 Thunderbolt II und Kampfhubschrauber AH-64 Apache gegen Schnellboote der iranischen Revolutionsgarde sowie Luft- und Seedrohnen eingesetzt werden.

Eine A-10C Thunderbolt II im Irankrieg. Unter den Tragflächen sind ein Luft-Boden-Flugkörper AGM-65 Maverick, ein Behälter mit sieben lasergelenkten 70-mm-Raketen APKWS und zwei Luft-Luft-Lenkwaffen AIM-9 Sidewinder vermutlich zum Einsatz gegen iranische Drohnen zu erkennen.
Eine A-10C Thunderbolt II im Einsatz am Persischen Golf. Unter den Tragflächen sind ein Luft-Boden-Flugkörper AGM-65 Maverick, ein Behälter mit sieben lasergelenkten 70-mm-Raketen APKWS und zwei Luft-Luft-Lenkwaffen AIM-9 Sidewinder vermutlich zum Einsatz gegen iranische Drohnen zu erkennen. (Foto: U.S. CENTCOM)

Für eine weitgehende Sicherung der Durchfahrt sind aber möglicherweise amphibische Operationen gegen die Inseln in der Meerenge oder sogar die Küste erforderlich. Ein potenzielles Ziel ist auch die Ölverladeinsel Kharg im Norden des Persischen Golfs. Über diese wickelt der Iran etwa 90 Prozent seiner Ölexporte ab, die trotz des Krieges bisher weiterlaufen und dem Regime in Teheran so Einnahmen sichern. In dieser Woche bombardierten die USA bereits militärische Einrichtungen und den Flughafen, jedoch nicht die Ölverladeanlagen auf der Insel.

Widersprüchliche US-Signale zum weiteren Verlauf des Irankriegs

Die Entsendung der Kampfgruppe um die USS Boxer macht es nun wahrscheinlicher, dass innerhalb der nächsten vier Wochen nicht nur Flugzeuge, sondern auch Bodentruppen des USMC am Golf zum Einsatz kommen. Allerdings entblößt diese Verlegung die Pazifikregion weiter von amerikanischen Kräften, was etwa China zu einem Vorgehen gegen Taiwan ermutigen könnte. Im vergangenen Jahr hatte das US-Verteidigungsministerium 2027 als möglichen Zeitraum für einen chinesischen Angriff auf die Insel bezeichnet. In einem jährlichen Geheimdienstbericht von dieser Woche hieß es dagegen, feste Pläne hierfür gebe es nicht. Stattdessen werde China vermutlich zuerst versuchen, die Kontrolle über Taiwan ohne Gewaltanwendung zu übernehmen.

Zum weiteren Verlauf des Irankriegs kamen aus den USA weiterhin widersprüchliche Signale. Präsident Donald Trump sprach erneut davon, dass das Erreichen der Kriegsziele sehr nahe sei und daher ein Zurückfahren der Angriffe erwogen werde. Seine Sprecherin Karoline Leavitt schrieb dagegen auf X, dass die Erfüllung der Mission noch vier bis sechs Wochen dauern werde. Um die Märkte zu beruhigen, gestatte Trump dem Iran zugleich bizarrerweise in einer Ausnahme von den amerikanischen Sanktionen den Verkauf von 140 Millionen Barrel Öl. Außerdem sagte er, nach dem Krieg sollten andere Länder die Sicherung der Straße von Hormus übernehmen, da die USA diese ohnehin nicht bräuchten.

Europäische Mission nach, aber nicht während des Krieges möglich

Zuvor hatten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die Niederlande ihre Bereitschaft zu einer solchen Mission nach einem Waffenstillstand erklärt. Bereits zu Kriegsbeginn hatte Frankreich hierzu eine Trägerkampfgruppe um die Charles de Gaulle in den Nahen Osten entsandt, der auch eine italienische, niederländische und möglicherweise eine spanische Fregatte angehören. Seit 2020 gibt es eine ebenfalls französisch geführte europäische Beobachtungsmission für die Straße von Hormus. Eine Beteiligung an den laufenden Operationen unter amerikanischer Führung haben die betreffenden Länder ausgeschlossen.

Auch nach den beiden Golfkriegen zwischen dem Iran und Irak in den 1980er und zur Befreiung Kuwaits 1991 gab es eine europäische Mission unter der Flagge der mittlerweile in die EU integrierten Westeuropäischen Union (WEU), die damit ihre einzige Operation durchführte. Aufgaben waren insbesondere die Minenräumung und die Überwachung des UN-Embargos gegen den Irak. Ob der Iran im aktuellen Krieg tatsächlich Minen verlegt hat, bleibt weiterhin unklar. Das Land selbst bestreitet dies, zumal es auch Schiffe gefährden würde, die die Meerenge mit seiner Erlaubnis passieren.

Stefan Axel Boes

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