Irankrieg: Verstärkte Spekulationen über Bodenoperationen

Ein MV-22 Osprey Kipprotorflugzeug des U.S. Marine Corps über dem Amphibienträger USS Tripoli, der aktuell für einen möglichen Einsatz im Irankrieg Richtung Naher Osten verlegt.
Ein MV-22 Osprey Kipprotorflugzeug des U.S. Marine Corps über dem Amphibienträger USS Tripoli, der aktuell für einen möglichen Einsatz im Irankrieg Richtung Naher Osten verlegt. (Foto: U.S. Navy/Peter Burghart)

In der zweiten Woche des Irankriegs haben sich die Spekulationen um amerikanische Bodenoperationen weiter verstärkt. Nachdem sich diese zunächst an der Absage einer Übung für Führungselemente der 82nd Airborne Division entzündeten, wurde am gestrigen Freitag bekannt, dass zumindest Teile der 31st Marine Expeditionary Unit (MEU) des U.S. Marine Corps (USMC) mit dem Amphibienträger USS Tripoli von Japan in den Nahen Osten verlegt werden sollen. Die Verlegung wird etwa zwei Wochen dauern. Die Nachricht wurde als Hinweis auf eine längere Dauer des Konflikts gedeutet, woraufhin die internationalen Ölpreise unmittelbar weiter bis knapp unter 104 US-Dollar pro Barrel der Standardmarke Brent anzogen.

Als mögliches Ziel gilt unter anderem die iranische Ölverladeinsel Kharg im Norden des Persischen Golfs, über die rund 90 Prozent der Ölexporte des Landes abgewickelt werden. Trotz des Krieges und der offiziellen Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran hat dieser nach einigen Berichten die Ausfuhrmenge sogar gesteigert. Mindestens zehn Tanker mit iranischem Öl hätten demnach seit Kriegsbeginn den Golf verlassen. Grund seien Absprachen mit China, Schiffe mit entsprechendem Ziel passieren zu lassen. Auch mit Indien gibt es demnach mittlerweile eine solche Vereinbarung. Die fortlaufenden Ölexporte bedeuten nicht zuletzt Geld für die Führung in Teheran und insbesondere die iranischen Revolutionsgarden, die ihr eigenes Wirtschaftsimperium betreiben.

Marines könnten Boden- oder Luftoperationen übernehmen

Amerikanische Falken haben daher bereits auf die Besetzung von Kharg gedrängt. In der Nacht zum heutigen Samstag – nach Börsenschluss – bombardierten die US-Streitkräfte Verteidigungseinrichtungen und den Flughafen der Insel. Eine längerfristig angelegte Bodenoperation wäre allerdings aufgrund der zu erwartenden Verluste gegenüber den bislang weitgehend aus der Luft geführten Angriffen militärisch und auch innenpolitisch riskanter. Eine weitere Möglichkeit wäre die Besetzung der iranischen Küste und Inseln entlang der Straße von Hormus, um den Beschuss und den Einsatz von Kleinkampfmitteln gegen die Schifffahrt in der Meerenge zu unterbinden.

Jedoch könnte die USS Tripoli auch einfach in ihrer Funktion als Träger für senkrechtstartfähige Stealth-Kampfflugzeuge F-35B des USMC zum Einsatz kommen. Gegenwärtig hat die U.S. Navy die ebenfalls aus Japan verlegte Trägerkampfgruppe um die USS Abraham Lincoln und die von Operationen gegen Venezuela zurückgekehrte USS Gerald R. Ford in der Region im Einsatz. Zudem wird die USS George H. W. Bush von der amerikanischen Ostküste erwartet. Die Ford befindet sich nach zweimaliger Verlängerung ihrer Einsatzperiode allerdings bereits über 240 Tage in See und müsste dringend abgelöst werden.

Weitgehende Konzentration der US-Flotte auf Nahost

Insgesamt konzentrieren sich große Teile der aktuell einsatzbereiten amerikanischen Flotte mittlerweile in der Nahostregion. Vor Venezuela operiert noch immer die amphibische Kampfgruppe um die USS Iwo Jima. In Japan verbleibt die Trägerkampfgruppe der USS George Washington mit Heimathafen in Yokosuka. Die USS Nimitz, Typschiff der Trägerklasse, ist gegenwärtig zur Außerdienststellung von der amerikanischen West- zur Ostküste unterwegs während der Amphibienträger USS Boxer sich zuletzt in der Trainingsphase mit der 11th MEU befand und nach letzten Berichten im Heimathafen San Diego liegt. Außer den Kampfgruppen operieren vier Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse unabhängig im östlichen Mittelmeer und sechs im Arabischen Meer.

Zielhilfe aus China: der Al Dhafra Luftwaffenstützpunkt der Vereinigten Arabischen Emirate nach iranischen Angriffen.
Zielhilfe aus China: der Al Dhafra Luftwaffenstützpunkt der Vereinigten Arabischen Emirate nach iranischen Angriffen. (Foto: X/MizarVision)

Zudem haben kurz vor dem Irankrieg drei Littoral Combat Ships der Independence-Klasse mit eingeschifften Minenjagdmodulen die zuvor in Bahrain stationierten vier alten Minenjagdboote der Avenger-Klasse abgelöst, ein viertes wurde noch erwartet. Die Schiffe könnten beim Räumen angeblich vom Iran in der Straße von Hormus verlegter Seeminen zum Einsatz kommen, wozu es jedoch widersprüchliche Berichte gibt. Die USA haben nach eigenen Angaben bislang 28 iranische Minenleger angegriffen, die Iraner setzten jedoch ihre Versuche mit kleineren Booten fort. Effektive Räumaktionen dürften erst nach weitgehender Sicherung des Umfelds der Meerenge stattfinden.

Irankrieg kommt Russland und China entgegen

Auch Geleitaktionen für Handelsschiffe werden nach Berichten aus der U.S. Navy noch mindestens zwei Wochen auf sich warten lassen. Damit bleiben die Ölpreise und insbesondere die US-Regierung unter Druck, die sich bei ohnehin schlechten Umfragewerten aufgrund der weiter angespannten Wirtschaftslage und der kontroversen Politik von Präsident Donald Trump im November den Kongress-Zwischenwahlen gegenübersieht. Bislang gibt es keine Anzeichen, dass der Iran seine Gegenangriffe auf die Schifffahrt im Golf sowie die Öl-Infrastruktur und weitere Ziele auf dessen Arabischer Seite einstellen könnte oder das Regime in Teheran stürzt – auch wenn der neue geistliche Führer Ayatollah Modschtaba Chamenei nach US-Angaben noch vor seiner Wahl am ersten Kriegstag verwundet wurde.

Zu den schwerwiegenden amerikanischen Verlusten in dieser Woche gehörte ein Tankflugzeug KC-135, das möglicherweise nach einer Kollision einer Maschine desselben Typs über dem Irak abstürzte. Die sechsköpfige Besatzung kam dabei ums Leben, während das zweite Flugzeug beschädigt in Israel landen konnte. Fünf weitere Tankflugzeuge wurden Medienberichten zufolge bei einem Angriff auf die Prinz-Sultan-Luftwaffenbasis in Saudi-Arabien beschädigt. Neben den bereits zuvor gemeldeten sieben Gefallenen wurden nach unbestätigten Meldungen bislang etwa 140 US-Soldaten verwundet. Der Iran erhält für seine Schläge zumindest indirekt Unterstützung durch Russland und China, etwa durch zeitnah auf Social Media veröffentlichte kommerzielle Satellitenbildern hoher Qualität von amerikanischen Einheiten und Einrichtungen.

So sind auch mehrere Treffer auf Frühwarnradars in der ersten Kriegswoche erklärlich. Sowohl Russland als auch China profitieren von dem Konflikt, Russland – neben der Vergeltung für die US-Unterstützung der Ukraine in seinem eigenen Angriffskrieg – vor allem durch die gestiegenen Ölpreise. Zudem musste die Regierung Trump bereits mehrere Ausnahmen von den Sanktionen gegen russische Ölexporte gestatten, um die Märkte zu beruhigen. China ist zwar seinerseits stark auf Golf-Öl angewiesen, die Entblößung des Westpazifik von amerikanischen Kräften für den Irankrieg und der dort gemeldete hohe Verbrauch von Lenkwaffen kommt aber insbesondere seinen Eroberungsplänen für Taiwan entgegen. Beide Länder haben also Interesse an einem möglichst langen und teuren Krieg am Golf.

Stefan Axel Boes

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