Prozessorganisation Logistik
Die mit dem Überfall auf die Ukraine 2022 konsequent eingeleitete Ausrichtung auf den verfassungsrechtlich verankerten Kernauftrag der Landes- und Bündnisverteidigung im Zusammenwirken mit den Verbündeten der NATO stellt die Bundeswehr vor neue (alte) Herausforderungen.
Viele militärische Einsatzgrundsätze aus der Zeit vor 2010 werden wieder in den Fokus gerückt, aber auch mit den Erfahrungen aus dem Krieg in der Ukraine neu gedacht und auf den Prüfstand gestellt. Für die Logistik gilt es dabei, nicht nur die Frage der richtigen Dimensionierung zu stellen, weg von der chronischen Materialknappheit, sondern auch die technologische Entwicklung in all ihren Facetten einzubeziehen. IT-Unterstützung und effektive logistische Leistungserbringung sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Aktuell zeigt sich die IT-Unterstützung (IT-U) im logistischen Umfeld den dynamischen Herausforderungen der Landes- und Bündnisverteidigung nicht durchhaltefähig gewachsen.
Die Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familien (SASPF) als logistisches IT-Rückgrat in der nationalen Logistik steht dabei als strategische IT-Unterstützung im Mittelpunkt der Abläufe und ist für eine durchgängige logistische Versorgung sowie den Einsatz aller Waffensysteme unerlässlich. Abweichend von den bisherigen Erfordernissen im internationalen Krisenmanagement kommen den Faktoren Zeit, Interoperabilität und Flexibilität im Umgang mit SASPF für die durchhaltefähige Unterstützung über alle logistischen Ebenen hinweg, aber auch unter Einbeziehung taktischer Führungsinformationssysteme und externer logistischer Dienstleister eine deutlich höhere Bedeutung zu.
Dabei sind nicht nur die konkreten logistischen Abläufe für die Versorgung, sondern auch die Steuerbarkeit der Logistik über alle taktischen und operativen Phasen sowie die Reaktionsfähigkeit der IT- und Prozessanpassung im Fokus der Betrachtung. Die künftige Ausrichtung der IT-Unterstützung im logistischen Umfeld muss hierauf Antworten geben und damit eine höhere Resilienz, Flexibilität und Durchhaltefähigkeit auch unter gegnerischen Störmaßnahmen und operationellen Einflussfaktoren gewährleisten.
Mit dem bevorstehenden Übergang zu SAP S/4HANA eröffnen sich neue technologische Möglichkeiten. Das Potenzial für einen nachhaltigen Wandel darf dabei nicht auf die technologische Plattform reduziert werden. Es gilt auch in den Köpfen Verständnis dafür zu erzeugen, dass jede gute IT-Unterstützung ihre Grenzen in alten Zöpfen und unzweckmäßigen Vorgaben hat. Eine ehrliche Reflexion im Kontext spürbarer Entbürokratisierung und der Stärkung des Vertrauens in das pflichtbewusste und nachvollziehbare Handeln der einzelnen Bundeswehrangehörigen ebenso wie die kluge und smarte Umsetzung von IT-U zu nutzerorientierten Lösungen sind dabei ein wesentlicher Schritt, IT-Lösungen nicht zu technokratischen Verwaltungsmonstern werden zu lassen.
Die Art und Weise, wie wir IT-U im komplexen Umfeld der Logistik smart und intuitiv gestalten und in unserem logistischen System einbetten, ist zudem ein bedeutender Attraktivitätsfaktor. Die Leistungsfähigkeit der Logistik der Bundeswehr setzt eine resiliente, intuitive und vernetzte IT-Unterstützung voraus.
Zielbild einer künftigen IT-Unterstützung im logistischen Umfeld
Für die Betrachtung einer kriegstüchtigen IT-Unterstützung gelten die wesentlichen Prämissen der:
- Redundanz,
- Autarkie,
- Offline-Fähigkeit,
- medienbruchfreien Unterstützung im taktischen Umfeld (Durchgängigkeit),
- Informationssicherheit,
- Flexibilität,
- Prozessvereinfachung und Tätigkeitsvereinfachung durch höheren Automatisierungsgrad,
- leichten Bedienbarkeit und
- Reduzierung des digitalen Fußabdrucks.
Einzeln und zusammen betrachtet, erhöhen diese Faktoren die Resilienz in der Logistik.

