„Nicht Teil dieses Krieges“ – Während US-Präsident Trump die Eskorte von Schiffen in der Straße von Hormus plant, sieht Kanzler Merz dazu keine Notwendigkeit. Die deutschen Reeder reagierten mit Unverständnis.
Im Zuge des Krieges, den die USA und Israel gegen den Iran führen, ist die Straße von Hormus faktisch unpassierbar geworden. Zahlreiche Schiffe sitzen im Persischen Golf fest, es gab Angriffe – zuletzt auch auf ein Schiff der deutschen Reederei Hapag-Lloyd. Durch die Sperrung steigen die Ölpreise und Tankerraten, mit deutlich spürbaren Folgen für den Welthandel.
Für US-Präsident Donald Trump ist eine mögliche Antwort darauf die Eskorte von Handelsschiffen durch die Marine. Er brachte Kriegsschiffe der US Navy ins Gespräch und „hoffte“, auch andere Länder werden helfen. Auf seiner Plattform Truth Social nannte Trump China, Frankreich, Japan, Südkorea, Großbritannien und „andere Länder“, die von der Blockade des Irans für den globalen Öltransport betroffen sind.
Keine Zusagen für Eskorten
Abgesehen vom französischen Präsidenten Macron, der sich im Rahmen einer G7-Beratung dafür aussprach, die Eskorte von Öl- und Frachtschiffen mit militärischen Mitteln vorzubereiten, sind große Zusagen bisher allerdings ausgeblieben. So sagte ein Sprecher der chinesischen Botschaft in den USA, dass alle Staaten die Verpflichtung hätten, sich für eine sichere Energieversorgung einzusetzen. China selbst sehe sich in einer Vermittlerposition, zitierte das Nachrichtenportal Al Jazeera. Der indische Außenminister Jaishankar teilte gegenüber der Financial Times mit, dass zwei Gastanker, die unter indischer Flagge fahren, die Meerenge nach Gesprächen mit Vertretern des Irans passieren durften. Aus dem Iran gab es Spott zu Trumps Plänen: Erst hätten die Amerikaner behauptet, die iranische Marine zerstört zu haben, nun würden sie sogar um Verstärkung bitten.
Die deutsche Bundesregierung plant derzeit nicht, sich an Einsätzen im Persischen Golf zu beteiligen. Kanzler Merz sagte, er sehe dafür keine Notwendigkeit – Deutschland sei „nicht Teil des Krieges“ und solle es auch nicht werden. Dem schloss sich auch Außenminister Wadephul an.
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) reagierte enttäuscht und verwies auf die Zusagen des G7-Gipfels, Maßnahmen zur Sicherung des Schiffsverkehrs in der Region vorzubereiten. Deutschland solle internationale Bemühungen „aktiv begleiten“, wird der VDR medienübergreifend zitiert. Es sei notwendig, alle Optionen zum Schutz von Schiffen zu prüfen. Zu hoffen, dass es nicht zu Zwischenfällen kommt, sei keine tragbare Strategie.
Neben den Reedern äußerten sich auch die Schiffsmanager „zutiefst besorgt“ über die Lage und riefen dazu auf, Aktiväten in der Straße von Hormus sorgfältig zu prüfen. Zuletzt drohte außerdem eine Ausweitung des Konflikts auf das Rote Meer, nachdem die mit dem Iran verbündeten Huthi ankündigten, erneut Handelsschiffe angreifen zu wollen.
Jannik Westerkamp | HANSA Online
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