Lufthansa Aviation Training übernimmt Simulatorausbildung für P-8A Poseidon der Marine

Blick in den Simulator. (Foto © Boes)
Blick in den Simulator. (Foto © Boes)

Die Cockpitbesatzungen des neuen Seefernaufklärers Boeing P-8A Poseidon der Deutschen Marine üben seit vergangenem November bei der Lufthansa-Tochter Aviation Training. Nahe des Flughafens Berlin-Brandenburg, in einem Gebäude genau auf der Grenze zwischen beiden Bundesländern, nutzen sie dazu den Simulator für die zivile Boeing 737-800.

Möglich wird diese pragmatische Lösung, weil die P-8 auf eben diesem Zivilmodell beruht, wenn natürlich auch mit einigen Modifikationen. So wurde der Rumpf verstärkt und mit einem Waffenschacht sowie diversen Antennen ausgestattet. Die Tragflächen wurden von der größeren Version 737-900 übernommen. Dennoch bleibt das Flugverhalten ähnlich genug für das Type Rating, die fliegerische Zulassung auf dem Muster. Das Cockpit-Layout ist identisch, die Missionsausstattung spielt bei diesem Training ohnehin keine Rolle.

„Wir erleben derzeit eine breite öffentliche Diskussion rund um die Verteidigungsfähigkeit unserer Bundeswehr“, sagte Matthias Spohr, CEO von Lufthansa Aviation Training, beim offiziellen Auftaktevent am Simulatorstandort am 18. November. „Lufthansa steht bereit, ihre Verantwortung zu übernehmen und einen erheblichen Beitrag zu leisten. Unser erklärtes Ziel ist es, unsere als Fliegerinnen und Flieger tätigen Soldatinnen und Soldaten und unsere NATO-Partner optimal für ihre Militärarbeit vorzubereiten.“

Man tue dies im Übrigen in verschiedenster Form bereits seit Jahren, so Spohr weiter. Sei es in der Ausbildung von Piloten der Flugbereitschaft, bei der Ausbildung von Drohnenpiloten oder in der Zusammenarbeit beim Training von Hubschrauberbesatzungen. „Im Rahmen der Lufthansa Group arbeiten wir Hand in Hand mit den Kolleginnen und Kollegen der Lufthansa Technik, die auch die P-8 Poseidon betreut.“ Den zukünftigen Poseidon-Crews wünschte Spohr „Always Happy Landings“.

„Marineflieger haben eine strategische Bedeutung“

Als Kommandeur der Marineflieger schloss Kapitän zur See Broder Nielsen an: „Was uns unterscheidet vom Lufthansa-Captain ist, dass wir uns zwar in der Luft ziemlich wohl fühlen, aber genauso gut auf und unter Wasser arbeiten können. Die Marineflieger haben eine strategische Bedeutung, weil wir gegen strategische Waffen eingesetzt werden. Gegen nuklear angetriebene und nuklear bewaffnete Uboote aus der russischen Nordflotte.“

Einsatzgebiet sei neben Ost- und Nordsee das große Seegebiet im Nordatlantik zwischen Grönland, Island, Großbritannien und Norwegen. Dort arbeiteten die Marineflieger mit anderen P-8 betreibenden Nationen wie Norwegen, Kanada, den USA und Großbritannien zusammen. „Und ich hoffe, weitere Nationen stoßen zu diesem Verbund hinzu“, so Nielsen. Für diesen brauche man Infrastruktur, Logistik und Instandsetzung. „Aber die Basis all dessen, was wir leisten können müssen, ist eine vernünftige Ausbildung.“ Nielsen erwähnte dazu auch das amerikanische Unternehmen ASEC, einen engen Ausbildungspartner der U.S. Navy, als weiteren Teil der Kooperation. „Die Besatzungen verdienen das beste Equipment und sie verdienen die beste Ausbildung. Denn sie müssen im Gefecht bestehen“, sagte er. Anschließend beförderte er noch einen der ersten Ausbildungsteilnehmer vom Kapitänleutnant zum Korvettenkapitän.

Von Stefan Axel Boes

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