Wir bringen Stärke und Verlässlichkeit in das Bündnis!
Herr Botschafter, wie stellt sich für Finnland als NATO-Partner mit der längsten Grenze zu Russland aktuell die regionale Sicherheitssituation dar?
Gerade die letzte Woche war wichtig für uns und unsere Partner in Europa, denn wir feierten den 50. Geburtstag der KSZE oder OSZE, die in Helsinki geboren wurde. Auf diese Entwicklung hat sich ja die europäische Sicherheitsarchitektur sehr stark gestützt. 2014 beziehungsweise 2022 ist diese Architektur stark beschädigt worden. Für uns heißt es aber nicht, dass man diese Institutionen aufgeben soll. Nicht die OSZE, nicht die Europäische Union, nicht die NATO. Sondern man soll sie mit allen Kräften unterstützen, weil das die Garantie gegen die Willkür ist. Russland dagegen will die Sicherheitsarchitektur ändern und stellt die Wahlfreiheit, sprich Souveränität und Entscheidungsfreiheit der Staaten, infrage. Und das entspricht nicht unseren Zielen.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und die Gefahr auch für Europas Frieden?
Natürlich gibt es die Möglichkeit, dass der Krieg sich über die Ukraine hinaus entwickelt. Und deshalb ist es wichtig, die Ukraine in ihrem Kampf zu unterstützen. Das ist ganz eindeutig. Ich sehe auch eine Gefahr in einem Diktatfrieden, der den Angreifer belohnt und damit die Grundlage weiterer Aggressionen darstellt.
Was hat sich für Finnland durch den NATO-Beitritt geändert? Betrachtet Finnland sich vor allem als Sicherheitsempfänger oder auch als regionalen Sicherheitsgaranten für die Nachbarn im Baltikum und Norwegen?
Es ist ja in der Natur des Bündnisses, dass man sich gegenseitig aufeinander verlassen kann. Und das entspricht auch unserem Verständnis. Aber jetzt ganz nüchtern, wenn man sich Finnlands Profil anschaut: Wir sind gut aufgestellt, gut ausgerüstet, es besteht ein hoher Verteidigungswille innerhalb der Bevölkerung, wir haben eine strategische Tiefe. Also ich würde sagen, wenn man all das zusammenzählt, dann ist die NATO mit dem Beitritt Finnlands und auch Schwedens ein Nettoempfänger. Denn wir bringen Stärke und Verlässlichkeit in das Bündnis.
Wie bewerten Sie die Ergebnisse des NATO-Gipfels in Den Haag, insbesondere hinsichtlich des neuen Ziels bei den Verteidigungsausgaben und den amerikanischen Bündnisverpflichtungen?
Der Gipfel wurde sehr sorgfältig vorbereitet und verlief nach Plan, würde ich mal sagen. Natürlich sind diese Verteidigungsausgaben sehr hoch, aber in Finnland wurden die eigentlich ziemlich nüchtern empfangen. Man erkennt die Bedürfnisse dieser Zeit. Man muss auf Verteidigung und Abschreckung setzen, und das tun wir. Und ich glaube, mit dieser Investition werden Europa und die individuellen Länder in Europa auch resistenter. Aus finnischer Sicht muss dabei die Last gleichmäßig aufgeteilt werden, sodass alle Bündnismitglieder im gleichen Maß beitragen.
Was erwartet Finnland von größeren NATO-Partnern wie Deutschland, aber auch Großbritannien, Frankreich und Polen? Was tut Ihr Land, um den Einsatz von Verbündeten im eigenen Land zu erleichtern, etwa durch gesetzliche Regelungen für den Transit oder Ausbau von Infrastruktur – Stichwort Host Nation Support?
Es gib schon gewisse Erwartungen an Deutschland, Frankreich und Großbritannien, dass sie sich politisch und militärisch auch so verhalten, wie es ihrer Größe eigentlich entspricht. Und ich glaube, die Bedeutung des Ostseeraumes wird auch stärker. Ein Teil unserer NATO-Integration ist, dass wir uns den NATO-Verteidigungsplänen entsprechend aufstellen. Das heißt, dass wir beim Personal, in der Ausrüstung und wahrscheinlich dann auch in Fragen wie Military Mobility einige Veränderungen und Verbesserungen durchführen.
Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 4/25 des HHK!
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