Nachgefragt bei … Oberst Stephan Kurjahn, Kommandeur Technische Schule des Heeres und General der Heereslogistiktruppene

Oberst Stephan Kurjahn, Kommandeur Technische Schule des Heeres und General der Heereslogistiktruppen, stellte sich den Fragen von Oberst a. D. Michael Horst. (Foto © TSH)
Oberst Stephan Kurjahn, Kommandeur Technische Schule des Heeres und General der Heereslogistiktruppen, stellte sich den Fragen von Oberst a. D. Michael Horst. (Foto © TSH)

Nachgefragt bei … Oberst Stephan Kurjahn, Kommandeur Technische Schule des Heeres
und General der Heereslogistiktruppen

Herr Kurjahn, welche Ziele haben Sie sich in Ihrer Funktion als Kommandeur der Technischen Schule des Heeres (TSH) und General der Heereslogistiktruppen gesetzt?

Fangen wir mit dem Schulkommandeur an. Als Erstes habe ich natürlich das Ziel, das jeder Kommandeur in dieser Zeit hat: Wie mache ich bis 2029 meinen Verband kriegstüchtig? Als Schule sind wir eine ortsfeste Ausbildungseinrichtung, die im Fall der Landes- und Bündnisverteidigung (LV/BV) nicht verlegen wird. Aber jeder Einzelne muss damit rechnen, auch schnell woanders gebraucht zu werden, beispielsweise an der NATO-Ostflanke. Das Zweite ist, die Trainings so umzustellen, dass wir nicht schulisch ausbilden, sondern so gut wie möglich die Realität der Landes- und Bündnisverteidigung abbilden. Instandsetzung in Landes- und Bündnisverteidigung findet nur selten in Hallen bei 500 Lux Beleuchtungsstärke und bei einer Temperatur von 20 Grad statt.

Was habe ich mir als Ziel für die gesamte Schule gesetzt? Wir müssen jetzt mit dem erhöhten Ausbildungsbedarf, der bis 2029 auf uns zukommen wird, umgehen können. Dieser wird im Wesentlichen durch zwei Kernfaktoren getrieben. Das eine ist das Sondervermögen plus dem, was jetzt durch die Beschlüsse des NATO-Gipfels in Den Haag folgen wird – Stichwort 3,5 Prozent. Dadurch werden bereits in den nächsten Jahren eine Vielzahl neuer Waffensysteme zulaufen. Die technische Ausbildung für alle Landsysteme, und ich betone für alle, wird an der TSH stattfinden.

Das Zweite ist das Zielbild Heer. Wir werden sowohl durch die Umstrukturierung und den weiteren Ausbau des Heeres als auch durch die Ergebnisse des „Osnabrücker Erlasses“ einen immensen Ausbildungsbedarf haben. Wir werden zusätzliche Truppengattungen wiederaufbauen, beispielsweise die Heeresflugabwehrtruppe, die Heimatschutzkräfte werden weiter aufwachsen, der Aufbau der Mittleren Kräfte wird vorangetrieben, die Divisionen und bei Division 25 bereits vollzogen, werden mit eigenen Versorgungsbataillonen für die Divisionstruppen ausgestattet. Das alles erzeugt einen erhöhten Ausbildungsbedarf für die Instandsetzungskräfte. Um diese enormen Herausforderungen aus beiden Faktoren unter der angespannten Personallage in der Bundeswehr gerecht zu werden, muss sich die TSH weiterentwickeln. Daran arbeite ich mit Hochdruck!  

Und als General der Heereslogistiktruppen?

Als General der Heereslogistiktruppen, also als General der beiden Truppengattungen Nachschub und Instandsetzung, repräsentiere ich rund 10.000 Soldatinnen und Soldaten im Deutschen Heer mit den derzeitigen sieben Versorgungsbataillonen und vier selbstständigen Kompanien. Diese Truppengattungen werden personell aufwachsen. Auch die Anzahl der Bataillone wird zunehmen.

Als Beispiel sei das Versorgungsbataillon 456 der Brigade 45 genannt, aber auch perspektivisch weitere, beispielsweise für die Divisionstruppen der 1. Panzerdivision. Demzufolge nehme ich mich diesen Veränderungen als General der Heereslogistiktruppen an und sehe mich da auch als Anwalt der beiden Truppengattungen. Die größten Herausforderungen bei den Heereslogistiktruppen, sind – wie bei nahezu der gesamten Bundeswehr – das Fehl an Personal und Material. Wir haben derzeit eine durchschnittliche Dienstpostenbesetzung von rund 70 Prozent in den Heereslogistiktruppen. Das Zweite ist das Material. Wir haben schon gut was erreicht, insbesondere in der Kategorie der Transportplattformen. Wir benötigen allerdings bei unseren logistischen Systemen, zum Beispiel Tankcontainer, Bergemittel, Umschlagmittel, Kräne, noch einen erheblichen Zuwachs.

Welche Änderungen zur Struktur Heer 2011 sind für die Versorgungsbataillone und die logistischen Dienste des Heeres geplant beziehungsweise eingeleitet?

Wir haben, beginnend 2011, die Heereslogistiktruppen umstrukturiert von Systemkompanien – das waren klassische Nachschub- oder Instandsetzungskompanien – hin zu Fähigkeitskompanien, zu Versorgungskompanien, um uns damit flexibel auf dem Gefechtsfeld aufzustellen. Dabei entwickeln wir uns ständig weiter.

Beispielsweise untersuchen wir derzeit, wie das Versorgungsbataillon für die Mittleren Kräfte aussehen muss. Die Mittleren Kräfte haben andere Einsatzgrundsätze als die schweren und die leichten Kräfte und damit auch andere Anforderungen an die Logistik. Weiterhin: Wir haben die logistische Ebene 1 gestärkt. Die Kampftruppenbataillone können jetzt bei Bedarf und wenn es die Lage zulässt mit einer Instandsetzungsgruppe für das Hauptwaffensystem weit vorne instand setzen, um dann das Gerät schnell wieder der Truppe zuzuführen. Das hat natürlich auch seine Grenzen in der hochbeweglichen Gefechtsführung mit sehr geringen Verweildauern vorne bei der Kampftruppe.

Wo man sich heute fragen muss: Ist das noch tragfähig im Sinne von Landes- und Bündnisverteidigung, oder brauche ich hier vielleicht weit vorne in der Kampftruppe noch hochmobilere Einheiten, die dann noch schneller verlegen können, mit weniger Verweildauer für die Instandsetzungszeiten, aber damit auch mit eingeschränkteren Instandsetzungsfähigkeiten. Über welche Kräfte und Fähigkeiten der Einsatzlogistik des Heeres werden die Panzerbrigade 45 und die Division 2025 zukünftig verfügen? Die Division 25 verfügt auf der Ebene der Brigaden jeweils über ein Versorgungsbataillon. Die Gliederung ist auf die Hauptwaffensysteme und die Bedarfe der jeweiligen Brigaden ausgerichtet. Die Division selbst hat für die Divisionstruppen – beispielsweise Artillerie-, Aufklärungs- und Pionierkräfte – ein eigenes Versorgungsbataillon bekommen.

Das komplette Interview lesen Sie in Ausgabe 4/25 des HHK!

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